Künstliche Intelligenz Monopolwächter fürchten Absprachen zwischen Algorithmen

Kartelle zwischen Menschen gibt es seit Langem - aber stimmen demnächst auch Computer ihre Preise ab? Die Monopolkommission sieht diese Gefahr und fordert die Politik zum Handeln auf.
Seite eines Onlinehändlers (Archivbild)

Seite eines Onlinehändlers (Archivbild)

Foto: Jens Kalaene/ picture alliance / dpa

Künstliche Intelligenz könnte nach Ansicht der Monopolkommission zu steigenden Preisen im Internethandel führen. Zur Festlegung von Preisen im Onlinehandel würden zunehmend Algorithmen eingesetzt, teilte die Expertengruppe nach der Übergabe ihres neuen, rund 400 Seiten starken Gutachtens an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier mit. Die Algorithmen könnten lernen, sich an andere Preise im Netz anzupassen oder sich über unterschiedliche Händler hinweg abzustimmen.

"Eine Sorge, die die Wettbewerber haben, ist, dass es durch Künstliche Intelligenz dazu kommt, dass die Preisalgorithmen merken: Ups, das ist ja schön, wenn wir alle gemeinsam die Preise erhöhen", warnte der Vorsitzende der Kommission, Achim Wambach. Derzeit geschehe dies zwar noch nicht, in Zukunft könne es aber dazu kommen. "Das ist eine Möglichkeit, wir sehen das Gefährdungspotenzial", sagte Wambach, der zugleich Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim ist.

Um dagegen vorgehen zu können, werde man bei den erhöhten Preisen ansetzen müssen statt wie bisher üblich bei Absprachen. "Es gibt ja dann keine expliziten Absprachen, das sind dann Algorithmen, die sich koordinieren, und wenn die mit Künstlicher Intelligenz betrieben werden, dann sieht man es nicht mal in der Formel des Algorithmus, weil die ja selbst lernen", sagte Wambach.

Er gehe davon aus, dass Verbraucherschutzverbände solche Preissteigerungen zuerst entdecken würden. Die Monopolkommission empfehle der Bundesregierung, den Verbänden in diesen Fällen das Recht zu geben, eine Untersuchung durch die Kartellbehörden anzuregen. Das Kartellamt müsste dann begründen, wenn es eine Prüfung ablehne.

Wer haftet für Algorithmen?

Die Monopolkommission forderte die Bundesregierung zudem auf, die Haftung für wettbewerbsrechtliche Verstöße durch Algorithmen zu klären. Es stelle sich die Frage, ob der betroffene Internethändler oder der Entwickler des Algorithmus für Schäden aufkommen müsse.

Altmaier sagte eine Prüfung der Vorschläge zu. "Ich bin mir nicht sicher, ob wir von Algorithmen schon alles verstanden haben - und zwar sowohl wie sie heute funktionieren und wie sie auch in einigen Jahren oder Jahrzehnten funktionieren werden", erklärte er.

Die Monopolkommission ist ein unabhängiges Expertengremium, das die Bundesregierung seit den Siebzigerjahren in Fragen des Wettbewerbs berät. Sie legt alle zwei Jahre ein Gutachten vor. Die Bundesregierung plant derzeit eine Modernisierung des Wettbewerbsrechts, das unter anderem an die Digitalisierung angepasst werden soll. Sie will dazu demnächst eine Kommission einsetzen.

dab/Reuters
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