Krasse Baumängel U-Bahn-Pfusch jetzt auch in Düsseldorf

Der Kölner Bauskandal ist noch größer, als bislang angenommen: Auch bei der Düsseldorfer U-Bahn sind erhebliche Unregelmäßigkeiten aufgetaucht. Und wieder ist die Firma Bilfinger Berger beteiligt - die Stadt erstattet jetzt Strafanzeige.
Baufirma Bilfinger Berger: "Kriminelle Energie im Spiel"

Baufirma Bilfinger Berger: "Kriminelle Energie im Spiel"

Foto: dpa

Düsseldorf - Nach dem Pfusch in Köln gibt es jetzt ähnliche Betrugsvorwürfe beim Ausbau der Düsseldorfer U-Bahn. Auch dort seien gefälschte Bauprotokolle entdeckt worden, sagte Baudezernent Gregor Bonin. Die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt erstattete am Dienstag Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft gegen zwei Mitarbeiter des Baukonzerns Bilfinger Berger.

Die Mannheimer Baufirma Bilfinger Berger arbeitet sowohl an der skandalumwitterten U-Bahn-Linie in Köln als auch an der Erweiterung der Düsseldorfer U-Bahn. Der Konzern teilte mit, auch in Düsseldorf gebe es Anzeichen für eine nicht ordnungsgemäße Ausführung.

Allerdings bestehe in Düsseldorf keine Gefahr für die Stabilität der Baugruben der Wehrhahn-Linie, weil die Arbeiten noch am Anfang stehen, sagte Bonin. "Die Düsseldorfer U-Bahn wird absolut sicher gebaut werden."

Gefälschte Protokolle und schlampige Montierung

In Düsseldorf sind laut Baudezernent Bonin Protokolle gefälscht und Metallanker zur Stabilisierung der Schlitzwände an sechs Stellen nicht ordnungsgemäß montiert worden. Diese Unregelmäßigkeiten seien bei der Auswertung der Akten zum Bau der geplanten Wehrhahn-Linie entdeckt worden. Einen Diebstahl von Stahlbügeln im großen Stil wie in Köln vermutet Bonin nicht.

Bei gut 540 Stahlkörben, die in den Schlitzwänden der Baugruben mit Beton gefüllt werden, besteht für sechs der Verdacht auf Unregelmäßigkeiten. Die Schlitzwände stabilisieren die Baugruben. Die Standfestigkeit der Baustellen sei jedoch voll gewährleistet. Die Schlitzwände hätten derzeit noch keine Bedeutung, da die Gruben noch voller Erde seien, sagte Referent Michael Klöckner. Erst bei der Freilegung im Zuge der Fertigstellung der Bahnhöfe würden die Wände belastet. Laut Klöckner soll es in einem halben Jahr soweit sein.

Zudem hätten sich bislang drei von 413 Messprotokollen als gefälscht herausgestellt. Bei 24 weiteren Protokollen besteht der Verdacht auf Fälschung. Die Dokumentationen wurden nach Angaben der Stadt offensichtlich von den gleichen Arbeitern gefälscht, die auch in Köln am Werk gewesen seien. Die Mitarbeiter wurden nach Angaben von Bilfinger Berger bereits suspendiert. "Hier ist kriminelle Energie im Spiel", sagte Bonin.

Bauzustand in Düsseldorf nicht mit Köln zu vergleichen

Der für die Bauarbeiten verantwortliche Konzern Bilfinger Berger hatte nach dem Bekanntwerden der Unregelmäßigkeiten an der Kölner U-Bahn die Untersuchungen in Düsseldorf angeordnet. Nach Angaben des Unternehmens ist der Bauzustand in Düsseldorf aber nicht mit jenem in Köln zu vergleichen.

Beim Bau der Kölner Nord-Süd-Stadtbahn waren in den vergangenen Tagen zahlreiche Hinweise auf gravierende Mängel bekannt geworden, was zu Sorgen um die Sicherheit der Baugruben und Gebäude in der Innenstadt veranlasste. Dort war vor knapp einem Jahr in unmittelbarer Nähe der U-Bahn-Baustelle am Waidmarkt das historische Stadtarchiv eingestürzt. Zwei Menschen kamen ums Leben, wertvolle Archivalien wurden verschüttet.

In Düsseldorf hat das U-Bahn-Projekt Wehrhahn-Linie eine Gesamtlänge von 3,4 Kilometern. Nach Fertigstellung soll die neue U-Bahn-Verbindung, an der seit November 2007 gebaut wird, die bekannteste Einkaufsstraße der Stadt, die Königsallee, unterqueren.

lgr/dpa/ddp/AFP
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