Korruptionsskandal Rüstungskonzern BAE kauft sich mit 286 Millionen Pfund frei

286 Millionen Pfund - diese Summe zahlt das britische Rüstungsunternehmen BAE, um jahrelange Untersuchungen wegen Korruptionsvorwürfen zu beenden. Beobachter hatten mit einer noch höheren Strafe gerechnet.
U-Boot-Fabrik von BAE in Nordengland: Riesen-Strafzahlung beendet Ermittlungen

U-Boot-Fabrik von BAE in Nordengland: Riesen-Strafzahlung beendet Ermittlungen

Foto: PHIL NOBLE/ REUTERS

Berlin/Hamburg - Europas größter Rüstungskonzern BAE zahlt eine Strafe in Millionenhöhe, um endlich Ruhe vor Ermittlungen wegen Korruptionsvorwürfen zu haben. Nach "Unzulänglichkeiten" bei Rüstungsgeschäften akzeptierte das britische Unternehmen eine Zahlung von 286 Millionen Pfund (327 Millionen Euro) in den USA und Großbritannien. Dafür stellte die britische Antikorruptionsbehörde ihre strafrechtlichen Ermittlungen wegen angeblicher Schmiergeldzahlungen ein.

Rüstungsgegner zeigten sich am Samstag empört. Die Organisation Campaign Against the Arms Trade erklärte in London, "schockiert und wütend" zu sein, dass sich BAE-Manager nach dem Vergleich nicht mehr wegen Korruption vor Gericht verantworten müssen. Der liberaldemokratische Abgeordnete Norman Lamb betonte, es hätte mehr getan werden müssen, um die Anschuldigungen gegen BAE zu überprüfen.

In den USA muss das Unternehmen mehr als 255 Millionen Pfund (400 Millionen Dollar) Strafe an das Justizministerium zahlen, weil es vor der US-Regierung irreführende Angaben über Geschäfte mit Ländern wie Ungarn, Tschechien und Saudi-Arabien gemacht hatte.

In Großbritannien soll BAE wegen Fehlern bei der Rechnungslegung bei Geschäften in Tansania 30 Millionen Pfund zahlen - die höchste Strafe, die die Antikorruptionsbehörde gegen ein britisches Unternehmen je verhängt hatte. Dabei ging es um den Verkauf eines Radarsystems nach Tansania im Jahr 1999. Das Strafgeld soll zu Teilen an Tansania für "wohltätige Zwecke" gehen, teilte BAE mit.

BAE-Chairman Dick Olver erklärte, die Vereinbarung würde dem Unternehmen helfen, einen Strich unter die Korruptionsvorwürfe zu ziehen. BAE räumte zwar Fehler ein, allerdings erklärte sich der Konzern nicht der Korruption schuldig. In diesem Fall hätte BAE nicht mehr für Verteidigungsaufträge bieten können.

Die Strafe ist niedriger als erwartet, Medien hatten vergangenes Jahr von Zahlungen von bis zu einer Milliarde Pfund berichtet.

BAE ist das größte Industrieunternehmen in Großbritannien und beschäftigt weltweit mehr als 100.000 Mitarbeiter. Es hatte 2008 einen Gewinn vor Steuern von 2,4 Milliarden Pfund gemacht und einen Umsatz von 18,5 Milliarden Pfund.

flo/dpa