Korruptionsverdacht Ferrostaal soll Schmiergeld-Geschäfte für andere Firmen organisiert haben

Nächster Verdacht gegen den Ferrostaal-Konzern: Laut SPIEGEL-Informationen soll der Essener Industriedienstleister nicht nur für sich, sondern auch für andere Unternehmen Schmiergeldzahlungen abgewickelt haben - es geht um Geschäfte in Millionen-Höhe.
Firmenzentrale von Ferrostaal in Essen: Verdacht auf Schmiergeldzahlungen

Firmenzentrale von Ferrostaal in Essen: Verdacht auf Schmiergeldzahlungen

Foto: Bernd Thissen/ dpa

Hamburg - Der unter Korruptionsverdacht stehende Ferrostaal-Konzern hat offenbar nicht nur selber jahrelang Schmiergelder bezahlt, sondern vermutlich auch für andere Unternehmen die Zahlung von Bestechungsgeldern organisiert. Das lässt der Fall des Gelddruckers Giesecke & Devrient vermuten.

Dabei geht es nach Informationen des SPIEGEL unter anderem um den Verkauf von fünf Druck- und Prägemaschinen an die staatliche Banknotengesellschaft Indonesiens für mehrere Millionen Euro. Ferrostaal soll den Auftrag vermittelt und über einen Berater vor Ort Bestechungsgelder gezahlt haben.

Giesecke & Devrient erklärte, ihnen sei "von Unregelmäßigkeiten bislang nichts bekannt". Man werde aber die Geschäftsbeziehungen zu Ferrostaal nun erneut prüfen. In den Akten der Staatsanwaltschaft finden sich zwei ähnliche Fälle, darunter der einer Firma in der Nähe von Bremen, für die Ferrostaal im Jahr 2006 ein 28-Millionen-Euro-Geschäft über ein Küstenwachboot für die kolumbianische Marine eingefädelt haben soll.

Die Essener strichen für ihre Dienste fünf Prozent Provision ein. Dafür sollen sie laut Akten der Staatsanwaltschaft über Ferrostaal de Colombia die Bestechungsgelder an "Entscheidungsträger bei Marine und Ministerium" organisiert haben, zwischen 625.000 und 840.000 Euro.

Im Zentrum des aktuellen Schmiergeldskandals steht jedoch die Lieferung zweier U-Boote an Portugal. Ferrostaal, das zusammen mit HDW und den Thyssen Nordseewerken geboten hatten, gewann im November 2003 den 880-Millionen-Euro-Auftrag. In den Akten der Ermittler heißt es, dass ein portugiesischer Honorarkonsul bei der Anbahnung des U-Boot Geschäfts behilflich war.

José Manuel Barroso

Der Nebenjob-Diplomat habe im Sommer 2002 sogar ein direktes Gespräch zwischen einem Ferrostaal Vorstand und dem damaligen portugiesischen Premierminister vermittelt. Insgesamt soll der Honorarkonsul für seine "zielführende Assistenz" letztlich gut 1,6 Millionen Euro kassiert haben.

Die Münchner Staatsanwälte stießen bei dem Geschäft auf mehr als ein Dutzend verdächtige Vermittlungs- und Beraterverträge. Sie alle sollen, so steht es in den Ermittlungsakten, "zur Verschleierung von Zahlungswegen" gedient haben, um diese "an Entscheidungsträger der Regierung, der Ministerien oder der Marine Portugals als Bestechungsgelder" weiterzugeben. Ferrostaal will sich wegen der laufenden Ermittlungen zu den Vorwürfen nicht äußern.

Die Geschäftsräume von Ferrostaal waren am Mittwoch bereits zum zweiten Mal wegen des Verdachts auf Schmiergeldzahlungen von der Staatsanwaltschaft durchsucht worden. Die erste derartige Aktion hatte im Juli 2009 stattgefunden.

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