Krisenkredit EZB-Geldflut lässt die Börsen kalt

Die Märkte reagieren mit Skepsis. Die Riesen-Finanzspritze der Europäischen Zentralbank sorgt nur für ein kurzes Kursfeuerwerk an den Börsen. Investoren sehen bei der Hilfe für die Geldindustrie noch viele offene Fragen.

Bankenviertel in Frankfurt: Die Börsen reagieren skeptisch auf die hohen EZB-Kredite
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Bankenviertel in Frankfurt: Die Börsen reagieren skeptisch auf die hohen EZB-Kredite


Frankfurt - Der Geldsegen der Europäischen Zentralbank (EZB) für Finanzinstitute der Euro-Zone hat die Aktienanleger am Mittwoch nur kurz in Feierlaune versetzt. Die Rekordsumme von fast 500 Milliarden Euro, die sich die Institute bei der Notenbank für drei Jahre liehen, war zunächst positiv aufgenommen worden. Die ausgeliehene Summe übertraf allerdings die Markterwartungen und so sorgten Zweifel an der Liquidität im Bankensektor für Ernüchterung, die auch den Euro unter Druck setzte.

Damit habe die EZB dem Bankensystem zwar zunächst massiv und mehr als erwartet Liquidität zur Verfügung gestellt, hieß es in einem Kommentar der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). "Allerdings ist zweifelhaft, ob damit das Misstrauen am Interbankenmarkt durchbrochen werden kann."

Auch CMC-Markets-Analyst Michael Hewson konnte der hohen Nachfrage nur wenig Positives abgewinnen: "Die große Summe zeigt letztlich nur, wie groß die Verspannungen am Interbankenmarkt sind." Die Kernfrage sei nun, wie viel Geld tatsächlich seinen Weg in die Wirtschaft finde.

Gewinnmitnahmen drücken Dax ins Minus

Nach der EZB-Geldflut haben Gewinnmitnahmen den deutschen Aktienmarkt am Mittwoch belastet. Der deutsche Leitindex Dax Chart zeigen legte nach Bekanntgabe des Volumens zunächst um bis zu zwei Prozent zu und näherte sich wieder der 6000-Punkte-Marke an, gab seine Gewinne dann aber allmählich wieder ab und schloss ein Prozent tiefer bei 5792 Punkten. Der EuroStoxx 50 Chart zeigen fiel um 0,9 Prozent auf 2242 Zähler.

Der Anfangseuphorie vom Vormittag schwänden nach der Riesen-Geldspritze der EZB die Kräfte, sagte der Händler Andreas Lipkow von MWB Fairtrade. Zweifel an der Liquiditätssituation bei den europäischen Banken seien zu vernehmen. Da noch keine detaillierte Aufstellung vorliege, die länderspezifische Erkenntnisse zulasse, kursierten Spekulationen, die für Verunsicherung sorgten. "Da nehmen einige Investoren doch lieber die Gewinne mit, bevor sie vollkommen auf dem falschen Fuß erwischt werden", sagte Lipkow weiter.

Der Euro Chart zeigen ist am Mittwoch in einem nervösen Handel unter die erst in der vergangenen Nacht übersprungene Marke von 1,31 US-Dollar zurückgekehrt. Im New Yorker Handel kostete die Gemeinschaftswährung zuletzt 1,3047 Dollar, nachdem sie im Vormittagshandel noch auf ein Tageshoch von fast 1,32 Dollar gestiegen, anschließend aber wieder unter Druck geraten war. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs daraufhin auf 1,3054 (Dienstag: 1,3074) Dollar festgesetzt. Der Dollar Chart zeigen kostete damit 0,7661 (0,7649) Euro.

EZB-Geld verschafft der Wall Street kaum Beruhigung

Die US-Börsen verzeichneten ebenfalls Verluste. Nach den kräftigen Vortagesgewinnen haben die Standardwerte an der Wall Street am Mittwoch kaum verändert geschlossen. Die starke Nachfrage nach den neuen dreijährigen Krediten der Zentralbank stimmte Händler keineswegs optimistisch. Im Gegenteil - nach dem Kurssprung am Dienstag machten nach Angaben von Händlern erneut Sorgen über die Euro-Krise die Runde. Anleger fürchteten, die Banken würden die Geldspritze nicht für den Aufkauf von Staatsanleihen benutzen.

Auf der Nasdaq lastete das unerwartet schwache Abschneiden des Softwarekonzerns Oracle und der darauf folgende Absturz der Aktie. Der Dow Jones Chart zeigen gab bis zum Mittag 0,6 Prozent auf 12.035 Punkte nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq Chart zeigen verlor 1,8 Prozent auf 2557 Stellen.

bos/Reuters/dpa

insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
Gerdtrader50 21.12.2011
1. Fragen über Fragen über Währungkriterien
Zitat von sysopDie Börsen reagieren mit Skepsis.*Die Riesen-Finanzspritze der Europäischen Zentralbank sorgt nur für ein kurzes Kursfeuerwerk. Investoren fürchten, dass die Hilfe für die Geldindustrie verpuffen könnte. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,805235,00.html
"Die Kernfrage sei nun, wie viel Geld tatsächlich seinen Weg in die Wirtschaft finde" Hängt davon ab, ob die Basel-Richtlinien sofort entschärft werden. Ansonsten sind die Gelder mangels Sicherheiten nicht im gewünschten Mass in Form von Krediten an die Wirtschaft zu bringen. Sowohl durch die Politiker der Eurozone in ihrer Sturheit und Nichtbegreifen der Vorgänge als auch durch die Starre der Währung sind sowohl Währung als auch Wirtschaftszone gefährdet. Dazu kommt noch die Überempfindlichkeit dieser Börsen, die auf jeden Windzug panikartig reagieren. Abwarten, was passiert. So langsam scheint es geraten, auf die Empfindlichkeiten der Börsianer gelassen, bzw. gar nicht mehr zu reagieren. Die in die Welt gesetzten Gelder müssten eigentlich die Liquidität genügend stärken.
dunnhaupt 21.12.2011
2. Sand in die Augen der Unbedarften
Zitat von sysopDie Börsen reagieren mit Skepsis.*Die Riesen-Finanzspritze der Europäischen Zentralbank sorgt nur für ein kurzes Kursfeuerwerk. Investoren fürchten, dass die Hilfe für die Geldindustrie verpuffen könnte. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,805235,00.html
In den weltweiten Börsen sitzen gewiefte Finanzexperten, die sich nicht mit "Rettungspaketen", "Rettungsfonds" und "Finanzspritzen" davon ablenken lassen, dass Europas Politiker Billionen und Billionen von Schulden aufgehäuft haben, die sich nicht einfach wegwischen lassen, indem man noch mehr Schulden aufnimmt oder noch mehr Papiergeld druckt. Mit solchen Tricks kann man höchstens das unbedarfte Volk verdummen. Kein einziger Cent an Schulden wird damit getilgt.
freesprit 22.12.2011
3. verpuffen
Zitat von sysopDie Börsen reagieren mit Skepsis.*Die Riesen-Finanzspritze der Europäischen Zentralbank sorgt nur für ein kurzes Kursfeuerwerk. Investoren fürchten, dass die Hilfe für die Geldindustrie verpuffen könnte. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,805235,00.html
ist schön formuliert. Wen kümmert es noch, wenn mal eben eine halbe Billion verpufft? An diesen Größenordnungen wird sogar jedem finanzpolitischen Laien sichtbar, daß es hier nur noch um heiße Luft geht. Lasst uns Weihnachten noch 'mal genießen, bevor uns der ganze Schwindel um die Ohren fliegt.
Altesocke 22.12.2011
4.
Zitat von Gerdtrader50"Die Kernfrage sei nun, wie viel Geld tatsächlich seinen Weg in die Wirtschaft finde" Hängt davon ab, ob die Basel-Richtlinien sofort entschärft werden. Ansonsten sind die Gelder mangels Sicherheiten nicht im gewünschten Mass in Form von Krediten an die Wirtschaft zu bringen. Sowohl durch die Politiker der Eurozone in ihrer Sturheit und Nichtbegreifen der Vorgänge als auch durch die Starre der Währung sind sowohl Währung als auch Wirtschaftszone gefährdet. Dazu kommt noch die Überempfindlichkeit dieser Börsen, die auf jeden Windzug panikartig reagieren. Abwarten, was passiert. So langsam scheint es geraten, auf die Empfindlichkeiten der Börsianer gelassen, bzw. gar nicht mehr zu reagieren. Die in die Welt gesetzten Gelder müssten eigentlich die Liquidität genügend stärken.
Die Banken sollen ja damit auch vorrangig Staatsanleihen kaufen. Oder habe ich da etwas falsch verstanden?
wolfgangotto 22.12.2011
5. Bazooka
Das ist sie ja denn wohl, die berühmte Bazooka. Man könnte sie auch -trotz aller gegenteiligen Bekundungen- EUROBonds nennen. Denn wer trägt wohl die Rückzahlung. In Belgien ist heute Generalstreik weil die Menschen nicht wollen, dass das Rentenalter von 60 auf 62(!) Jahre hochgesetzt wird. Wahrscheinlich sagt die Bevölkerung wie in Griechenland auch: Frau Merkel ist daran schuld! Aber die entscheidende Frage ist, wer soll es bezahlen, wenn die Einnahmen zu geruing sind?
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