Konjunkturaussichten Diese Branchen verlieren - und diese gewinnen

Die Deutschen shoppen, reisen, bauen - und die Konjunktur erweist sich dank konsumfreudiger Verbraucher als überraschend robust. Trotzdem wird 2020 für viele Branchen schwierig.

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Die Schwarzseher sind vorerst eines Besseren belehrt worden. Denn anders als es viele vorausgesagt haben, ist die deutsche Wirtschaft zuletzt - wenn auch schwach - gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs nach Angaben der Statistiker zwischen Juli und September um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal.

Im zweiten Quartal war das BIP noch um 0,2 Prozent geschrumpft. Nach zwei Minus-Quartalen in Folge sprechen Ökonomen von einer Rezession - doch so weit kam es nun nicht. "Wir haben keine technische Rezession, aber die Wachstumszahlen sind noch zu schwach", sagte Wirtschaftsminister Peter Altmaier in der ARD.

Positive Impulse kamen im Sommer vor allem vom Konsum. "Die privaten Ausgaben waren höher als im zweiten Quartal 2019, und auch der Staat steigerte seine Konsumausgaben", erklärten die Statistiker. Außerdem legten die Exporte zu, während die Importe in etwa auf dem Niveau des Vorquartals verharrten. Außerdem wurde mehr in Bauten investiert. Dagegen sanken die Investitionen in Ausrüstungen wie Maschinen.

Kein Grund zur Entwarnung

"Die deutsche Volkswirtschaft ist noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen", sagte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle. "Doch es gibt drei Gründe, sich nicht beruhigt und zufrieden zurückzulehnen: die Wirtschaft leidet unter einem Investitions- und Reformstau, die Konjunktur unter der enormen globalen, politischen Unsicherheit. Deutschlands Paradebranche - die Automobilindustrie - läuft nicht mehr rund."

Die aktuellen Probleme werden die Unternehmen auch im kommenden Jahr in Atem halten. Handelskonflikte, schwächere Weltkonjunktur und Brexit-Chaos setzen speziell den Exporteuren zu. Und der zu erwartende Arbeitsplatzabbau in zentralen Branchen könnte am Ende auf den Konsum durchschlagen.

Unter der Flaute in der Industrie leiden inzwischen auch viele unternehmensnahe Dienstleister, etwa die Logistikbranche. Die Wirtschaftsweisen sagen Europas größter Volkswirtschaft in diesem Jahr ein Wachstum von 0,5 Prozent voraus. 2020 soll es zu einer Beschleunigung auf 0,9 Prozent kommen, allerdings nur aufgrund der höheren Anzahl an Arbeitstagen.

Wie ist die Lage und wie sind die Aussichten in den einzelnen Branchen? Wo die Geschäfte gut laufen - und wo Brexit, wachsender Protektionismus oder auch die Klimadiskussion Spuren hinterlassen, zeigt der Überblick.

Mitarbeit: Tim Bartz, Stefan Schultz



insgesamt 41 Beiträge
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hdudeck 14.11.2019
1. Und wieder sind die Schwarzmaler unterwegs.
Wer glaubt, dass eine Wirtschaft bei staginierenden Wachstum sich in einer Krise befinded tut mir ehrlich gesagt leid, speziel wenn diese schon fast am Anschlag produziert, wie es die dt zur Zeit tut. Auch die dt Autoindustrie tut gut, ueberall in der Welt wollen die Leute am liebsten dt Autos kaufen, wenn sie das Geld dazu haetten. Der Hype ums E-Auto finded fast ausschliesslich in EU statt. Niemand in Africa haette die Idee, so etwas zu kaufen, und da ist noch ein riesengrosser Mark fuer Benzin getriebene Autos in der Zukunft.
drull 14.11.2019
2. Derzeit ist alles (fast) rund und dabei
wird übersehen, dass es in 3 - 5 Jahren unrunder wird. Dann nämlich gehen die Jahrgänge 1960 und folgende langsam "in Rente" und für die Zeit wurde und wird nicht voraus gedacht. Diese Menschen werden sich nämlich wundern, wie klein die (Mindest-)Rente dann ist. Konsum ist dann wenig. Ob die "Wirtschaftsweisen" das auch wissen? Von Vorsorge höre und lese ich wenig.
rrippler 14.11.2019
3. Wenn der eine dem anderen die Haare schneidet ...
... und dieser dann einem Dritten die Schuhe putzt usw., dann rollt scheinbar der Rubel, aber eine Wirtschaft lässt sich darauf nicht aufbauen. Nur die Werte-schaffenden Branchen zählen, alles andere ist nur Sahnehäubchen. Und bei den Werte-schaffenden Branchen sieht es durchweg düster aus. Unsere Staatenlenker haben mit Fleiss und Akribie dafür gesorgt, daß diese Branchen den Bach runtergehen. Ich sage nur Stickoxide, Feinstaub, CO2, Kernkraft, .... Daß die Commodity-Branchen noch florieren liegt daran, daß der Hammer dort zeitverzögert einschlägt, der Tanz auf der untergehenden Titanic. Bald werden wir unseren Nachbarländern die Haare schneiden und die Schuhe putzen müssen.
fcb-front 14.11.2019
4. Schwarzmaler?
Einige werden sich noch umgucken wie hart uns die Rezession treffen wird. Ein ganz entschiedener Wirtschaftszweig fehlt hier nämlich. Und das ist die Logistik. Diese kämpft zur Zeit teilweise mit einer Krise und Auftragslage vergleichbar mit 2009. Und die Logistik war schon immer das Fieberthermometer der Wirtschaft.
GoaSkin 14.11.2019
5.
Man kann noch so viel über die politischen Mißstände in Deutschland und auch über die Planlosigkeit deutscher Unternehmen schimpfen. Es läuft anderswo auch nicht unbedingt besser, wodurch der Wirtschaftsstandort hierzulande trotz kritikwürdiger Rahmenbedingungen einen gewissen Dusel hat. Es wird immer gerne geglaubt, dass im Ausland alles besser ist, was hierzulande schlecht ist, aber dem ist nicht immer so.
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