SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

27. März 2014, 19:00 Uhr

Sorge um Geschäftsbeziehungen

Auch Bahn-Chef Grube reist nach Russland

Siemens-Chef Kaeser war schon da, Rüdiger Grube will bald folgen. Mit dem Bahn-Chef reist bereits der zweite deutsche Konzernchef nach Russland, um trotz Krim-Krise geschäftliche Kontakte zu pflegen. Das Echo in der Politik ist geeilt.

Berlin - Bahn-Chef Rüdiger Grube will in Kürze nach Russland reisen und sich mit Kollegen von der dortigen Staatsbahn treffen. Damit wäre Grube nach Siemens-Chef Joe Kaeser bereits der zweite deutsche Unternehmenschef, der während der Krim-Krise geschäftlichen Beziehungen in Russland pflegt.

"Für uns ist das oberste Gebot: Deeskalation", sagte Grube, als er am Donnerstag die enttäuschende Jahresbilanz des Konzerns vorstellte. "Das ist das Ziel, das wir gemeinsam verfolgen." Zunächst soll Logistik-Vorstand Karl-Friedrich Rauch kommende Woche nach Russland reisen, Grube selbst will demnächst folgen und dort seinen Kollegen von der russischen Staatsbahn treffen. "Über Jahrzehnte sind diese Partnerschaften mit viel Energie und Kraft aufgebaut worden, so etwas ist aber schnell zerstört", warnte Grube. Es gehe in Russland um ein Geschäftsvolumen von 250 Millionen Euro, was für den Gesamtkonzern nicht sehr viel sei. "Aber auch diese 250 Millionen Euro wollen wir nicht gefährden."

Die Deutsche Bahn kooperiert seit Jahren mit der russischen Staatsbahn, etwa bei Gütertransporten aus China. Zudem ist die Logistik-Sparte Schenker mit Spezialtransporten auf dem russischen Markt aktiv. Der Chef der russischen Bahn, Wladimir Jakunin, steht wegen der russischen Annexion der Krim auf der Sanktionsliste der USA. Die Deutsche Bahn ist zu 100 Prozent im Besitz des Bundes. Strategische Entscheidungen des Konzerns können nur in Abstimmung mit dem Aufsichtsrat getroffen werden, in dem Regierungsvertreter das Sagen haben.

Siemens-Chef Kaeser hatte für Aufsehen gesorgt, als er sich am Mittwoch mit Putin traf. Im ZDF betonte Kaeser, der Besuch sei schon länger geplant und mit dem Kanzleramt abgesprochen gewesen. Am Donnerstag vereinbarte er mit Gazprom-Chef Alexej Miller den Ausbau einer seit mehr als 20 Jahren bestehenden Partnerschaft.

Grüne kritisieren "Günstlingsmanier"

Die Grünen kritisierten das Treffen des Siemens-Chefs mit Putin. "Mit seinem Besuch versucht er, sich nach Günstlingsmanier einzuschmeicheln", sagte der europapolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Manuel Sarrazin, zu "Handelsblatt Online". "Mit verantwortungsvoller Geschäftspolitik hat das für mich nichts zu tun."

Mehr Verständnis brachten die Koalitionsfraktionen auf. "Der Vorstandsvorsitzende von Siemens muss seine Unternehmensinteressen schützen und die seiner Aktionäre. Insofern war der Besuch richtig", sagte der CDU-Politiker Philipp Mißfelder, der auch Regierungsbeauftragter für die transatlantischen Beziehungen ist. "Die Wirtschaft war schon bereits in Zeiten des Kalten Krieges Brückenbauer in Richtung Osten und Russland."

Ähnlich äußerte sich der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Mittwochabend gesagt, dass sie derzeit keine Einwände habe, wenn deutsche Firmen Kontakte mit Russland pflegten.

Putin warnte westliche Firmen unterdessen vor einem Verlust von Gewinnen und Marktanteilen, sollten sie den Zahlungsverkehr in seinem Land einschränken. Die beiden weltgrößten Kreditkarten-Anbieter Visa und Mastercard hatten wegen der US-Sanktionen nach der Aufnahme der Krim in die Russische Föderation ihre Zusammenarbeit mit einigen russischen Banken eingestellt. Später wurden die Dienste in den meisten Fällen wieder aufgenommen.

dab/Reuters

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung