Konjunkturerholung US-Industrie wächst überraschend schnell

Gute Nachrichten aus der größten Volkswirtschaft der Welt: Der wichtige Index der US-Einkaufsmanager legte im Oktober stärker zu als erwartet und erreichte den höchsten Stand seit April 2006. Auch Zahlen vom Immobilienmarkt deuten auf eine rasche Konjunkturerholung in den USA hin.

Immobilien in den USA: Private Hausbauer profitieren von Steuergutschriften
AFP

Immobilien in den USA: Private Hausbauer profitieren von Steuergutschriften


New York - Die US-Industrie hat im Oktober überraschend stark an Fahrt gewonnen. Der an den Finanzmärkten viel beachtete Konjunkturindex der US-Einkaufsmanager stieg auf 55,7 von 52,6 Punkten im Vormonat, wie das Institute for Supply Management (ISM) am Montag mitteilte. Das ist der höchste Stand seit April 2006 und bereits der dritte Anstieg in Folge. Zugleich legten die Bauausgaben im September überraschend zu, weil der Wohnimmobilienmarkt von einer Steuergutschrift profitierte. Experten sehen das als Anzeichen für eine rasche Erholung der US-Wirtschaft.

Auch die Industriebetriebe steigerten ihre Produktion stärker als in den Vormonaten und stellten wieder neue Mitarbeiter ein. Dabei profitierten sie immer noch von anziehenden Aufträgen, wenn auch das Plus nicht so groß war wie noch im Vormonat. "Es sieht so aus, als ob die Industrie zurückkommt", sagte Mark Vitner von Wells Fargo Securities.

Nach den jüngsten Daten sei es nahezu ausgeschlossen, dass die US-Wirtschaft in die Rezession zurückfalle, sagte Chris Rupkey von der Bank of Tokyo-Mitsubishi. Experten hatten im Schnitt mit einem Anstieg des Einkaufs-Barometers auf 53,0 Punkte gerechnet. Erst ab Werten von 50 Punkten wird Wachstum signalisiert.

Private Hausbauer steigern Ausgaben deutlich

Die US-Wirtschaft war im dritten Quartal überraschend wieder gewachsen und dürfte damit die Rezession hinter sich gelassen haben. Experten warnten jedoch vor allzu großer Euphorie und verwiesen auf die milliardenschweren Konjunkturprogramme, die Grund für die Zuwächse seien.

Sogar vom Immobilienmarkt kamen nun positive Nachrichten. So zogen die Bauausgaben im September überraschend um 0,8 Prozent an, wie das Handelsministerium mitteilte. Angekurbelt wurden sie von Rekordausgaben des Staates: Die öffentlichen Bauherren gaben so viel aus wie noch nie, nachdem sie sich im Vormonat noch zurückgehalten hatten.

Die privaten Hausbauer steigerten ebenfalls ihre Ausgaben um 3,9 Prozent und damit so stark wie seit Juli 2003 nicht mehr. Sie dürften von einer Steuergutschrift profitiert haben, die Immobilienkäufer beim ersten Erwerb eines Eigenheimes erhielten. Das kurbelte auch den Absatz gebrauchter Immobilien an. Die anstehenden Häuserverkäufe aus dem Bestand schnellten um 6,1 Prozent nach oben und erreichten damit den höchsten Stand seit knapp drei Jahren. Das sei bereits der achte Anstieg in Folge, teilte die Maklervereinigung NAR mit.

BDI warnt vor Konjunktur-Euphorie in Deutschland

Auch in den anderen wichtigen Wirtschaftsnationen der Welt stehen die Zeichen einer Studie zufolge wieder auf Wachstum. Neben den USA hätten auch die Länder in der Eurozone, China und Japan die konjunkturelle Talsohle verlassen, hieß es in einer am Montag veröffentlichten Untersuchung der Beratungsfirma Deloitte. "Die großen Volkswirtschaften der Welt beginnen, sich zeitgleich von der Krise zu erholen, wobei dies fast überall durch staatliche Maßnahmen und die zunehmende Nachfrage aus Asien gestützt ist", hieß es.

Der Aufschwung sei aber gefährdet. "Noch hat sich die Lage an den Kreditmärkten nicht komplett entspannt, die Banken vergeben weiterhin nur wenig Kredite." Auch die Inflationsgefahr sei nicht gebannt. In der Eurozone sorgten die stabile Binnennachfrage und gestiegene Exporte für Wachstum, hieß es in der Studie. China bleibe - nicht zuletzt wegen massiver staatlicher Eingriffe - die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft der Welt. Auch in Indien und Japan zeige die Entwicklung nach oben.

Deutlich weniger optimistisch äußerte sich der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) über die wirtschaftliche Situation in Deutschland. "Der Absturz ist zu Ende, aber noch kein nachhaltiger Aufschwung in Sicht", sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf am Montag. Er verwies vor allem auf die nach wie vor extrem niedrige Kapazitätsauslastung der Industrie.

böl/Reuters/AP

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Seite 1
quengelbengel 20.10.2009
1. was ist daran überraschend?
...es ist doch wohl jedem klar, dass die großen kriege nicht auf dem atomaren spielfeld, sondern auf den geldmärkten ausgetragen werden, oder glaubt noch jemand an zufälle? wenn die US-Regierung alle schulden durch die option auf weiteres geld-drucken absichert (sprich durch inflation), dann ist klar wohin das führt. kurzsichtig finde ich den ansatz, wir wären so sehr von der us-wirtschaft abhängig. man sollte das nicht überschätzen: € als leitwährung (auch an den ölmärkten) würde den amerikanern sicher nicht schmecken, aber wenn alle mitzögen? it's paytime - nachdem wir so viel schlechtes aus der ausgehöhlten amerikanischen un-kultur nach europa übernommen haben vielleicht mal eine chance uns zu emanzipieren und auf eigenen beinen zu stehen? also so lange es geht, so viel öl für billige dollar kaufen, wie möglich, und dann abwarten bis die fußfaulen amis kein benzin mehr im tank haben! danach technologien für regenerative energien an sie verkaufen (für noch mehr dollars) um schließlich den chinesen und russen die rohstoffe abzukaufen, die wir brauchen, um hier überhaupt über die runden zu kommen...
LiLiLi 20.10.2009
2. Einseitig
Die Ansicht der EZB ist mal wieder sehr einseitig. Man kann nicht am Leistungsbilanzdefizit der USA (u.a) die Krise festmachen und dan weiter darauf bauen, dass die USA den Dollar hoch hält, um Importe aus Europa zu begünstigen. Natürlich ist es im Interesse der USA Exporte zu fördern. Dies ist eigentlich im Interesse der Globalwirtschaft. Europa sollte sich darauf konzentrieren die Binnenkonjunktur zu födern, um vom Export unabhängig zu werden. Das geht natürlich nicht, wenn man das Vermögen weiter von unten nach oben und die Subventionen der Kleinen aber nicht der Großen kürzen will. Den Milchbauen 270 Mio Euro gibt und auf der anderen Seite 3% des BIP für Entwicklungshilfe ausgeben will. Neoliberale angebotsorientierte Wirtschaftspolitik im Lissabonner Vertrag, aber keine Sozialpolitik auf EU Ebene festhält. Die EZB ist eben auch nur die lange Hand der Exportwirtschaft.
Hartmut Dresia, 20.10.2009
3.
Zitat von sysopWeil der Dollar gegenüber dem Euro stetig an Wert verliert, bangen die Europäer um ihre Konkurrenzfähigkeit auf dem US-Markt. Die langsam anziehende Konjunktur könnte so wieder ausgebremst werden - wie stabil ist Europas Konjunktur derzeit?
Gegenüber Juli 2009 stieg die Produktion von Gebrauchsgütern im August 2009 in der Eurozone um 5,3%. Erholung? Ja, etwas, doch entscheidend ist: In Deutschland stieg die Industrieproduktion im Monatsvergleich um 1,5 Prozent, aber im Jahresvergleich sank sie um 18,0 Prozent. (Produktion um 1,5% gestiegen und um 18,0% gesunken (http://www.plantor.de/2009/industrieproduktion-gestiegen-und-gesunken/)) Die Schwäche nun auf die USA zu schieben, das wäre zu billig. Denn nach wie vor ist der Binnenmarkt nicht in Ordnung, es wird kaum erneut gelingen, dass Deutschland sich auf Kosten anderer "gesundexportiert".
mr_smith 20.10.2009
4.
Zitat von sysopWeil der Dollar gegenüber dem Euro stetig an Wert verliert, bangen die Europäer um ihre Konkurrenzfähigkeit auf dem US-Markt. Die langsam anziehende Konjunktur könnte so wieder ausgebremst werden - wie stabil ist Europas Konjunktur derzeit?
Welche langsam anziehende Konjunktur? Den US-Markt würde ich als Unternehmer erstmal abschreiben. Das tun ja bereits langsam die Chinesen, Russen, und Japaner und einige Arabische Länder. Sogar die Amis und die nicht MainStreamMedien wissen Bescheid: "Die »New York Post« titelte am Donnerstag, den 15. Oktober, dass der Dollar seinen Reservestatus an Yen und Euro verliere. Eine trockene, zutreffende Feststellung, die noch vor zwei Jahren für hysterisches Gelächter gesorgt hätte. Ein kleiner Artikel im »Independent«, so gut wie unbemerkt in der deutschen Presse geblieben, führte diese Entwicklung im Zeitraffertempo herbei: »The demise of the Dollar« (»Der Hingang des Dollar«). Seitdem spielt nicht nur der Goldpreis verrückt." http://info.kopp-verlag.de/news/blattschuss-auf-den-dollar.html Es deutet alles daraufhin, dass in den nächsten Jahren der Dollar verschwinden wird.
hansi99 20.10.2009
5. das trifft nicht zu, denn
Zitat von mr_smithWelche langsam anziehende Konjunktur? Den US-Markt würde ich als Unternehmer erstmal abschreiben. Das tun ja bereits langsam die Chinesen, Russen, und Japaner und einige Arabische Länder. Sogar die Amis und die nicht MainStreamMedien wissen Bescheid: "Die »New York Post« titelte am Donnerstag, den 15. Oktober, dass der Dollar seinen Reservestatus an Yen und Euro verliere. Eine trockene, zutreffende Feststellung, die noch vor zwei Jahren für hysterisches Gelächter gesorgt hätte. Ein kleiner Artikel im »Independent«, so gut wie unbemerkt in der deutschen Presse geblieben, führte diese Entwicklung im Zeitraffertempo herbei: »The demise of the Dollar« (»Der Hingang des Dollar«). Seitdem spielt nicht nur der Goldpreis verrückt." http://info.kopp-verlag.de/news/blattschuss-auf-den-dollar.html Es deutet alles daraufhin, dass in den nächsten Jahren der Dollar verschwinden wird.
die meisten Länder, China, Russland, die Ölförderer haben Unsummen im Dollar liegen. China 2.300.000.000.000US-$. Dazu werden heute noch weitere US-Staatsanleihen gekauft. Aus dem Dollarraum gesehen, steigt der Kurs des EUR und verteuert die Importe für Mercedes, BMW u.a. und das ist vielleicht das Ziel. Förderung der US-Wirtschaft.
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