Schwache Konjunktur Deutsche Industrie rechnet mit mehr Kurzarbeit

Die schwache Konjunktur macht sich auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar: Die Unternehmen erwarten in den nächsten Monaten mehr Kurzarbeit. Von neuen Massenentlassungen ist Deutschland aber weit entfernt.

Produktion von Elektromotoren in Bitterfeld-Wolfen
Waltraud Grubitzsch / DPA

Produktion von Elektromotoren in Bitterfeld-Wolfen


Rund ein Jahrzehnt nach der globalen Weltwirtschaftskrise wird in deutschen Führungsetagen das Thema Kurzarbeit wieder mehr und mehr zu einem Thema. Dies zeigt eine aktuelle Umfrage des Ifo-Instituts: 8,5 Prozent der befragten Unternehmen im Verarbeitenden Gewerbe erwarten Kurzarbeit in den kommenden drei Monaten. Das ist der höchste Wert seit Anfang 2013. Vor einem Jahr erwarteten laut Ifo-Institut nur 2,6 Prozent der Unternehmen die Einführung einer solchen Maßnahme.

"Die konjunkturelle Abschwächung hinterlässt allmählich ihre Spuren auf dem Arbeitsmarkt", sagte Ifo-Experte Timo Wollmershäuser. Die deutsche Industrie befinde sich seit Mitte vergangenen Jahres in einer Rezession. "Kurzarbeit ist ein Mittel der Wahl, wenn Unternehmen trotz wirtschaftlich schwieriger Zeiten ihre Fachkräfte halten wollen", so Wollmershäuser.

Wenn aus bestimmten Gründen die betriebsübliche Arbeitszeit vorübergehend gekürzt oder komplett gestrichen wird, können Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld erhalten. Das soll den Verdienstausfall teilweise ausgleichen. Ziel ist es, dass Beschäftigte nicht gekündigt werden, sondern im Betrieb bleiben können. Für die Zukunft schlägt die IG Metall ein Modell vor, bei dem Kurzarbeit mit Qualifizierungsmaßnahmen verbunden werden soll.

"Das Jobwunder ist in Deutschland nicht vorbei"

Nach vorläufigen hochgerechneten Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) wurde im April an 44.000 Arbeitnehmer konjunkturelles Kurzarbeitergeld gezahlt - nach 13.000 im Vorjahr. Ökonom Holger Schäfer vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) verweist allerdings darauf, dass die Kurzarbeiterzahlen in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise vor rund zehn Jahren weit höher waren. Damals waren bis zu 1,5 Millionen Menschen in Kurzarbeit.

Trotz der Industrierezession sei derzeit nicht absehbar, dass Deutschland wieder in eine solche Situation kommen werde, zumal der Dienstleistungssektor brumme. Der Beschäftigungsaufbau verlangsame sich, sei aber immer noch substanziell: "Wir müssen aufpassen, dass wir uns die Krise nicht herbeireden."

Auch Claus Michelsen, Konjunkturchef des Forschungsinstituts DIW, warnt vor Alarmismus: "Das Jobwunder ist in Deutschland nicht vorbei." Es gebe noch keine Anzeichen dafür, dass es zu Massenentlassungen in Deutschland kommen werde, auch wenn zuletzt Großkonzerne wie die Deutsche Bank, BASFund Siemens Job-Abbaupläne angekündigt hätten.

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier.
Wer steckt hinter Civey-Umfragen?
An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

"Wer steckt hinter Civey-Umfragen?

An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert."

hej/Reuters



insgesamt 3 Beiträge
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motoko_kusanagi 04.07.2019
1. Zusatz-Topf für die Unternehmen
Den beschriebene Trend seh ich auch, dennoch: Was stattfindet ist eine weiter - sich abschwächende - ZUnahme der Beschäftigungsverhältnisse. Klar kann niemand erwarten, dass jedes Jahr ununterbrochen 100.000 bis 150.000 neue Arbeitsplätze generiert werden. Weiterhin ist die Nachfrage immer noch sehr hoch. Anders gesagt: Es "kippt" erst dann in Richtung Normalität, wenn das Jammern nach fehlende facharbeiter (in der Breite) aufhört. Als das Instrument "Kurzarbeitgeld" in dieser Fassung noch nicht gab, galt auch mal ein befristetes "abbummeln" als betriebliche "Lösung" oder das Zeitkonto mehr nutzen - statt gleich loszurennen und "Kurzarbeit" zu rufen. Ich seh - zumindest aktuell - eher ein Abwälzung auf die öffentliche Kasse.
naja_ 04.07.2019
2. Würde nicht vor wenigen
Wochen was von Fachkräftemangel erzählt. Im Bundestag der Zuzug von Fachkräften aus dem nicht EU Raum beschlossen? Jetzt wird von Kurzarbeit oder gar Massenentlassungen geredet.
herm16 05.07.2019
3. kommentar naja
ja, das wird spannend
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