Gute Quartalszahlen Commerzbank will nach acht Jahren wieder Dividende auszahlen

Der Vorstandschef tritt zurück, doch das Geschäft läuft gut: Die Commerzbank hat erneut einen beachtlichen Gewinn eingefahren. Nun sollen auch die Aktionäre von diesem Aufschwung profitieren - erstmals seit 2007.

Commerzbank-Filiale in Frankfurt am Main: Krise überstanden
REUTERS

Commerzbank-Filiale in Frankfurt am Main: Krise überstanden


Die Commerzbank will für das laufende Jahr zum ersten Mal seit 2007 wieder Geld an die Aktionäre ausschütten. "Aus heutiger Sicht plant der Vorstand, eine Dividende von 20 Cent je Aktie vorzuschlagen", sagte der scheidende Vorstandschef Martin Blessing am Montag. Das Geld dafür habe die zweitgrößte deutsche Bank bereits zurückgelegt.

Im dritten Quartal stieg der Gewinn vor Steuern unerwartet deutlich auf 401 Millionen Euro, im Vorjahr waren es 343 Millionen Euro. Die Entwicklung übertraf damit die Schätzungen von Analysten, die von einem stagnierenden Ergebnis ausgegangen waren. Grund dafür war unter anderem eine auf 146 Millionen Euro reduzierte Risikovorsorge.

Im laufenden Geschäft profitierte die Commerzbank davon, dass sie weniger Geld für faule Kredite zurücklegen musste. Als Stütze erwies sich das Privatkundengeschäft, während das Investmentbanking unter dem schwachen Kapitalmarktumfeld litt. Nach neun Monaten hat das Geldhaus inzwischen 853 Millionen Euro verdient, gut 60 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Nachfolger für Martin Blessing gesucht

In letzter Zeit hatte die Commerzbank immer wieder gute Geschäftszahlen vermeldet: Im ersten Halbjahr 2015 fuhr der Konzern knapp 650 Millionen Gewinn ein - so viel wie lange nicht mehr. Allerdings braucht das Institut einen neuen Chef, nachdem der Vorstandsvorsitzende Martin Blessing seinen Rücktritt für Oktober 2016 angekündigt hat. Er hatte die Bank seit 2008 geführt, während der Finanzkrise musste der Konzern mit rund 18 Milliarden Euro vom Staat gerettet werden. Noch heute ist der Bund mit etwa 16 Prozent an der Bank beteiligt.

Die jetzt veröffentlichten Zahlen glänzen umso heller, wenn man sie mit denen des größten deutschen Geldhauses vergleicht: Die Deutsche Bank schlitterte in den vergangenen Jahren von Skandal zu Skandal und meldete jüngst einen Quartalsverlust von sechs Milliarden Euro. Der neue Vorstandschef John Cryan beschreibt das eigene Institut als Trümmerhaufen. Dagegen sieht die Commerzbank mittlerweile aus wie ein Hort der Stabilität.

mxw/Reuters/dpa



insgesamt 5 Beiträge
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paulaschwarz 02.11.2015
1. Dann kann sich Herr Schäuble
sich ja freuen. Zinsen auf die 18 Mrd. und Dividende.
franxinatra 02.11.2015
2. Dann wird es Arbeitsplätze kosten...
Bisher hat er an der Strategie festgehalten, das Filialnetz, das durch Automatisation schon ohnehin personell ausgedünnt war, zu schonen. Aber die Aktionäre haben wohl das letzte Wort. Ob in einem Zeitalter gesprengter Geldautomaten und Cyberkrimnalität das die richtige Option gegenüberzunehmend verunsicherten Kunden ist wird sich zeigen Nur dass es für eine Bank dann zu spät sein kann...
salkin 02.11.2015
3.
Zitat von paulaschwarzsich ja freuen. Zinsen auf die 18 Mrd. und Dividende.
Kann er nur bedingt. Die 18 Mrd sind weitgehend bereits zurück gezahlt und die Dividende deckt nur zum Teil die Finanzierungskosten für den Kauf der Aktien, die ja zum damaligen Zeitpunkt noch deutlich höher waren als heute. Von den Kursverlusten ganz zu schweigen.
wauz 02.11.2015
4. Selbstbotschaft?
Zitat von franxinatraBisher hat er an der Strategie festgehalten, das Filialnetz, das durch Automatisation schon ohnehin personell ausgedünnt war, zu schonen. Aber die Aktionäre haben wohl das letzte Wort. Ob in einem Zeitalter gesprengter Geldautomaten und Cyberkrimnalität das die richtige Option gegenüberzunehmend verunsicherten Kunden ist wird sich zeigen Nur dass es für eine Bank dann zu spät sein kann...
Sie reden anscheinend nur über sich. Es ist ja gerade die "zunehmend verunsicherte" Kundschaft, die Bankterminals, Internetbanking und Smartphone-Apps tatsächlich zunehmend nutzt.
Astir01 02.11.2015
5. Es ist ja gut und schön,
dass die Commerzbank wieder nennenswerte Gewinne ausweist. Die Frage muss aber gestattet sein und beantwortet werden, wo diese Gewinne herkommen. Zinsüberschüsse lassen sich heutzutage nur noch bei den Kunden erwirtschaften, die ihre Konten überziehen. Einige davon bleiben aber das geliehene Geld schuldig. Solche Kunden kann sich eine Bank also nur wenige leisten. Industrie und Gewerbe haben heute andere Methoden sich zu finanzieren, sind auf Banken immer weniger angewiesen. Schiffe und Immobilien? Wo das hinführt haben wir ja gesehen. Krumme Geschäfte? Überlassen wir lieber der Deutschen Bank. Helfen bei Steuerhinterziehung und Embargos umgehen. In der total vernetzten Welt kaum noch ohne Risiko möglich. Bleiben also nur Gebühren für jeden Furz und Donnerschlag. Das ist der Grund, warum ich dort nicht länger Kunde bin. Die, die mir da nicht folgen können, sterben bald. Insgesamt also: keine guten Aussichten. Meine Anlegerempfehlung: sell if you can!
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