Korruption Brasilianischer Baukonzern zahlt mindestens 3,5 Milliarden Dollar Strafe

Es ist der größte Schmiergeldprozess, den es bisher gegeben hat: Der brasilianische Baukonzern Odebrecht und eine Tochter zahlen mindestens 3,5 Milliarden Dollar an die USA, die Schweiz und Brasilien.

Odebrecht-Zentrale in São Paulo
REUTERS

Odebrecht-Zentrale in São Paulo


Im größten Schmiergeldprozess der Geschichte haben sich der brasilianische Baukonzern Odebrecht und seine Tochter Braskem zu einer Strafzahlung von mindestens 3,5 Milliarden Dollar bereiterklärt. Der Prozess findet in einem New Yorker US-Bundesgericht statt, die Strafgelder gehen nach Brasilien sowie in die USA und die Schweiz. Die Strafe ist mehr als doppelt so hoch wie die 1,6 Milliarden Dollar, die Siemens vor acht Jahren nach einem Bestechungsskandal an die Behörden der USA und der EU überwiesen hat.

Laut der "Neuen Zürcher Zeitung" erfolgte die Verurteilung im Rahmen eines koordinierten Verfahrensabschlusses, an dem die Schweiz, Brasilien und die USA beteiligt sind. Demnach hat die Schweizer Bundesanwaltschaft die Konzerne per Strafbefehl zu einer Zahlung von mehr als 200 Millionen Franken verurteilt. Odebrecht und Braskem haben außer Schmiergeldzahlungen Verstöße gegen US-Anti-Korruptionsrecht eingeräumt, teilte das US-Justizministerium mit.

Die Ermittler werfen Odebrecht Schmiergeldzahlungen vor, mit denen sich Lateinamerikas größter Baukonzern milliardenschwere - und überteuerte - Aufträge des staatlichen Ölkonzerns Petrobras gesichert haben soll. Odebrecht und weitere Konzerne sollen wiederum unrechtmäßig Gelder an politische Parteien und Politiker geschleust haben. Für die Schmiergelder soll der Baukonzern Schweizer Konten genutzt haben - weshalb auch die Schweizer Justiz an dem Verfahren beteiligt war.

In den Skandal sind außer Dutzenden Firmen auch zahlreiche Politiker Brasiliens verwickelt. Zuletzt wurde im September der frühere Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva wegen Korruption und Geldwäsche angeklagt. Allein seine Arbeiterpartei soll bis zu 200 Millionen Dollar Bestechungsgelder erhalten haben, aber auch Oppositionsparteien sind betroffen.

Früheren Insider-Informationen zufolge ging es in dem Fall auch um illegale Zahlungen beim Bau von Sportstadien für die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Odebrecht hat mindestens vier der insgesamt zwölf WM-Stadien in Brasilien gebaut.

fdi/Reuters



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