Krim-Krise Deutsche Firmen stoppen Investitionen in Russland

Die Krim-Krise und die Sanktionen von USA und EU verunsichern die deutsche Wirtschaft. Laut DIHK stufen Banken das Ausfallrisiko bei Geschäften mit Russland hoch und vergeben weniger Kredite. Viele Unternehmen legen ihre Investitionen vorerst auf Eis.
VW-Werk im russischen Kaluga: Erste Firmen stoppen Investitionen

VW-Werk im russischen Kaluga: Erste Firmen stoppen Investitionen

Foto: epa Sergei Chirikov/ picture-alliance/ dpa

Berlin - Die russischen Börsen machten am Montagvormittag die Verluste der vergangenen Woche wieder wett, der Rubel steigt, in Deutschland aber wächst die Unsicherheit. "Wir hören von der Auslandshandelskammer in Moskau, dass Investitionen zumindest verschoben werden. Manche werden jetzt auch schon gänzlich in die Tonne gesteckt. Kapital fließt ab", sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Volker Treier, im ARD-"Morgenmagazin".

Auch deutsche Banken stuften Russland inzwischen als riskanteren Geschäftspartner ein und vergäben weniger Kredite, sagte Treier und betonte die Bedeutung des Landes als Wirtschaftspartner. In Russland seien 6200 deutsche Firmen mit 250.000 bis 300.000 Beschäftigten aktiv.

Tatsächlich hat der durch die Krim-Krise ausgelöste Wertverlust der russischen Währung bei Autoherstellern schon für erste Einbußen gesorgt. "Wir spüren bereits Belastungen durch den Wechselkurs des Rubels", sagte Opel-Chef Karl-Thomas Neumann der Branchenzeitung "Automobilwoche". Russland ist der wichtigste Wachstumsmarkt für Opel. Neumann setzt auf eine Normalisierung der Lage: "Sicher ist: Russland wird 2020 der größte Automarkt Europas sein. Und die Entwicklung bis dahin wird wie bei einem Marathon verlaufen - es wird Höhen und Tiefen geben."

Auch Ford und Renault sehen die Entwicklung mit Sorge und wollen langfristig stärker vor Ort produzieren, um Kursschwankungen zu umgehen. Ford-Deutschlandchef Bernhard Mattes sagte der "Automobilwoche": "Kurzfristig können wir darauf nur mit dem Preis reagieren. Langfristig geht es um einen höheren Lokalisierungsgrad." Ähnlich äußerte sich Renault-Europa-Vorstand Stefan Müller.

Unterdessen stärkte Gesamtmetall-Chef Rainer Dulger der Politik beim Thema Wirtschaftssanktionen den Rücken. "Sanktionen sind wichtig, um Russland, insbesondere auch Herrn Putin, zu zeigen, dass er sich nicht alles erlauben kann", sagte Dulger dem SWR. Zwar mache sich die Branche Sorgen um wirtschaftliche Auswirkungen. "Auf der anderen Seite können wir uns aber auch nicht alles bieten lassen. Denn das wird letzten Endes auch irgendwann wirtschaftliche Konsequenzen für uns haben." Dulger betonte zugleich, man müsse mit Russland im Dialog bleiben. "Ein neuer Kalter Krieg bringt keinem was."

Aktuell machten die Ausfuhren nach Russland ungefähr vier Prozent der Exporte der Metall- und Elektroindustrie aus. "Wir sprechen hier über roundabout 25 Milliarden Euro. Es ist bedeutend, damit dürfen wir nicht leichtfertig umgehen", sagte Delger. Anzustreben sei eine politische Lösung.

nck/dpa/Reuters
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