Konzernumbau Deutsche Bank macht Norisbank-Filialen dicht

Aus der Norisbank wird eine Direktbank, die rund hundert Filialen werden geschlossen. Laut Medienberichten sollen die Mitarbeiter zur Postbank wechseln. Der Mutterkonzern Deutsche Bank kündigte Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern an.
Norisbank: Künftig nur noch Geschäft über das Internet?

Norisbank: Künftig nur noch Geschäft über das Internet?

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/ picture-alliance/ dpa

Frankfurt am Main - Die Deutsche Bank baut ihr Privatkundengeschäft um. Nach der Übernahme der Postbank sollen bundesweit rund hundert Filialen der Tochter Norisbank geschlossen werden. Die etwa 400 Mitarbeiter sollen zur Postbank wechseln. Das berichten übereinstimmend die "Financial Times Deutschland" und dpa. Der Norisbank wird künftig nur noch eine Rolle als Direktbank über das Internet zugedacht.

Die Deutsche Bank   wollte die Berichte zunächst nicht bestätigen. Ein Sprecher sagte lediglich: "Es wurde eine Kooperationsvereinbarung zwischen Postbank   und Norisbank geschlossen, nun stehen Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern zu den Details an."

Über die Aufgabe des Filialnetzes der Norisbank wurde seit längerem spekuliert. Die Deutsche Bank hatte das Institut mit inzwischen rund 650.000 Kunden im August 2006 für 420 Millionen Euro von der genossenschaftlichen DZ Bank übernommen, um ihr Privatkundengeschäft zu stärken. Damals hatte die lange favorisierte Commerzbank den Kürzeren gezogen.

Umdenken bei der Deutschen Bank

Bei der Deutschen Bank fand vor sechs Jahren ein Umdenken statt: Vorstandschef Josef Ackermann, einst oberster Investmentbanker des größten deutschen Geldhauses, erkannte, dass das Kapitalmarktgeschäft allein auf Dauer nicht der Gewinnbringer sein kann. Die Deutsche Bank investierte in der Folge Milliarden in das lange vernachlässigte Privatkundengeschäft: Nach der Berliner Bank und der Norisbank (beide 2006) wurden Sal. Oppenheim und im vergangenen Jahr die Postbank übernommen.

Bei seiner letzten Jahres-Pressekonferenz Anfang Februar 2012 bilanzierte der scheidende Vorstandschef Ackermann: "Wir haben uns von riskanten Geschäftsaktivitäten verabschiedet und durch den massiven Ausbau des klassischen Bankgeschäfts unsere zweite Ertragssäule erheblich gestärkt." Während es im Investmentbanking herbe Rückschläge gab, war das Privatkundengeschäft zuletzt eine Stütze des Konzerns.

Mit der Übernahme der viel größeren Postbank, die ein ähnliches Geschäftsmodell hat, verlor die Norisbank innerhalb des Konzerns an Bedeutung. Im Januar hatte die Deutsche Bank mit der Postbank Verhandlungen über einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag aufgenommen. Ende 2011 einigte sie sich mit den Gewerkschaften über die Ausgliederung der Postbank-Mitarbeiter in selbständige Gesellschaften.

cte/doa