Protest gegen Justiz Kronzeuge gegen Deutsche Bank schlägt acht Millionen Dollar aus

Eric Ben-Artzi hat zweifelhafte Praktiken der Deutschen Bank öffentlich gemacht. Nun schlägt er acht Millionen Dollar Belohnung aus - weil die verantwortlichen Manager nie bestraft wurden.

Niederlassung der Deutschen Bank
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Niederlassung der Deutschen Bank


Ein ehemaliger hochrangiger Mitarbeiter der Deutschen Bank Chart zeigenhat eine hohe Belohnung abgelehnt. Eric Ben-Artzi sollte eigentlich 8,25 Millionen Dollar von der US-Wertpapieraufsicht SEC bekommen. Mit dem Verzicht will er aufrütteln: Bis heute sei nämlich kein einziger der eigentlich verantwortlichen Bankmanager belangt worden, sagt er.

Ben-Artzi hatte als Risikomanager für die Deutsche Bank gearbeitet und 2011 öffentlich gemacht, dass die Bank den Wert hochspekulativer Wertpapiere in der Bilanz viel zu hoch angesetzt hatte.

Der promovierte Mathematiker hatte seine Bedenken ursprünglich seinen Vorgesetzten bei der Deutschen Bank vorgetragen. Als er damit kein Gehör fand, wandte er sich schließlich an die amerikanische Börsenaufsicht SEC. Einige Zeit später wurde Ben-Artzi entlassen.

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Die Skandale der Deutschen Bank: Peanuts und Pannen

Haben Aufseher den Betrug gedeckt?

Die Deutsche Bank musste im vergangenen Jahr 55 Millionen Dollar Strafe dafür zahlen. 15 Prozent davon stünden eigentlich Ben-Artzi zu. In einem Gastbeitrag für die "Financial Times" verkündete der Manager nun, er wolle das Geld nicht annehmen, weil die Falschen bestraft würden. Die Geldstrafe belaste letztlich die Aktionäre, scharenweise würden Mitarbeiter derzeit ihre Arbeitsplätze verlieren.

Das Top-Management dagegen habe mit üppigen Millionen-Boni die Bank verlassen. Die Schuldigen am Bilanzskandal seien bis heute unbehelligt geblieben. Der Grund dafür seien Seilschaften innerhalb der US-Wertpapieraufsicht: Immer wieder seien hochrangige Juristen von der Deutschen Bank zur SEC gewechselt und umgekehrt - auch während die Ermittlungen liefen. Ben-Artzi nennt das "Drehtür-Effekt".

SEC-Manager Andrew Ceresney wies die Vorwürfe zurück: Die Behörde habe alle Verstöße zur Anklage gebracht, soweit sie zu beweisen gewesen seien.

beb/REUTERS

insgesamt 37 Beiträge
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Analog 19.08.2016
1. Respekt
Das nenne ich, für Werte einstehen und nicht nur Lippenbekenntnisse. Gibt es nicht oft.
bariton65 19.08.2016
2. Hochachtung.....
der Mann gehört auf den Chefsessel der Deutschen Bank. Vermutlich würde er aber auch den ausschlagen..... leider.
Koana 19.08.2016
3. Warum....
.... spendet er die 8 Mio nicht? Glaubt er die Bankmanager würden damit "gewöhnliche" Arbeitsplätze sichern? Er kennt doch das System - jetzt wandern die 8 Mio in die Taschen jener Leute (als Boni? - Sonderbonus - für besonders erfolgreiche Prozessführung?) die immer ohne Gewissen nur für die größten Räuber rauben, zu denen sie sich selbst ebenso zählen dürfen. Mit dem Geld hätte er geschädigte Kunden - die heute völlig mittellos sind, für ein paar Monate Luft verschaffen können -oder für einen Monat Nahrungmittel an ca. 100.000 Kinder finanzieren (mit 0,25 Cent am Tag stellt das WFP den Kalorienbedarf sicher...... - usw. usf. (oder hatte er ein Angebot, das man nicht ablehnen kann?).
naeggha 19.08.2016
4. verantwortungsvolles Handeln
Stark von Herrn Ben-Artzi. Interessant wäre, wie es da nun weiter geht.
christophmeier 19.08.2016
5. Respekt
Ich habe Respekt vor diesem Mann. Hut ab, denn er hat nämlich recht! Die Großen, die genau Bescheid wussten oder sogar das ganze initiierten, sacken die Kohle ein und sonst passiert nichts. Widerlich. Wie bei VW, Daimler and you name it...... Guten Tag!
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