Krisenland Italien besorgt sich billig frisches Geld

Die Lage an den Geldmärkten entspannt sich zusehends: Italien refinanziert sich so günstig wie seit fast eineinhalb Jahren nicht mehr. Auch Deutschland leiht sich Milliarden nahezu zum Nulltarif.

Italiens Premier Monti: Positive Aussichten
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Italiens Premier Monti: Positive Aussichten


Frankfurt am Main - Es scheint aufwärts zu gehen in der Euro-Zone - denn die Zinsen für Sorgenstaaten sinken. So konnte sich Italien am Montag so günstig wie seit fast eineinhalb Jahren nicht mehr refinanzieren. Bei einer Auktion von Geldmarktpapieren mit halbjähriger Laufzeit sank die zu zahlende Rendite auf 1,202 Prozent. Das ist seit September 2010 der niedrigste Zinssatz, den Italien für derartige Papiere erzielte. Ende Januar musste Italien mit 1,969 Prozent noch fast doppelt so viel zahlen.

Deutschland gilt aufgrund seiner hohen Kreditwürdigkeit bei Anlegern weiterhin als sicherer Hafen für Investitionen. Die Bundesrepublik konnte sich abermals fast zum Nulltarif refinanzieren. Bei einer Auktion einjähriger Schatzanweisungen lag die Rendite bei 0,0768 Prozent. Mitte Januar hatte die Rendite bei einer ähnlichen Auktion mit 0,07 Prozent ähnlich tief gelegen. Anfang 2012 war der Zins bei einem sechsmonatigen Papier sogar negativ gewesen - das heißt, die Anleger hatten dem deutschen Staat faktisch eine Art Kontoführungsgebühr gezahlt, damit er ihr Geld verwaltet.

Seit vergangenem Herbst hat sich die Lage in der Euro-Krise spürbar entspannt. Einen wesentlichen Anteil dürfte die sehr hohe Liquiditätsversorgung der Geschäftsbanken durch die Europäische Zentralbank (EZB) haben. Ende 2011 hatte sie den Geldhäusern, die traditionell stark in Staatsanleihen engagiert sind, die Rekordsumme von fast 490 Milliarden Euro für drei Jahre geliehen. Experten gehen davon aus, dass ein Teil hiervon in frische Staatstitel fließt, was wiederum die Zinskosten der Staaten drückt. Darüber hinaus goutieren die Märkte aber auch Spar- und Reformbemühungen in vielen angeschlagenen Euro-Ländern.

Auch Belgien, das eine hohe Staatsverschuldung in einer Größenordnung nahe der Wirtschaftsleistung eines ganzen Jahres aufweist, konnte sich problemlos langfristiges Kapital besorgen. Wegen politischer Probleme galt das Land lange als eines der Sorgenkinder des Euro-Raums. Mittlerweile verfügt Belgien aber über eine gewählte Regierung, die Reformen beschlossen hat. Entsprechend sind auch die Zinskosten für Belgien seither gesunken. Zu Wochenbeginn ging eine Auktion dreier Staatsanleihen mit Laufzeiten von fünf, zehn und dreißig Jahren problemlos über die Bühne.

yes/Reuters



insgesamt 3 Beiträge
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Europa! 27.02.2012
1. Mario Monti überzeugt
Zitat von sysopDPADie Lage an den Geldmärkten entspannt sich zusehends: Italien refinanziert sich so günstig wie seit fast eineinhalb Jahren nicht mehr. Auch Deutschland leiht sich Milliarden nahezu zum Nulltarif. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,817859,00.html
Die Reaktion der Märkte hat mit Sicherheit auch mit dem überzeugenden Auftreten von Mario Monti zu tun. Ein ebenso solider wie integrer Politiker. Bravo!
Einweckglas 27.02.2012
2. Staatsschuldenfinanzierung durch die Hintertür!
Zitat von Europa!Die Reaktion der Märkte hat mit Sicherheit auch mit dem überzeugenden Auftreten von Mario Monti zu tun. Ein ebenso solider wie integrer Politiker. Bravo!
Eher wohl mit der Geldmenge, weche durch die EZB den Banken fast zum Nulltarif unbegrenzt zur Verfügung gestellt wurden.... und diese kaufen nun die Staatspapiere: Staatssschuldenfinanzierung durch die Hintertür nennt man das!
brux 27.02.2012
3. Stimmt wohl
Zitat von EinweckglasEher wohl mit der Geldmenge, weche durch die EZB den Banken fast zum Nulltarif unbegrenzt zur Verfügung gestellt wurden.... und diese kaufen nun die Staatspapiere: Staatssschuldenfinanzierung durch die Hintertür nennt man das!
(Leider) haben Sie wohl recht. Hier werden schlichtweg Euros gedruckt. Aber solange die Haushaltsdisziplin einigermassen eingehalten wird, muss das ja nicht katastrophal enden. Die Italiener und Franzosen haben auch mit höherer Inflation immer ganz gut gelebt. Griechenland wird aber immer mehr zum Sonderfall und steuert massiv auf den Austritt aus der EU zu ....
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