Krim-Krise Russische Wirtschaft gibt sich trotz Sanktionen gelassen

Die Sanktionen gegen Moskau wegen der Krise auf der Krim schrecken die russische Wirtschaft offenbar nicht. Ganz im Gegenteil: Der Konzern Gazprom wittert neue Geschäfte und will auf der annektierten Halbinsel Öl und Gas fördern.

Gazprom-Zentrale in Moskau (Archivbild): Konzern wittert Geschäfte auf der Krim
REUTERS

Gazprom-Zentrale in Moskau (Archivbild): Konzern wittert Geschäfte auf der Krim


Hamburg/Moskau - EU und USA haben nach der umstrittenen Volksabstimmung auf der Krim Sanktionen gegen Russland verhängt, Japan schloss sich den Maßnahmen an. Der stellvertretende russische Wirtschaftsminister Sergej Beljakow warnte die Unternehmen des Landes bereits vor einer tiefen Krise. Doch die reagieren auf mögliche Boykotte mit demonstrativer Gelassenheit.

Die russische Wirtschaft sei auf Sanktionen des Westens vorbereitet und werde sich in diesem Fall nach anderen Kunden umsehen, sagte der Chef des größten russischen Ölkonzerns Rosneft, Igor Setschin, laut der Nachrichtenagentur Prime. Er beginnt in dieser Woche eine Asienreise. Erst am Montag wurde bekannt, dass sich Rosneft inmitten der Krim-Krise im großen Maßstab am italienischen Reifenhersteller Pirelli beteiligt.

Auch der russische Staatskonzern Gazprom will den Sanktionsdrohungen nur wenig Beachtung schenken. Das Unternehmen will auf der Krim Öl und Gas fördern. Gazprom habe bereits entsprechende Vorschläge unterbreitet, sagte der stellvertretende Ministerpräsident der Krim-Regierung, Rustam Temirgaliew, nach Angaben der Agentur Ria. "Natürlich war Gazprom der erste, der auf uns zugekommen ist." Der Konzern wollte sich bislang nicht dazu äußern. Schon vergangene Woche hatte Temirgaliew angekündigt, dass die staatliche ukrainische Energiefirma Chornomornaftogaz an ein russisches Unternehmen wie Gazprom verkauft werden könnte.

Fotostrecke

7  Bilder
Sanktionen gegen Russen und Ukrainer: Die Bestraften
Aus Protest gegen die russische Ukraine-Politik hat der Westen Sanktionen gegen Einzelpersonen verhängt. Die Wirtschaft selbst ist bislang noch nicht von Strafmaßnahmen betroffen, die Europäische Union hat bisher lediglich damit gedroht.

Vertreter der russischen Regierung schätzen die Situation allerdings anders ein als die Unternehmen. Denn die Krim-Krise wirbelt die Pläne der russischen Regierung für die Privatisierung von Staatsbetrieben durcheinander. Die Behörde für Staatsbesitz hält es für möglich, dass für die erste Jahreshälfte geplante große Vorhaben verschoben werden müssen. "Es könnte gut sein, dass wir es erst im dritten und vierten Quartal angehen", sagte Behördenchefin Olga Dergunowa der Nachrichtenagentur Interfax zufolge. Sie erwähnte in diesem Zusammenhang die Fluggesellschaft Aeroflot, die Reederei Sowcomflot und den Ölriesen Rosneft. Auch die Telefongesellschaft Rostelecom steht auf der Liste von Unternehmen, von denen Staatsanteile verkauft werden sollen.

In Deutschland gerät derweil besonders der Verkauf der deutschen Gas- und Ölfördergesellschaft RWE Deaan einen russischen Großinvestor unter politischen Beschuss. Der stellvertretende Unionsfraktionschef Michael Fuchs forderte die Bundesregierung in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters auf, die Transaktion zu prüfen. Für ihn ist die deutsche Abhängigkeit von Öl- und Gaslieferungen aus Russland ohnehin viel zu hoch. Vor diesem Hintergrund passe ihm das RWE-Geschäft nicht, sagte er. Zuvor hatten sein Fraktionskollege Joachim Pfeiffer und die Vize-Chefin der Grünen-Fraktion, Kerstin Andreae, Vorbehalte deutlich gemacht.

Die Ukraine deckt mehr als die Hälfte ihres Erdgasbedarfs mit russischen Importen. Da Moskau diese Abhängigkeit schon mehrfach für politischen Druck eingesetzt hat, will die Ukraine ihre Energieversorgung breiter aufstellen. Das Erdgas des Schwarzen Meeres vor der Krim spielte dabei eine wichtige Rolle. Auch Konzerne wie ExxonMobil, Royal Dutch Shell, Eni und OMV waren zur Stelle, um bei der Förderung dabei zu sein. Die Investitionen sind wegen der Krise nun aber in Gefahr.

bos/Reuters

insgesamt 19 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
bruzel 18.03.2014
1. Lachender 3. = Amerika
Viel mehr als Tote anderer Völker haben wir den Russen zugefügt im 2. Weltkrieg. Während andere Völker dafür großzügig Entschädigung erhalten haben , haben die Russen noch nicht einmal etwas gefordert. Zu leicht fertig lassen wir, fucking Europes, uns auf das Spiel der USA ein, uns gegen einen unserer wichtigsten Wirtschaftpartner zu hetzen. Gleichzeitig sollen wir in der Unterstützung noch eines Bankrott Staates W - Ukriane ausbluten. Der Dollar käme ohne eigene Anstrengung wieder auf die Beine. Eifersüchtig wacht USA darüber, daß Europa keine guten Geschäfte macht, die nicht selbst machen können (damals Absetzung des Schah von Persien durch Revolutionsräte) . Wenngleich nicht jede Revolution zu Profiten via Destabilisation sofrt zu Erfolgen führt. Verkauf von Waffen konfizieren von ÖL. In Lybien scheint es jetzt zu klappen, Öl- Revolutioäre haben den Hafen besetzt und ausgerechnet USA bringen den gestohlenen Tanker auf. Wohin wohl das Schiff jetzt wohl gebracht wird ??
malocher77 18.03.2014
2. Warum soll russische
Wirtschaft beeindruckt sein? Russische Politiker dürfen vom Gesetz her kein Auslandskonto und Aktien haben, also mit Konto einfrieren ist nicht.Visa Verbot für 20 Personen tut keinem weh, denn die Russen können in Sochi und Krim am Schwarzen Meer Urlaub machen.
bruzel 18.03.2014
3. test
test
colomoa 18.03.2014
4. was für Sanktionen?
Das Verhängen von Einreisverboten von ein paar Zweitereihepolitiker und Wirtschaftshanseln? Mir würde jetzt ein Einreiseverbot nach Russland für von der Leyen, Schäuble, Mehdorn und Ackermann auch keine schlaflosen Nächte bereiten, es wär mir ziemlich wurst. Wahrscheinlich wäre es auch Schäuble, Mehdorn und Ackermann selbst wurst.
diaz007 18.03.2014
5. Unglaubliche Partie....
....die Russen sind einfach die besseren Schachspieler, unglaubliches Spiel der Russen, meinen Respekt haben sie schon mal sicher. Wie Putin es heute gesagt hat, der Westen war primitiv und unprofessionell :-)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.