Roboterproduzent Chinesisches Angebot für Kuka spaltet Aktionäre

Der chinesische Midea-Konzern will den Roboterhersteller Kuka übernehmen. Doch das erzürnt Kleinanleger und Aktionärsverbände. Sie befürchten den Ausverkauf deutscher Schlüsseltechnologie.
Roboter-Produktion in Augsburg

Roboter-Produktion in Augsburg

Foto: Stefan Puchner/ picture alliance / dpa

Das milliardenschwere Kaufangebot des chinesischen Unternehmens Midea für den Roboterbauer Kuka   treibt einen Keil zwischen die Firmenspitze und die Kleinaktionäre. Während sich Vorstandschef Till Reuter vorsichtig positiv über den Vorstoß der Chinesen äußerte, dominierte unter den Kleinanlegern auf der Hauptversammlung Skepsis.

"Grundsätzlich kann ich heute sagen, dass das Angebot, so wie es angekündigt wurde, unsere Strategie unterstützen kann", sagte Reuter in der Augsburger Firmenzentrale. Insbesondere bei der Eroberung des chinesischen Markts könne Midea helfen. "In unserer Strategie haben wir uns das Ziel gesetzt, 2020 einen Wert von einer Milliarde Euro Umsatz zu erreichen. Ein Partner, der diese Strategie unterstützt und uns einen besseren Marktzugang verschafft, könnte für Kuka ein erheblicher Wachstumstreiber sein."

Ein Regierungsvertreter warnte jedoch: "Wir unterstützen Investitionen in Deutschland, aber wir müssen darauf achten, dass kein Technologie-Abfluss stattfindet", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. "Die Aktivitäten chinesischer Unternehmen haben zugenommen. Wir beobachten diese Entwicklungen intensiv."

Chinesen auf Einkaufstour in Deutschland

Die mögliche Übernahme von Kuka durch Midea wäre ein weiteres prominentes Beispiel für die Einkaufstour chinesischer Firmen in Deutschland. Im vergangenen Jahr waren nach einer Auswertung der Beratungsfirma Ginkgo Tree Advisors 36 deutsche Unternehmen von chinesischen Firmen übernommen worden - nach 30 im Jahr 2014.

Vergangene Woche hatte Midea angekündigt, bis zu 4,5 Milliarden Euro für den schwäbischen Automatisierungs-Spezialisten bieten zu wollen. Der Kühlschrank- und Klimaanlagenhersteller hält bereits knapp zehn Prozent an Kuka. Auf der offiziellen Tagesordnung steht die Offerte der Chinesen am Freitag nicht.

Kuka-Chef Reuter sagte, Midea habe den Erhalt des Hauptsitzes in Augsburg, der anderen Standorte und Mitarbeiterzahlen sowie den Verbleib der Patente und Kundendaten bei Kuka in Aussicht gestellt. Ob und wie das wasserdicht verankert werden könne, werde noch ausgelotet. Reuter räumte zugleich ein, sich mit Midea-Vertretern über die Aktionärsstruktur und die Besetzung des Aufsichtsrats ausgetauscht zu haben. Die bisherigen Großaktionäre Voith und Friedhelm Loh halten sich über ihre Zukunftspläne als Kuka-Eigner bedeckt. Voith hält gut ein Viertel an Kuka, Loh gut ein Zehntel.

Aktionärsverbände und Kleinaktionäre äußerten sich skeptisch über das Vorhaben von Midea. Roland Klose von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz warnte vor einem Ausverkauf deutscher Schlüsseltechnologien ins Ausland. "So etwas wäre in den USA nicht möglich, vermutlich auch nicht in Frankreich und wahrscheinlich auch nicht in China", sagte er. Angesichts der Bedeutung des Roboterbauers für die deutsche Industrie sollte das Übernahmeangebot kritisch betrachtet werden. Es sei zu wünschen, dass Minister "Gabriel aufwacht", sagte Klose unter dem Beifall vieler Kleinanleger.

Angebot dürfte für viele Aktionäre attraktiv sein

Sein Kollege Daniel Bauer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger äußerte sich ähnlich. "Ich sehe viele Risiken", sagte Bauer. Angesichts des sich abzeichnenden Einstiegs von Midea hätten sowohl deutsche Industrie als auch Regierung geschlafen, wenn es um die Sicherung von Industrieperlen gehe. Für viele Aktionäre dürfte das Angebot aus Guangdong - 115 Euro je Kuka-Aktie - dennoch attraktiv genug sein, um zu verkaufen, glauben Experten. 30 Prozent hat sich Midea mindestens vorgenommen.

Auch ein Gegenangebot zur Midea-Offerte halten Fachleute für denkbar. Ein Kandidat, dem in der Vergangenheit immer wieder Interesse an Kuka nachgesagt wurde, hat Insidern zufolge schon abgewunken: Der größte deutsche Technologiekonzern Siemens habe die Idee geprüft und verworfen, sagten mehrere mit der Situation vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Kuka-Chef Reuter hat sich damit nach eigener Auskunft noch nicht beschäftigt. "Wir haben bisher nicht aktiv nach einem Partner gesucht, daher stellt sich die Frage nach einem 'weißen Ritter' nicht", sagte er. "Letztlich müssen die Aktionäre entscheiden, wie sie mit der Offerte umgehen."

msc/Reuters/dpa
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