Kurswechsel Bundesregierung will Atomexporte wieder fördern
AKW Biblis (Archivbild): Deutsche Industrie freut sich über Kurswechsel der Regierung
Foto: ALEX GRIMM/ REUTERSDüsseldorf - Die schwarz-gelbe Bundesregierung will offenbar deutsche Lieferungen für Atomkraftwerke im Ausland künftig wieder mit staatlichen Exportbürgschaften absichern. Wie das "Handelsblatt" nach Informationen aus Regierungskreisen berichtet, soll der 2001 getroffene Grundsatzentscheid der damaligen rot-grünen Koalition korrigiert werden.
Damals war mit Hinweis auf den politisch gewünschten Atomausstieg in Deutschland auch die staatliche Absicherung von Exporten beendet worden. Der neue Kurs gelte als wichtige Voraussetzung dafür, dass ein Konzern wie Siemens nun von dem erwarteten weltweiten Boom in der Atomtechnik profitieren kann, schreibt die Zeitung. Angesichts des steigenden Energiebedarf und der Debatte um den Klimawandel würden nach Expertenschätzungen bis zum Jahr 2030 rund 400 neue Atomkraftwerke gebaut, so das "Handelsblatt" weiter. Es gehe um ein Investitionsvolumen von einer Billion Euro.
Industrie begrüßt neue Bürgschaftspolitik
Offiziell wird der Kurswechsel nicht bestätigt, heißt es in dem Bericht. Denn Entscheidungen über solche Exportbürgschaften fielen im interministeriellen Ausschuss (IMA) hinter verschlossenen Türen und jeweils als "Einzelfallentscheidungen". Doch den neuen Kurs hätten FDP und Union seit Wochen vorbereitet.
Bereits im Koalitionsvertrag heißt es deshalb ausdrücklich, dass "die OECD-Umweltrichtlinien alleiniger Maßstab bei der Prüfung von Anträgen auf Exportkreditgarantien sind". Und in den OECD-Richtlinien finde sich kein Verbot für die Zulieferung zu Atomkraftwerken.
Kernreaktoren
In deutschen Industriekreisen wird die neue Bürgschaftspolitik begrüßt. "Großprojekte gehen heute mit staatlicher Förderung einher", hieß es laut Zeitung. Auch Unternehmen aus Russland, China, Frankreich und den USA könnten mit staatlicher Flankierung rechnen, die mittlerweile eine Voraussetzung für Exporterfolge sei.