Konjunkturoptimismus Hedgefonds setzen wieder voll auf Wachstum

In der Wirtschaft macht sich Optimismus breit: Die Hedgefonds-Branche wächst wieder deutlich, positive Signale kommen auch aus Auto- und Luftfahrtindustrie. "Wir haben das Härteste hinter uns", sagt ein Top-Manager. Womöglich muss Deutschland sogar weniger Schulden machen als befürchtet.

EADS-Tochter Eurocopter: "Im Rahmen der Erwartungen"
AFP

EADS-Tochter Eurocopter: "Im Rahmen der Erwartungen"


Boston/Paris - Ist dies der ersehnte Aufschwung? Zumindest mehren sich die Anzeichen für eine weltweite Belebung der Konjunktur. Finanz-, Auto- und Luftfahrtindustrie - gleich mehrere Branchen verbreiten mit guten Nachrichten Optimismus.

So ist die Hedgefonds-Branche nach den schweren Verlusten des vergangenen Jahres wieder auf Kurs. Im August hätten die Fonds 1,65 Prozent zugelegt, teilte der Marktforscher Hedge Fund Research (HFR) am Dienstag mit. Seit Januar liege das Plus im Schnitt bei 14 Prozent. Die untersuchten Hedgefonds verwalten ein Vermögen von insgesamt 1,4 Billionen Dollar.

Die Branche ist laut HFR nun sogar auf dem besten Weg, das zweitbeste Ergebnis seit 1999 zu erzielen. Damals belief sich das Gesamtjahresplus auf mehr als 30 Prozent. Das vergangene Jahr war mit einem Minus von 19 Prozent das schlechteste in der Geschichte der Hegefonds.

Positive Signale sendet auch der französisch-japanische Autokonzern Renault- Nissan aus. Das Unternehmen hält die härteste Phase der Wirtschaftskrise für überwunden. Im ersten Halbjahr 2010 dürfte das Geschäft in den USA und in den Schwellenländern wieder anfahren, sagte der Chef des Autobündnisses, Carlos Ghosn, der französischen Tageszeitung "Le Figaro".

"Das Geschäft belebt sich"

Ende 2010 oder Anfang 2011 sei dann eine Verbesserung in Europa zu erwarten, Japan werde zuletzt folgen. In Europa dürfte das kommende Jahr etwa wie das derzeitige verlaufen, oder leicht besser, sagte Ghosn. "Wir haben das Härteste hinter uns - vor allen in den USA und in den Schwellenländern."

Verhalten optimistisch äußerte sich auch Louis Gallois, der Chef des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS. Er habe das Gefühl, dass sich das Geschäft allmählich zu beleben beginne, sagte der Manager der französischen Zeitung "La Tribune".

Zu den einzelnen Sparten des Konzerns sagte Gallois, dass die Hubschrauber-Tochter Eurocopter im Rahmen der Erwartungen liege. Beim Militärtransporter A400M gebe es die ernsthafte Chance, dass die Maschine noch vor Ende des Jahres fliegt. Und der Langstreckenflieger A350 sei gegenwärtig auf gutem Wege, allerdings gebe es weiter "erhebliche Herausforderungen". Erst im kommenden Jahr sei es möglich, die Tiefe und Länge der Krise voll abzuschätzen.

Schafft Deutschland doch das Maastricht-Kriterium?

Der Optimismus der Industrie färbt auch auf die öffentliche Hand ab. So muss Deutschland in diesem Jahr wohl doch nicht so viele Schulden aufnehmen wie erwartet. Nach Berechnungen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) werden Bund, Länder, Gemeinden und Sozialkassen 2009 dank der anziehenden Konjunktur Schulden in Höhe von nur etwa 2,75 Prozent des Bruttoinlandsprodukts machen, berichtet das "Handelsblatt". Damit würde die im Maastricht-Vertrag festgesetzte Höchstgrenze von drei Prozent erfüllt.

Ursprünglich hatte das Bundesfinanzministerium mit einem Defizit von vier Prozent gerechnet. Im Juli erklärte das Ministerium noch, wegen der Finanzkrise könne Deutschland das Maastrichtkriterium erst 2013 wieder einhalten.

Nun jedoch könnte sich die Lage als weniger dramatisch herausstellen. "Konjunktur und Arbeitsmarkt dürften sich besser entwickeln als befürchtet ", sagte IfW-Finanzexperte Alfred Boss im "Handelsblatt". Dadurch müsse der Gesamtstaat deutlich weniger Kosten für Arbeitslosigkeit tragen als bislang gedacht. Zudem sei die gesamtwirtschaftliche Lohnentwicklung besser, so dass sich Steueraufkommen und Beiträge günstiger entwickelten.

Für kommendes Jahr rechnet der Experte mit einer Defizitquote von rund 4,5 Prozent. Dies wäre dann zwar wirklich mehr als der Vertrag von Maastricht zulässt - doch im Vergleich zu bisherigen Prognosen immer noch gut: Die Regierung ging für 2010 bislang von sechs Prozent aus.

wal/Reuters/dpa/ddp



insgesamt 1577 Beiträge
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lalito 13.08.2009
1. tja
Zitat von sysopDie deutsche Wirtschaft wächst wieder, wenn auch nur leicht. Ist die Rezession jetzt vorbei? Oder muss man mit weiteren Rückschlägen rechnen - zum Beispiel auf dem Arbeitsmarkt?
Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wär schön, käme es nicht so schlimm wie befürchtet! Mal sehen wie es nach der Wahl wird, wenn die Zeche für die "systemrelevante" Rettung bei jedem einzelnen Individuum des Systems eingefordert wird.
Crom 13.08.2009
2.
Der Arbeitsmarkt wird nicht so schnell nachziehen, aber eine Rezession ist auch eine Chance. Die Unternehmen rationalisieren und werden dadurch wieder profitabel, was Ausgangspunkt für neues Wachstum darstellt.
sinnsucher, 13.08.2009
3. Huch! Kurz vor den Wahlen häufen sich die guten Nachrichten...
...ein Schelm, wer böses dabei denkt... wenn ich mir auch bei sonst nicht vielem mehr sicher bin, eins weiß ich genau: ich möchte nicht, dass alles einfach weiter geht wie VOR der Krise.
tmayer, 13.08.2009
4. Der Spiegel
hat sich hier wohl ein gewaltiges Eigentor geschossen mit seiner ständigen Schwarzmalerei. Düstere Aussichten und ewige Vergleiche mit der Weltwirtschaftskrise von vor 80 Jahren. Jetzt muss man sich die Frage gefallen lassen, ob man mit dieser Negativpolemik nicht gewaltig übertrieben hat und ob der Spiegel nicht an Glaubwürdigkeit verloren hat.
I'm a Substitute 13.08.2009
5.
Zitat von sysopDie deutsche Wirtschaft wächst wieder, wenn auch nur leicht. Ist die Rezession jetzt vorbei? Oder muss man mit weiteren Rückschlägen rechnen - zum Beispiel auf dem Arbeitsmarkt?
Meinen Sie diese Frage wirklich ernst? Als Mitarbeiter des Online-Portals eines großen Nachrichtenmagazins, das doch nun wirklich jahrzehntelang deutsche Politik und Wirtschaftsgeschichte begleitet und (zeitweilig sogar kritisch!) unter die Lupe genommen hat, ist Ihnen doch klar, daß ein "numerisches Wachstum" von vielleicht 2% (Containerumschlag im Hamburger Hafen) KEINEN Effekt auf den Arbeitsmarkt besitzt.
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