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06. März 2013, 13:41 Uhr

Soffin-Berater

Krisenverursacher bekamen Millionen

Sie hatten die Finanzkrise mitverursacht - und kassierten für deren Bewältigung: 100 Millionen Euro zahlte der staatliche Rettungsfonds Soffin an externe Berater. Geld bekamen unter anderem die Deutsche Bank und Goldman Sachs.

Berlin - Der drohende Zusammenbruch der deutschen Finanzbranche hat einer ganzen Reihe von Rechtsanwälten, Unternehmensberatern und Banken Millionenaufträge eingebracht. Zwischen Oktober 2008 und Dezember 2012 haben die Verwalter des staatlichen Bankenrettungsfonds Soffin fast 100 Millionen Euro für externe Beratungsaufträge ausgegeben. Das geht aus einer Übersicht des Finanzministeriums hervor, die am Mittwoch bekannt wurde.

Die Kosten der Beratungsleistungen müssten die Geldhäuser, denen geholfen wurde, allerdings selbst tragen, teilte die für den Soffin zuständige Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung (FMSA) mit. Der Großteil der Beratungskosten sei an die Institute durchgeleitet worden. Den Steuerzahlern seien bisher keine Kosten entstanden. Auf der Liste der beauftragten Dienstleister stehen neben renommierten Kanzleien und Unternehmensberatern auch wiederum einige große Banken.

Über die Antwort des Finanzministeriums auf eine Anfrage des Linken-Politikers Klaus Ernst hatten zuvor das "Handelsblatt" und die "Welt" berichtet. Ernst übte erneut scharfe Kritik und brachte einen Untersuchungsausschuss ins Gespräch. Die FMSA verwies in der "Welt" darauf, dass der Soffin keine dauerhafte Einrichtung sei und deshalb auf die Hilfe externer Berater angewiesen sei.

Profitiert hätten die Deutsche Bank, der US-Bankenkonzern Goldman Sachs und die Finanzgruppe Rothschild, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf das Papier. Auch Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberatungen wie KPMG und Roland Berger sowie eine Reihe von Anwaltskanzleien stünden auf der Liste. Für mehr als 90 Millionen Euro könne zumindest teilweise der Steuerzahler eingestanden haben. 8,7 Millionen Euro seien über Kostenpauschalen von hilfsbedürftigen Geldhäusern selbst gedeckt worden.

Der Soffin war im Herbst 2008 gegründet worden. Er hilft angeschlagenen Banken mit Garantien und Finanzspritzen. Die FMSA verwaltet auch den Restrukturierungsfonds, der mit der Bankenabgabe der deutschen Kreditwirtschaft finanziert wird. Unter dem Dach der FMSA sind zudem Abwicklungsanstalten angesiedelt, in die Institute zur Bilanzbereinigung Geschäfte ausgelagert haben.

nck/dpa/AFP

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