Vor »Black Friday« Hunderte Amazon-Mitarbeiter in Koblenz und Leipzig streiken

Kurz vor dem Schnäppchen-Festival des »Black Friday« legen die Beschäftigten in den Amazon-Verteilzentren Koblenz und Leipzig ihre Arbeit nieder. Doch der US-Versandhändler stellt sich quer.
Warnstreik in Leipzig (Archiv)

Warnstreik in Leipzig (Archiv)

Foto: Hendrik Schmidt/ dpa

Streik bei Amazon kurz vor dem Shopping-Event »Black Friday«: Mitarbeiter der Verteilzentren in Koblenz und Leipzig haben nach einem bundesweiten Aufruf der Gewerkschaft Ver.di über Nacht die Arbeit niedergelegt, teilte ein Ver.di-Sprecher mit. Andere Verteilzentren des Online-Versandhändlers könnten folgen. Damit wollen die Amazon-Mitarbeiter erneut Druck machen im jahrelangen Kampf für einen Tarifvertrag. Der Streik soll bis Samstag dauern.

In Leipzig erwartet Thomas Schneider, Streikleiter der Gewerkschaft Ver.di, mehr als 400 Streikende über drei Tage. Ziele seien die Anerkennung der Flächentarifverträge des Einzel- und Versandhandels durch Amazon sowie der Abschluss eines Tarifvertrags für gute und gesunde Arbeit. Der Online-Händler gab sich gelassen und erwartet laut Mitteilung keine Auswirkungen auf den Betrieb.

Corona-konformer »stiller Streik« in Koblenz

In Koblenz sei wegen der Corona-Pandemie in Absprache mit dem Gesundheitsamt ein »stiller Streik« vereinbart worden. Die meisten Streikenden seien zu Hause geblieben, teilte der Sprecher mit. Vor dem Werksgelände versammelten sich demnach Donnerstagfrüh nur knapp zehn Beschäftigte. Wie viele Beschäftigte insgesamt die Arbeit niederlegten, kann nach Angaben des Sprechers erst nach dem Streik beurteilt werden. Er schätze die Streikbeteiligung aber höher ein als in den vergangenen Jahren. In Koblenz sind laut Ver.di-Sprecher derzeit etwa 2600 Mitarbeiter beschäftigt, davon etwa 800 Saisonarbeiter für die Weihnachtszeit.

Bei Amazon in Deutschland wird seit Jahren immer wieder gestreikt – ohne dass es in dem festgefahrenen Konflikt zu greifbaren Ergebnissen kommt. Ver.di ruft regelmäßig zu Arbeitsniederlegungen auf – etwa im Weihnachtsgeschäft oder an Schnäppchen-Tagen. Die Gewerkschaft verlangt die Aufnahme von Tarifverhandlungen.

Der Konzern des US-Milliardärs Jeff Bezos lehnt Tarifverträge jedoch ab. Amazon erklärte, das Unternehmen erwarte keine Auswirkungen des Streikaufrufs. Der allergrößte Teil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeite »ganz normal«. Zudem wies Amazon die Kritik der Gewerkschaft zurück. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter profitierten bereits »von exzellenten Löhne, exzellenten Zusatzleistungen und exzellenten Karrierechancen«. Das Lohnpaket samt den Zusatzleistungen und Arbeitsbedingungen könne »auch im Vergleich mit anderen wichtigen Arbeitgebern in der Region« bestehen.

Das Unternehmen hat seine Mitarbeiterzahl in den vergangenen Jahren vervielfacht. Auseinandersetzungen mit den Gewerkschaften gibt es nicht nur in Deutschland.

caw/dpa/Reuters/AFP
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