Krisenfolge Zahl der deutschen Aktionäre sinkt deutlich

Der Dax hat im vergangenen Jahr kräftig zugelegt. Doch die meisten deutschen Privatanleger lässt der Börsenaufschwung kalt. Ende 2009 gab es nur noch 8,8 Millionen Aktionäre - und damit rund fünf Prozent weniger als im Vorjahr. Gegenüber 2001 liegt das Minus sogar bei über 30 Prozent.

Frankfurter Börse: Der Dax knackte Ende 2009 sogar die 6000-Punkte-Marke
ddp

Frankfurter Börse: Der Dax knackte Ende 2009 sogar die 6000-Punkte-Marke


Frankfurt am Main - Die Deutschen waren eh schon misstrauisch, was Aktien angeht. Doch die Finanzkrise hat offenbar ihr Übriges getan: Immer mehr Privatanleger wenden sich von den Dividendentiteln als Geldanlage ab. Bis Ende 2009 schrumpfte die Zahl der Aktionäre in Deutschland auf 8,8 Millionen, wie aus einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage von NFO-Infratest hervorgeht, die das Deutsche Aktieninstitut (DAI) in Auftrag gegeben hatte.

Ein Jahr zuvor waren es noch 9,3 Millionen. Der Rückgang lag damit bei rund fünf Prozent. 2001 hatte die Zahl der Aktienbesitzer mit fast 13 Millionen ihren Höchststand erreicht. Im Vergleich zu diesem Rekordjahr sank die Zahl der Aktienbesitzer damit um mehr als 30 Prozent.

Im zweiten Halbjahr 2009 hätten sich die Zahlen allerdings stabilisiert, hieß es von Seiten des DAI. Leicht zugenommen habe in diesem Zeitraum die Zahl der sogenannten direkten Aktionäre, die Aktien der Unternehmen unmittelbar in ihrem Depot halten und nicht über Fonds.

Insgesamt sind laut Studie 5,9 Prozent der Bundesbürger direkt in Aktien investiert. "Nach einem nahezu kontinuierlichen Rückgang der Zahl der direkten Aktionäre seit dem Höchststand vor zehn Jahren deutet sich erstmalig eine Trendwende an", erläuterte DAI-Vorstandschef Rüdiger von Rosen. Im Jahr 2000 seien noch 6,2 Millionen Deutsche direkte Aktienbesitzer gewesen.

Die Zugewinne seien allerdings zu Lasten der Anleger in Aktien- und gemischte Fonds gegangen. Deren Zahl habe sich im zweiten Halbjahr 2009 um 3,5 Prozent auf 6,6 Millionen verringert. Weiteren DAI-Angaben zufolge halten damit 9,8 Prozent der Bevölkerung Anteile an derartigen Fonds. Damit waren insgesamt 13,6 Prozent der Bevölkerung direkt oder indirekt in Aktien investiert.

böl/Reuters/ddp/Dow Jones



insgesamt 50 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
sic tacuisses 14.01.2010
1. Sparbuch
interessant wäre doch die Anzahl derjenigen, die lieber ihre "Kröten" für 0,5 % auf dem Sparbuch inflationieren lassen. Dann kann man sich nämlich ein Urteil über clever und dumm bei der Geldanlage bilden.
Michael KaiRo 14.01.2010
2. Dafür mehr Glücksspiele!
Zitat von sysopDer Dax hat im vergangenen Jahr kräftig zugelegt. Doch die meisten deutschen Privatanleger lässt der Börsenaufschwung kalt. Ende 2009 gab es nur noch 8,8 Millionen Aktionäre - und damit rund fünf Prozent weniger als im Vorjahr. Gegenüber 2001 liegt das Minus sogar bei über 30 Prozent. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,671916,00.html
Dafür nehmen die Umsätze der Glücksspiele kontinuierlich zu. Die meisten Bürger haben es erkannt, dass die Börse nur eine andere Variante des Glücksspiels ist und dass dort viel mehr betrogen wird als bei staatlich überwachten Glücksspielen. Fazit: Glücksspiele hängen nun wirklich allein von der mathematischen Wahrscheinlichkeit ab und NICHT von Insidern, welche den Markt / die Börse zu ihren Gunsten brutal manipulieren und ausnutzen.
fuji-san 14.01.2010
3. ...
Zitat von Michael KaiRoDafür nehmen die Umsätze der Glücksspiele kontinuierlich zu. Die meisten Bürger haben es erkannt, dass die Börse nur eine andere Variante des Glücksspiels ist und dass dort viel mehr betrogen wird als bei staatlich überwachten Glücksspielen. Fazit: Glücksspiele hängen nun wirklich allein von der mathematischen Wahrscheinlichkeit ab und NICHT von Insidern, welche den Markt / die Börse zu ihren Gunsten brutal manipulieren und ausnutzen.
Ich würde sagen, es ist genau umgekehrt. Die meisten Bürger handeln mit Aktien, als wäre es ein Glücksspiel, und wundern sich dann, dass sie verlieren. Ich habe Bekannte, die auf dem Höhepunkt der Krise ihre Aktien verkauft haben, enttäuscht darüber, dass die ihnen nicht den erhofften Gewinn gebracht haben. Und manche steigen jetzt, zu spät, wieder ein ... da fällt mir nichts mehr zu ein, ausser dass ich fröhlich "weiter so" rufe. Was die Bekannten verlieren, stecken sich halt andere in die Tasche, ja. Aber in den Taschen der anderen ist das Geld auch viel besser aufgehoben, just my two cents. Solides Investment ist KEIN Glücksspiel ...
Monark, 14.01.2010
4. Schlau
Zitat von sysopDer Dax hat im vergangenen Jahr kräftig zugelegt. Doch die meisten deutschen Privatanleger lässt der Börsenaufschwung kalt. Ende 2009 gab es nur noch 8,8 Millionen Aktionäre - und damit rund fünf Prozent weniger als im Vorjahr. Gegenüber 2001 liegt das Minus sogar bei über 30 Prozent. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,671916,00.html
Dann sind die (wir!) Deutschen ja gar nicht so dumm, wie ich manchmal angenommen hatte. Zumindest lernfähig! Obwohl ich wirklich nicht viel Ahnung von Wirtschaft habe und das auch unumwunden zugebe, gehörte ich damals zu den wenigen, die bei Herausgabe der Telekom-Aktien an das breite Volk wussten, dass das nicht gutgehen kann. Geld vermehrt sich nicht von selbst - es fließt immer nur dahin, wo ohnehin schon noch mehr Geld vorhanden ist. "Der kleine Mann" wird dabei immer leer ausgehen.
Strichnid 14.01.2010
5. ...
Offenbar sind mehr Menschen in 2009 der Ansicht gewesen, dass man Fondmanagern nicht zutrauen kann, den korrekten Zeitpunkt zum Ausstieg aus einer Blase zu kennen. Eine ziemlich korrekte Analyse des Jahres 2008. Aber ob es die Anleger selbst bei der aktuellen Blase besser einschätzen können, wage ich zu bezweifeln.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.