Konzernumbau RWE will durch Stromnetz-Verkauf die Kasse füllen

RWE macht Ernst mit dem Konzernumbau: Bereits in den kommenden Tagen will der Energieriese die Mehrheit an seinem Stromnetz verkaufen, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Das soll dem Konzern fast eine Milliarde Euro einbringen.

Stromleitungen in Mecklenburg-Vorpommern: Netzausbau hat Vorrang
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Stromleitungen in Mecklenburg-Vorpommern: Netzausbau hat Vorrang


München - Die Energiewende wirbelt die Geschäftspläne von RWE ordentlich durcheinander. Mit dem Ende der Atomkraft muss sich der Konzern neue Umsatzbringer suchen. Beim Konzernumbau macht RWE Chart zeigen nun Tempo.

Bereits in den nächsten Tagen wolle der Konzern sich von der Mehrheit seiner Netzsparte Amprion trennen, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Finanzkreise. Bis Ende Juni sollen demnach 75 Prozent der Amprion-Anteile den Besitzer wechseln. Damit wolle RWE fast eine Milliarde Euro einnehmen.

Dass der Konzern sparen muss und sich von zahlreichen Beteiligungen trennen will und dadurch mehrere Milliarden einnehmen will, hatte er bereits im Februar verkündet. Allerdings hatte das Unternehmen zu den geplanten Verkäufen keine Details genannt.

Die Tochter Amprion ist ein Netzbetreiber. Sie betreibt ein 11.000 Kilometer langes Hochspannungsnetz, das mehr als 25 Millionen Kunden in West- und Süddeutschland mit Strom versorgt. Die Commerzbank-Tochter Commerz Real werde im Auftrag von RWE in Kürze den Verkauf an bis zu acht Investoren aus der Finanzbranche besiegeln, berichtete die Zeitung. Dazu gehöre auch der Allianz-Konzern. Die Käufer würden zusammen drei Viertel der RWE-Tochter übernehmen. RWE, die Commerzbank und die Allianz lehnten einen Kommentar ab.

Großmann plant offenbar Treffen mit Gazprom-Chef

RWE selbst werde eine Sperrminorität von 25 Prozent behalten und sich die technische Führung des Netzbetriebs sichern, berichtete die Zeitung weiter. Die Netzbetreiber in Deutschland werden bei der Energiewende eine wichtige Rolle spielen. Denn zu den dringlichsten Plänen der Regierung zählt der Netzausbau. Viele Trassen gelten als instabil.

Laut dem Bericht prüft die RWE-Führung internationale Partnerschaften und sucht auch den Kontakt zum russischen Rohstoffkonzern Gazprom. RWE-Chef Jürgen Großmann werde in Kürze zu bislang geheim gehaltenen Gesprächen mit Gazprom-Chef Alexej Miller zusammentreffen, hieß es unter Berufung auf das Umfeld Millers. Das Treffen solle in Russland stattfinden. Auch ein RWE-Manager habe ein Treffen bestätigt, berichtete die Zeitung und zitiert ihn mit den Worten: "Es geht um die laufenden Geschäftsbeziehungen zwischen unseren Häusern." Gazprom-Chef Miller hat bereits ein grundsätzliches Interesse an einer Expansion auf dem deutschen Markt angemeldet.

RWE will gegen Brennelementesteuer vorgehen

Neben seinen Umbauplänen macht RWE aber zugleich auch Front gegen die Atompolitik der Bundesregierung. Als erster deutscher Kernkraftwerksbetreiber will der Konzern noch am Mittwoch Widerspruch gegen die Brennelementesteuer einlegen. Das sagte eine Unternehmenssprecherin und bestätigte damit einen Bericht der "Rheinischen Post".

Auch Konkurrent E.on hat für Juli eine Klage gegen die Steuer angekündigt. Die Konzerne sehen die Abgabe als rechtswidrig an. Sie war von der Bundesregierung im Zuge der AKW-Laufzeitverlängerung eingeführt worden, soll aber auch nach der Energiewende beibehalten werden. Mit der Steuer will Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble von den vier AKW-Betreibern E.on, RWE, EnBW und Vattenfall insgesamt jährlich rund 1,3 Milliarden Euro kassieren.

mmq/dpa-AFX/Reuters/dapd

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wolfgangl, 22.06.2011
1. schade...
... da hat unsere Regierung wieder mal geschlafen! Wäre eine gute Möglichkeit gewesen, einen Teil des Netzes zurück zu kaufen und mehr Gestaltungsmöglichkeit bei der Energiewende zu gewinnen. Da sieht man mal wieder, wie erst es der Regierung mit der Enregiewende ist!
Luscinia007 22.06.2011
2. bedauerlich
Zitat von wolfgangl... da hat unsere Regierung wieder mal geschlafen! Wäre eine gute Möglichkeit gewesen, einen Teil des Netzes zurück zu kaufen und mehr Gestaltungsmöglichkeit bei der Energiewende zu gewinnen. Da sieht man mal wieder, wie erst es der Regierung mit der Enregiewende ist!
Was besonders bedauerlich ist, wenn man bedenkt, dass die Commerzbank gerade erst mit zig Milliarden Steuergeldern gerettet werden musste, und dem Staat 25 % der Commerzbank gehören.
KeinSteinWieDerAndere 22.06.2011
3. Weitsicht fehlt
Also diesem RWE Knilch mangelt es ja total an Weitsicht. Die Stromnetze sind der einzige Bestandteil, der in der zukünftigen Energiewirtschaft nicht dezentralisiert werden kann und damit auch weiterhin von grossen Firmen betrieben werden muss. Und das verkauft er. Clever...
wll 22.06.2011
4. Kein Titel
Zitat von Luscinia007Was besonders bedauerlich ist, wenn man bedenkt, dass die Commerzbank gerade erst mit zig Milliarden Steuergeldern gerettet werden musste, und dem Staat 25 % der Commerzbank gehören.
Und was hat das mit dem Verkauf des RWE-Stromnetzes zu tun? Die besagte Tochter der Commerzbank wickelt den Verkauf lediglich ab, agiert also quasi als Makler. Außer einer Gebühr für ihre Bemühungen erhält sie dementsprechend auch kein Geld für den Verkauf. Der Kaufpreis geht selbstverständlich an den Netzeigentümer, also die RWE AG.
Kalaharry 22.06.2011
5. Wieso Verkauf?
Zitat von sysopRWE macht Ernst mit dem Konzernumbau: Bereits in den kommenden Tagen will der Energieriese die Mehrheit an seinem Stromnetz verkaufen, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Das soll dem Konzern fast eine Milliarde Euro einbringen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,769751,00.html
Das Stromnetz ist systemrelevant und gehört daher enteignet.
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