Kritik an Geschäftspraktiken EU prüft Kartellbeschwerden gegen Google

Google droht Ärger: Die EU-Kommission prüft Beschwerden von Microsoft und anderen Unternehmen. Diese werfen dem Tech-Riesen unter anderem vor, ihre Web-Seiten bei der Anzeige von Suchmaschinenergebnissen zu benachteiligen. Eine Firmen-Managerin weist die Vorwürfe zurück.
Google-Logo: Konkurrenten beschweren sich über angebliche Benachteiligung

Google-Logo: Konkurrenten beschweren sich über angebliche Benachteiligung

Foto: Ted S. Warren/ AP

Hamburg - Die Europäische Kommission prüft die Beschwerden dreier Firmen gegen Google. Die Unternehmen werfen der weltgrößten Internetsuchmaschine Verstöße gegen das Wettbewerbsrecht gemäß des Vertrags von Lissabon vor. Demnach benachteilige Google diese Firmen bei der Anzeige von Suchergebnissen. Google bezog zu den Vorwürfen bereits in einem Blog-Eintrag Stellung.

Als Beschwerdeführer werden von Google die französische Rechtssuchmaschine Ejustice.fr, das britische Preisvergleichsportal Foundem und Microsofts Ciao from Bing genannt. Dem nun angestrengten Untersuchungsverfahren sehe man gelassen entgegen und werde der EU-Kommission in jeder Hinsicht helfen, alle gewünschten Informationen bereitstellen, erklärt Julia Holtz, Senior Competition Counsel bei Google, in dem Blog .

Durch die Beschwerde steht Google dem britischen " Telegraph " zufolge zum ersten Mal im Zentrum einer Untersuchung der EU-Kommission. Kartellrechtsbeschwerden gegen den Konzern gab es zuvor allerdings bereits auf nationaler Ebene. So beschwerten sich Mitte Januar die deutschen Zeitungs- und Zeitschriftenverleger beim Bundeskartellamt über Google. Die Verlegerverbände kritisieren, dass Google für die Anzeige der Suchtreffer, die sogenannten "Snippets", den Verlagen nichts bezahlt. Gleichzeitig hatte die Microsoft-Tochter Ciao Beschwerde eingelegt. Das Preisvergleichsportal fühlt sich auf Googles Suchergebnisseiten schlechter repräsentiert, seit es vom Windows-Konzern übernommen wurde.

"Wir haben immer hart gearbeitet"

In ihrem Blog-Eintrag erklärt Holtz, man sei über die jetzt anhängigen Beschwerden bei der EU nicht überrascht. Demnach sei wohl eher Googles enormes Wachstum der Grund für die aktuellen Anfeindungen, nicht irgendwelche Versuche, "Nutzer oder Anzeigenkunden einzusperren oder künstliche Barrieren aufzubauen". Davon könne bei Google laut Holtz nicht die Rede sein. "Wir haben immer hart gearbeitet , um sicherzustellen, dass wir unseren Erfolg auf die richtige Weise verdienen", schreibt die Google-Managerin.

Eine Erklärung, weshalb die drei Firmen sich benachteiligt fühlen könnten, liefert Holtz allerdings nicht. Stattdessen führt sie lang und breit aus, wie schwierig es sei, Millionen Suchanfragen täglich binnen Millisekunden zu beantworten und dabei auch noch Geräte wie zum Beispiel einen iPod passend aufzubereiten. Vorwürfe, Google würde die genannten Seiten schlecht platzieren, weil diese in Konkurrenz zum Google-Angebote stehen, weist sie weit von sich. Schließlich würden Suchanfragen, die Spezialsuchmaschinen wie Moneysupermarket.com, Opodo und Expedia betreffen, meist sehr weit oben auf den Ergebnisseiten präsentiert.

Weshalb nun beispielsweise Ciao ein Verfahren gegen Google anstrebt, ist Holtz nach eigenem Bekunden unklar. Erst seit der Übernahme der Preisvergleichsseite durch Microsoft habe Ciao sich bei Google über deren AGBs beklagt, schließlich förmlich Beschwerde eingelegt. Ähnlich versucht sie die Beschwerde durch Foundem mit Microsoft in Verbindung zu bringen, da Foundem Mitglied in einer Organisation namens icomp ist, die von Microsoft finanziell unterstützt wird. Icomp selbst sieht sich als eine Organisation zur Förderung des fairen Wettbewerbs.

mak
Mehr lesen über Verwandte Artikel