Konjunktur Viele Unternehmen können Rechnungen nicht zahlen
Viele Firmen können ihre Rechnungen offenbar nur noch verspätet oder gar nicht mehr zahlen. Das geht aus einer Hochrechnung des Verbands der Versicherungsbranche GDV hervor. Warenkredit- und Kautionsversicherer müssen demnach in diesem Jahr für Schäden in Höhe von fast 900 Millionen Euro geradestehen. Das entspreche einer Steigerung von mehr als 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
In diesem Jahr decken die deutschen Kreditversicherer den Angaben zufolge Ausfallrisiken in Höhe von 495 Milliarden Euro, das ist ein Plus von zwei Prozent. Der größte Teil entfällt mit 430 Milliarden Euro auf Warenkreditversicherungen. Diese schützen Lieferanten, falls ein Abnehmer seine Rechnung nicht bezahlen kann oder will.
Hinzu kommen 65 Milliarden Euro aus Kautionsversicherungen. Sie übernehmen für ihre Kunden Garantien und Bürgschaften zur Sicherung vertraglicher oder gesetzlicher Pflichten.
Risiken in der Autoindustrie
An dem Anstieg der Zahlungsausfälle sei vor allem die sich verschlechternde Konjunktur schuld, vermuten die Versicherer. "Der Welthandel stagniert, das Wachstum in Deutschland schwächelt, und die Zahlungsmoral sinkt", sagte Thomas Langen, Vorsitzender der Kommission Kreditversicherung im GDV.
Die Zahl der Firmeninsolvenzen dürfte 2020 erstmals seit der Finanzkrise 2008 wieder steigen. Bereits in diesem Jahr sind mehr große Unternehmen pleitegegangen als zuvor.
Große Risiken sehen die Kreditversicherer vor allem in der Autoindustrie. Der Strukturwandel erfordere hohe Investitionen, während der weltweite Absatz sinke. "Die Automobilwirtschaft hat sich vom Zugpferd der deutschen Wirtschaft zum Motor des Abschwungs entwickelt", sagte Langen.
Das wirke sich auch negativ auf eng mit der Autoindustrie verflochtene Branchen aus, wie etwa Chemie, Metall oder Maschinen- und Anlagenbau.