Kreditwürdigkeit Rating-Agentur stuft ThyssenKrupp auf Ramsch-Status herab

Harter Schlag für ThyssenKrupp: Die Rating-Agentur Standard & Poor's hat die Kreditwürdigkeit des Stahlriesen auf Schrott-Niveau herabgestuft. Anleihen des Konzerns seien nicht mehr als Investment geeignet. Das Unternehmen musste im vergangenen Geschäftsjahr ein Milliardenminus hinnehmen.

ThyssenKrupp-Hauptverwaltung in Duisburg: Tiefrote Zahlen
ddp

ThyssenKrupp-Hauptverwaltung in Duisburg: Tiefrote Zahlen


London - Nach dem Milliardenverlust im abgelaufenen Geschäftsjahr verliert der ThyssenKrupp an Vertrauen bei Kreditgebern. Die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) stuft den Dax-Konzern seit Dienstag als riskante Anlage ein. Die S&P-Experten werteten ThyssenKrupp von BBB- auf BB+ ab. Die Agentur hält Anleihen des Konzerns damit für nicht mehr als Investment geeignet.

Mit der Abwertung erhöhen sich die Finanzierungskosten für den Konzern. Da seine Kreditwürdigkeit aus Sicht von S&P gesunken ist, wird das Risiko für Zahlungsausfälle am Markt höher bewertet. Verleiher verlangen in der Folge höhere Zinsen für Kredite.

ThyssenKrupp betonte in einer schriftlichen Reaktion, über ausreichend Liquidität zu verfügen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2008/09 seien Anleihen im Volumen von drei Milliarden Euro platziert worden. Damit verfügt der Konzern nach eigenen Angaben über 9,8 Milliarden Euro an flüssigen Mitteln und freien, zugesagten Kreditlinien. Diese Kreditlinien stünden auch nach der S&P-Entscheidung zur Verfügung, hieß es.

S&P begründete die Abwertung mit dem Einbruch in der gesamten Stahlbranche infolge der Wirtschaftskrise. Dies führte bei ThyssenKrupp zu einem Jahresverlust von 2,4 Milliarden Euro vor Steuern. Im Vorjahr hatte der Konzern noch einen Vorsteuergewinn von 3,1 Milliarden Euro gemacht. Das Ergebnis ist zudem der erste Jahresverlust seit der Fusion der beiden Stahlgiganten Krupp und Thyssen im Jahr 1999.

Der Umsatz des Konzerns brach im abgelaufenen Geschäftsjahr um 24 Prozent auf 40,6 Milliarden Euro ein. Das ist ein Minus von knapp 13 Milliarden Euro. Vier der fünf Konzernsparten wiesen im vergangenen Geschäftsjahr einen Verlust aus.

Eine schelle Erholung sehen die Rating-Experten für ThyssenKrupp nicht. Allerdings erwarten sie keine weitere Abwärtsentwicklung und stuften den Ausblick als "stabil" ein. ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz selbst hatte am Freitag für das laufende Geschäftsjahr bereits wieder einen Vorsteuergewinn im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich angekündigt. Da der Umsatz bestenfalls stagnieren soll, will der Vorstand dieses Ziel über massive Einsparungen erreichen. Zudem sind weitere Beteiligungsverkäufe geplant.

ssu/dpa-AFX



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