Korruptionsskandal in Brasilien Haftstrafen für Spitzenfunktionäre von Petrobras

In der Schmiergeldaffäre um den brasilianischen Ölkonzern Petrobras wurden mehrere hochrangige Funktionäre verurteilt. Sie sollen jeweils Gelder in Millionenhöhe angenommen haben. Auch Spitzenpolitiker sind in den Skandal verwickelt.

Zentrale von Petrobras in Rio de Janeiro: ES geht um einen Schaden von mehreren Milliarden Euro
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Zentrale von Petrobras in Rio de Janeiro: ES geht um einen Schaden von mehreren Milliarden Euro


Seit über einem Jahr wird die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas von dem schweren Korruptionsskandal um den halbstaatlichen Ölkonzern Petrobras erschüttert. Nun hat das Bundesgericht in Curitiba mehrere hohe Funktionäre zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.

Der ehemalige Schatzmeister der regierenden Arbeiterpartei (PT), João Vaccari Neto, wurde wegen Korruption und Geldwäsche zu 15 Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Der frühere Dienstleistungschef von Petrobras, Renado Duque, muss für 20 Jahre und acht Monate ins Gefängnis. Das Gericht sprach acht weitere Angeklagte in dem Fall schuldig.

Damit sind die Ermittlungen im größten Korruptionsskandal in der Geschichte Brasiliens noch nicht abgeschlossen. Laut den Aussagen eines führenden Ermittlers, soll die Schmiergeldaffäre bereits unter dem früheren Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva begonnen haben. Mit Absprache des Bundesgerichts will die brasilianische Polizei den ehemaligen Spitzenpolitiker zu den Ereignissen befragen.

Bei der als "Petrolão" bekannten Affäre geht es um Geldwäsche, Untreue, Kartellbildung und Korruption in Milliardenhöhe. Unter anderem soll von 2004 bis 2012 durch überhöhte Vertragsabschlüsse bei Petrobras-Projekten Geld an politische Parteien geflossen sein - vor allem an die regierende Arbeiterpartei PT von Präsidentin Dilma Rousseff. Das System soll einen Schaden von mehreren Milliarden Euro angerichtet haben. Rousseff war lange Zeit Aufsichtsratschefin der Firma.

asc/dpa/Reuters



insgesamt 7 Beiträge
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longboardmanu 21.09.2015
1. longboardmanu
vielleicht kommt doch noch herr hartz ins gefaengnis. 4....
raber 21.09.2015
2. Guatemala und Brasilien machen den Anfang. Wann folgt der Rest Lateinamerikas?
Endlich mal ein Zeichen gesetzt und "Unanfassbare" kommen in den Knast. Weiter so und nun als 2. lateinamerikanisches Land, nach Guatemala, wird echt gegen die Korruption vorgegangen. Das ist allerdings noch nicht alles. Auf jeden Fall schreckt es die Nachahmer ab. Hoffentlich wird nachhaltig weitergemacht. Dies sollte beim Rest Lateinamerikas geschehen wobei es bei einigen wie Bolivien, Ekuador oder Venezuela nicht durchführbar ist aufgrund des präsidentialischen Machtgefüges. In Mexiko wäre es kein Ding der Unmöglichkeit weil eine Art Demokratie herrscht, aber die Allianz zwischen Drogenmächtigen und Politik ist sehr tief verwurzelt.
eckawol 21.09.2015
3. Korruption ist das Öl, dass viele Länder
funktiontüchtig hält. Da ist Brasilien nicht allein. Mit Absprache des bras. Bundesgerichts will also die brasilianische Polizei ehemalige Spitzenpolitiker zu den Ereignissen befragen. Welche dieser Polizisten werden "sauber" sein ?
kritischerkommentator 21.09.2015
4. Warum in die Ferne schweifen ...
Da hat sich also das brasilianische Parteiensystem eine Finanzierungsquelle in Form von Petrobras geschaffen. So what? 'Gibt's bei uns auch. Der Dschungel der deutschen Parteienfinanzierung, den der Rechnungshof zwar durchleuchten sollte, wogegen sich die Fraktionen aber (verfassungswidrig) gewappnet haben, steht dem doch nicht nach. Tja, Politik kostet hat Geld ...
carahyba 21.09.2015
5. gemach ...
Zitat von raberEndlich mal ein Zeichen gesetzt und "Unanfassbare" kommen in den Knast. Weiter so und nun als 2. lateinamerikanisches Land, nach Guatemala, wird echt gegen die Korruption vorgegangen. Das ist allerdings noch nicht alles. Auf jeden Fall schreckt es die Nachahmer ab. Hoffentlich wird nachhaltig weitergemacht. Dies sollte beim Rest Lateinamerikas geschehen wobei es bei einigen wie Bolivien, Ekuador oder Venezuela nicht durchführbar ist aufgrund des präsidentialischen Machtgefüges. In Mexiko wäre es kein Ding der Unmöglichkeit weil eine Art Demokratie herrscht, aber die Allianz zwischen Drogenmächtigen und Politik ist sehr tief verwurzelt.
Auch wenn einige in 1. Istanz verurteilt wurden, gibt es noch viele Instanzen in Brasilien und das kann sehr lange dauern bis Urteile in Brasilien rechtskräftig werden. Die Politiker haben in der Verfassung von 1988 alles mögliche eingebaut, dass sie und ihre Kumpanen immer noch ein Schlupfloch haben um heil davonzukommen. Diese Prozesse dauern im Mittel zwischen 10 und 15 Jahren. Es gibt kaum einen Politiker im Kongress gegen den nicht Ermittlungen laufen bzw. Prozesse. Das juckt dort kaum jemanden. Alle Infrastrukturkonzerne, Odebrecht, Andrade-Gutierez und viele andere haben systematisch geschmiert, auch Siemens, ABB-ALSTOM und die anderen auslädischen Konzerne. Die PETROBRAS ist ein besonderer Fall, die funktionierte als Geldwaschanlage in riesigem Stile. Und das wussten alle. Aus eigener Einsicht und über Bekannte habe ich über eine Reihe von Vorgängen Kenntnis erhalten. Mindestens die Hälfte der Leute die dort beschäftigt sind, gehören nicht dahin.
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