Kurseinbruch Nokia schockiert Aktionäre mit Gewinnwarnung

Nokia hat sich schwer verkalkuliert: Der Handy-Konzern verkauft weniger und billigere Telefone als gedacht - und schickt nun eine Gewinnwarnung raus. Die Unternehmensaktie stürzt um mehr als 14 Prozent ab.

Nokia-Laden in Helsinki: Erste Ergebnisse von Allianz mit Microsoft Ende des Jahres erwartet
DPA

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Espoo - Nokia-Aktionäre müssten inzwischen einiges gewöhnt sein - doch auf diese Nachricht waren sie offenbar nicht gefasst: Der Handy-Hersteller kappte am Dienstag seine Jahresziele.

Der Nettoumsatz in den Kern-Geschäftsbereichen Geräte und Dienstleistungen werde im zweiten Quartal unterhalb der bisher angepeilten 6,1 bis 6,6 Milliarden Euro liegen, teilte der angeschlagene Weltmarktführer überraschend mit. Die Ziele fürs dritte und vierte Quartal seien damit ebenfalls hinfällig. Sämtliche Zielvorgaben wurden gestrichen.

Anleger reagierten schockiert. Die Nokia-Aktie Chart zeigen gab kurz nach Bekanntgabe um mehr als zehn Prozent nach, andere Anteilseigner zogen nach: Am Nachmittag lag das Papier bereits 14,1 Prozent im Minus bei 4,94 Euro. "Die Zahlen sind insbesondere im Vergleich zur Konkurrenz grottenschlecht", sagte Händler Andreas Lipkow von MWB Fairtrade. "Wenn man sich die Zahlen von Apple beispielsweise ansieht, scheint Nokia nicht wirklich hinterherzukommen."

Im zweiten Quartal hatten mehrere Faktoren dem Konzern härter zugesetzt als erwartet. Nokia-Händler verkauften weniger Telefone zu einem niedrigeren Durchschnittspreis als gedacht. Das bisherige Ziel einer Marge von sechs bis neun Prozent sei daher nicht mehr realisierbar, hieß es.

Nokia kämpft seit einiger Zeit massiv mit der zunehmenden Konkurrenz erfolgreicher Smartphone-Anbieter - und hat bislang kein Rezept gegen erstarkte Konkurrenten gefunden. Zudem hat der Internetkonzern Google Chart zeigen erst kürzlich mit seiner Software-Plattform Android, die auf den Handys unterschiedlichster Hersteller läuft, Nokia auf Platz zwei bei den Smartphones verdrängt.

Auch eine kürzlich geschlossene Smartphone-Allianz von Nokia mit Microsoft konnte den Trend bislang nicht stoppen. Die Kooperation werde aber noch in diesem Jahr greifbare Früchte tragen, erklärte Nokia. Der Handy-Konzern will im vierten Quartal die ersten Telefone mit Windows-Software an die Läden liefern.

yes/Reuters/dpa-AFX



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