Ifo-Index Stimmung in deutschen Firmen so schlecht wie zuletzt Ende 2014

Die aktuelle Lage scheint gar nicht so schlecht, doch die Aussichten für die kommenden Monate machen den Unternehmen Sorge: Das Ifo-Geschäftsklima fiel im Juni auf den niedrigsten Stand seit November 2014.

Container im Hamburger Hafen
DPA

Container im Hamburger Hafen


Firmen in Deutschland blicken deutlich skeptischer auf die kommenden Monate. Das Ifo-Geschäftsklima fiel im Juni um 0,5 Punkte auf 97,4 Zähler, wie das Münchner Forschungsinstitut mitteilte. Das ist der tiefste Stand seit November 2014. "Die Stimmung in den deutschen Chefetagen hat sich weiter abgekühlt", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Führungskräfte beurteilten ihre Geschäftslage besser, die Aussichten für die kommenden sechs Monate hingegen schlechter.

"Die deutsche Konjunktur flaut weiter ab", sagte Fuest. Bis auf den Handel trübte sich das Geschäftsklima in allen betrachteten Sektoren ein.

Entwicklung des Geschäftsklimas

Das Ifo-Geschäftsklima wird aus der Befragung von etwa 9000 Unternehmen errechnet. Der Indikator wird als gute Schätzgröße für das künftige Wirtschaftswachstum angesehen.

Das Ifo-Institut rechnet für das laufende Quartal mit einem Schrumpfen der Wirtschaftsleistung. Das Forschungsinstitut befürchtet allerdings keine Rezession - also zwei Quartale in Folge mit zurückgehender Wirtschaftsleistung. Im ersten Quartal hatte das deutsche Bruttoinlandsprodukt um 0,4 Prozent zugelegt.

Angesichts der Zollkonflikte, der Gefahr eines harten Brexits sowie wachsender Spannungen zwischen den USA und Iran brachen auch die Konjunkturerwartungen von Börsianern zuletzt deutlich ein.

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier.
Wer steckt hinter Civey-Umfragen?
An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

mmq/Reuters/dpa

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Michael Kn 24.06.2019
1. Jammern auf hohen Niveau
Wahrscheinlich laufen gerade nur viele Tarifverträge aus. Da muss das Management natürlich Trauerstimmung verbreiten. Nicht das Wachstumsraten im Gehalt erreicht werden, wie im Managment. Wie häufig lagen eigentlich die Vorhersagen der Ifo-Index im Bereich der Erfüllung? Macht aber nix, 2014 wachstum BIP (preisbereinigt) +1,9%, 2015 +1,7%, 2016 +1,9% 2017 2,2%. Ok, da wirkt ein Rückfall auf 2014 Niveau wie ein Todesnachricht. Aber gegen 2012 und 2013 (jeweils 0,5%) immer noch Top. Also entspannt zurücklehnen, bei der Hitze ein Bier genießen und endlich mal die Mentalität aus den südlichen Ländern übernehmen.
Yoroshii 24.06.2019
2. Der andere Titel hier bei SPON:
Konsumfreude und Investitionen - Deutsche Wirtschaft nimmt wieder Fahrt auf! Die Statistiker, die Befrager, die "Influencer", die Spin-Doktoren, die Wirtschaftswissenschaftler, die 5 Weisen - kurzum alle jene die man dem Problemkreis Kaffeesatz-Leserei zuordnen muss, beweisen seit Jahrzehnten, dass sie nix wissen. Sie wissen das aber nicht! Es war einmal einer, der wohl wusste, dass er nix weiß. Das vermeintliche Wissen sei nur ein beweisloses Für-selbstverständlich-halten und in Wahrheit also Nichtwissen! Und so wird in den "Medien" der beweislose und lediglich auf zurechtgeschaukelten scheinmathematischen Zahlenwerken fußende Kehricht zusammengekehrt und je nach pol. vorgeschriebener Richtung verbraten und verbreitet. Es empfiehlt sich diesbezüglich bei Piketty nachzulesen.
rurei 24.06.2019
3. Der DAX stagniert schon seit Jahren, denn Vorsicht:
Die Deutsche Börse berechnet den DAX während der Handelszeit sowohl als Performance-Index, bei dem die ausgeschütteten Dividenden berücksichtigt werden, als auch als reinen Kursindex. Gebräuchlich ist der DAX allerdings als Performance-Index !!!!! Das unterscheidet ihn von vielen anderen bekannten Aktienindizes, die als Kursindex geführt werden !!!!! Hier ist die Wahrheit, der DAX als Kursindex: https://www.ariva.de/dax_kurs-index/chart?t=3years&boerse_id=12 Im Vergleich der Dow Jones: https://www.ariva.de/dow-jones-industrial-average-index/chart?boerse_id=37&t=3years Also Vorsicht bein DAX !
Knack5401 24.06.2019
4. Gähn...
Wie war das am 23.05.2019? Deutsche Wirtschaft nimmt wieder Fahrt auf. Was dieses sinnlose Institut am Leben hält frage ich mich schon lange. Michael Kn im ersten Post hat Recht.
MJR 24.06.2019
5. Alle Rechnungen und Angestellten bezahlt?
Ja?! Dann haben wir kein Problem! Es sind die Shareholder in Form der Aktionäre und die Spekulanten, die damit Probleme haben, wenn die Gewinne von Unternehmen nicht mehr überproportional wachsen. Ein rein fiktives Problem also? Nein: Sie setzen ja die Weichen vom Aufsichtsrat aus. So stehen die Zeichen also auf "Freie Fahrt für unglaublichen Wahnsinn!". Denn Mitarbeiter entlassen ist gut, Ressourcen sparen schlecht und Nachhaltigkeit ist auf 2 Jahre im Rahmen des gesetzlichen Anspruchs auf Gewährleistung zu begrenzen. Selbst Geräte namhafter Hersteller produzieren nicht mehr so, dass man ihre Ergüsse sogar noch vererben kann! Im Mittelstand läuft es noch anders. Hier ist der Feind persönlich bekannt und nennt sich "Chef". In der Friseurbranche ist er es, der die beiden Ferienwohnungen in exponierter Lage mitsamt Sport- und Geländewagen gekonnt mit niedrigst verdienenden Angestellten kombiniert. Immer noch sympathischer, als wenn wildfremde Scheichs das Geld aus Deutschland direkt in den Dschihad investieren! Wie dem auch sei ist der Fehler, dass Firmen wie SAP 40% ihrer Gewinne den Aktionären ausschütten. Dieses System ist krank und funktioniert eben nur, wenn auf einer Erde, die sehr endliche Ressourcen bereitstellt, diese immer schneller und im erhöhten Umfang vernichtet werden! Das aktuelle Ausbeutersystem des ewig überproportionalen Wachstums ist der eigentliche Klimakiller, mehr noch: Er sägt den Ast ab, auf dem wir sitzen und hat bereits den Wohlstand gekappt, den Deutsche Sparer begründeten: Sparst Du bei Zeiten, hast Du in der Not. Die Not wird kommen, aber dank kranker Geldwirtschaft (wie eben oben beschrieben) und einhergehender Nullzins-Enteignung der einzig Vernünftigen, nämlich "Spar"-samen, befeuern wir die uns dramatisch bedrohenden Probleme der heutigen Zeit. Ein Umdenken? Wie denn! Die entscheidenden Positionen befinden sich in den Händen derjenigen, die massiv profitieren und sich denken: "Nach uns die Sintflut!"
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