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06. Juli 2017, 18:10 Uhr

Geflügelhaltung

Minister schon wieder mit neuer Technik gegen das Kükenschreddern

Die massenhafte Tötung männlicher Küken versucht Agrarminister Schmidt seit Jahren zu stoppen. Nun hat er einen neuen Ansatz ins Spiel gebracht - doch Skepsis bleibt.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt will dem massenhaften Töten männlicher Küken mit einer neuen Technik begegnen. "Was wir heute sehen, ist der Einstieg in den Ausstieg aus der Praxis des Tötens männlicher Eintagsküken", sagte der CSU-Politiker beim Besuch einer Brüterei im niedersächsischen Großenkneten.

Der Grund für Schmidts Zuversicht ist ein an der Universität Leipzig entwickelter Test. Bei diesem wird Eiern Flüssigkeit entnommen, um das Geschlecht des künftigen Kükens zu bestimmen.

Pro Jahr werden nach Angaben der am Test beteiligten Supermarktkette Rewe allein in Deutschland rund 45 Millionen männliche Küken getötet, weil sie keine Eier legen. Die männlichen Küken der zum Eierlegen gezüchteten Rassen zu mästen, ist demnach unwirtschaftlich.

Deutschland übernehme mit dem Test eine Vorreiterrolle, sagte Schmidt. "Wir sind auf dem Weg, eine ethisch und auch rechtlich fragwürdige Praxis in Deutschland zu beenden." Mit Forschung und Technik würden die Voraussetzungen geschaffen, um das Kükentöten auch international zu stoppen.

Minister Schmidt will das massenhafte Töten männlicher Küken schon länger beenden. Ein Verbot des Schredderns oder Vergasens der Tiere schloss er aber stets aus. Erstmals hatte er neue Maschinen dafür im Mai 2015 angekündigt - Ende 2016 sollte die neue Technik bereits zur Verfügung stehen. Zuletzt hatte er im Januar ein Verfahren vorgeführt, das per Laser das Geschlecht der Küken vor dem Schlüpfen bestimmen können soll.

Auch hinsichtlich der neuesten Methode dämpfte der zuständige Rewe-Manager Ludger Breloh nun Schmidts Hoffnungen. Es sei noch ein weiter Weg zur Praxisreife, sagte er. Angesichts der großen Menge an Eiern müssten die Geschwindigkeit und der Erfolg bei der Geschlechtsbestimmung erhöht werden. Aktuell könnten nur einige Eier pro Stunde untersucht werden. Bei 100 Millionen Eiern, die in Deutschland pro Jahr bestimmt werden müssten, sei das zu langsam. Wenn die Technik marktreif sei, solle sie auch der Konkurrenz zugänglich gemacht werden, sagte Breloh.

Der agrarpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Friedrich Ostendorff, kritisierte Schmidts abermaligen Vorstoß. "Es gleicht einem Déjà-vu, wie Minister Schmidt nun wieder vom 'Einstieg in den Ausstieg' fabuliert", sagte Ostendorff. "Seine Wortakrobatik täuscht nicht darüber hinweg, dass er das Problem nicht gelöst hat." Die Bilanz von Schmidts Amtszeit sei desaströs: Kein Minister vor ihm habe so viel angekündigt und so wenig eingehalten.

apr/dpa/AFP

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