Krisenszenario Währungshändler spielen Ende der Euro-Zone durch

Bricht die Euro-Zone auseinander? Was Politiker entschieden dementieren, halten Banken zumindest nicht für unmöglich: Der Devisenhändler CLS bereitet sich laut "Wall Street Journal" mit Stresstests auf den Ernstfall vor.

Euro-Skulptur in Frankfurt: Die Skepsis der Investoren wächst
AP

Euro-Skulptur in Frankfurt: Die Skepsis der Investoren wächst


Hamburg - Gehebelte Rettungsschirme, verschärfte Haushaltsregeln oder Euro-Bonds: Mit immer weiter reichenden Instrumenten und Vorschlägen versuchen Politiker der Euro-Zone, die Krise des Währungsraums einzudämmen. Der Austritt von einem oder gar mehreren Ländern gilt den Regierenden dabei bislang als Szenario, das auf jeden Fall vermieden werden muss.

Zumindest Banken aber spielen dieses Szenario laut einem Bericht des "Wall Street Journal" ("WSJ") mittlerweile durch. Die Zeitung berichtet von "Stresstests" mit denen sich die CLS Bank International auf eine mögliche Auflösung der Euro-Zone vorbereite. CLS wickelt für 63 Banken den Währungshandel ab. Auch einige dieser Institute schmieden demnach Notfallpläne.

In den vergangenen Tagen hatten auch Analysten ein Auseinanderbrechen des Währungsraums als Möglichkeit bezeichnet. Dies sei "ein sehr reales Risiko", zitiert das "WSJ" Vertreter von Nomura Holdings. Die japanische Bank habe Kunden geraten, ihre Staatsanleihen darauf hin zu prüfen, ob diese im Fall eines Euro-Austritts in die Landeswährung transferiert würden. Analysten von HSBC Holdings hätten Kunden mitgeteilt, ein Austritt einzelner Länder sei zumindest "nicht unvorstellbar".

Auch eine wachsende Zahl von Investoren geht offenbar davon aus, dass zumindest ein Land die Euro-Zone verlassen muss. Inzwischen sei fast die Hälfte von rund 1000 Befragten dieser Ansicht, schreibt das "WSJ" unter Berufung auf eine Umfrage von Barclays Capital. Im vergangenen Quartal sei es noch rund ein Viertel gewesen, im zweiten Quartal sogar nur ein Prozent.

Doch nicht jeder ist so pessimistisch. Es sei vernünftig, einen Austritt durchzuspielen, sagte Fabian Eliasson, Chef des Währungshandels bei der Mizuho Corporate Bank. Aber "ich glaube nicht, dass es passieren wird".

dab



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