Deutsch-französische Fusion Krauss-Maffei Wegmann und Nexter schmieden Panzer-Giganten

Im Pariser Verteidigungsministerium feiert man bereits die "Operation Kant": Der deutsche Rüstungshersteller Kraus-Maffei Wegmann und der französische Konzern Nexter wollen fusionieren.
"Leopard 2"-Panzer von KMW: "Bündnis gleichwertiger Partner"

"Leopard 2"-Panzer von KMW: "Bündnis gleichwertiger Partner"

Foto: DPA/Bundeswehr/Mediendatenbank

Zwei Schwergewichte der europäischen Rüstungsindustrie wollen fusionieren: Nach mehr als zehnjährigen Gesprächen will das deutsche Unternehmen Krauss-Maffei Wegmann (KMW), bekannt für die Herstellung von Rad- und Kettenfahrzeugen, mit dem französischen Rivalen Nexter verschmelzen.

Nach Angaben des französischen Verteidigungsministeriums unterzeichnen die Vertreter beider Firmen noch am Dienstagabend in Paris ein Abkommen, das die Ziele des Zusammenschlusses fixiert: Demnach sollen binnen der kommenden neun Monate die beiden Unternehmen ihre Aktivitäten in einem Joint Venture bündeln, an dem beide Partner je 50 Prozent der Anteile halten werden.

Für Nexter, bislang im Staatsbesitz, bedeutet der Mega-Deal eine Privatisierung. Die Struktur der Holding sieht für die vier- bis fünfjährige Übergangsphase eine doppelte Führungsspitze vor. Der Aufsichtsrat soll paritätisch von je zwei Deutschen und zwei Franzosen besetzt werden. Hinzu kommen drei unabhängige Mitglieder, auf die sich die beiden Partnerfirmen verständigen wollen. Mit der Kooperation entstünde in Europa - nach General Dynamics und BAE Systems - der drittstärkste Akteur, heißt es aus dem Kabinett von Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian. "Nur so können wir der wachsenden Konkurrenz in Entwicklungsländern Paroli bieten", sagen dessen Berater. "Auf Ausschreibungen werden wir künftig mit einer Stimme reagieren, statt uns in einem Preiskrieg gegenseitig zu unterbieten."

Über die Zusammenarbeit, im Jargon des Pariser Verteidigungsministeriums als "Operation KANT" bezeichnet - für: K(MW) and Nexter together -, wird seit Monaten spekuliert. Die bevorstehende Ehe zwischen den beiden Traditionsfirmen wird in Paris als "Bündnis gleichwertiger Partner" begrüßt: Nexter beschäftigt 2800 Mitarbeiter, KMW zählt etwa 3000 Beschäftigte. Der Umsatz von Nexter lag im vergangenen Jahr bei knapp unter 800 Millionen Euro; bei KMW halbierte sich der Wert zwischen 2008 und 2013 und erreichte etwa dasselbe Niveau. Der Zusammenschluss ergibt daher für beide Unternehmen Sinn.

Hohe Risiken

Doch in Branchenkreisen sieht man durchaus auch die hohen Risiken der angepeilten Fusion: KMW - Hersteller des "Leopard" - und Nexter - Produzent des "Leclerc" - sind Unternehmen mit ähnlicher Angebotspalette. Das gilt nicht nur für die Kampfpanzer, sondern auch für geländegängige Allradfahrzeuge oder gepanzerte Truppentransporter, bei dem sich die Deutschen mit ihrem "Boxer" oft gegen den französischen VCBI durchsetzen konnten. "Dieselben Fabriken, dieselben Produkte, dieselben Fertigkeiten", schrieb das Wirtschaftsblatt "La Tribune" vergangenen Sommer  und warnte vor "erheblichen industriellen und sozialen Schäden".

In Paris werden solche Einwände übergangen. "Es geht bei der Annäherung nicht um eine Umstrukturierung, sondern um eine Ergänzung der Geschäftsbereiche", unterstreichen Mitarbeiter des Ministers. Arbeitsplätze seien nicht gefährdet, betont man, stattdessen würden durch die Bündelung der Kräfte bei Einkauf, Marketing, sowie Forschung und Entwicklung "schon jetzt Werte geschaffen". Zusätzliche neue Produkte, bislang noch nicht in der Planung, könnten auf dem hart umkämpften Weltmarkt neue Möglichkeiten schaffen.

Juristische Rahmenbedingungen ungeklärt

Unsicher sind noch die juristischen Rahmenbedingungen für Waffenexporte des künftigen Gemeinschaftsunternehmens. Beim Verkauf in Krisengebiete vertritt die Regierung in Paris eine oft skrupellosere Ausfuhrpolitik als die Regierung in Berlin.

"Die Bestimmungen harmonieren", behauptet man im Umfeld von Minister Le Drian. Zugleich wird allerdings eingeräumt, dass die Arbeiten der beteiligten deutschen und französischen Ministerien "noch nicht abgeschlossen" seien. Und deshalb muss das angekündigte Engagement schließlich auch von den beteiligten Regierungen durchgewinkt werden.

Dennoch geben sich die französischen Militärs vom Erfolg der angestrebten Kooperation überzeugt. "Solch ein Zusammenschluss verstärkt die industrielle Basis und nützt der Konsolidierung des europäischen Rüstungssektors", betont sein Stab.