Kurzzeit-Pleite Fitch spielt bei griechischer Umschuldung mit

Griechenland geht zwar pleite, aber nur für wenige Tage: Mit diesem Szenario haben die Politiker der Euro-Zone eine Umschuldung beschlossen. Nun kündigt Fitch als erster Rating-Riese an, bei dem Manöver mitzuspielen. 
Fitch-Zentrale in New York: Wichtiger und positiver Schritt in Richtung Finanzstabilität

Fitch-Zentrale in New York: Wichtiger und positiver Schritt in Richtung Finanzstabilität

Foto: Corbis

London - Der Rettungsplan für eine Umschuldung von Griechenland scheint aufzugehen: Die Rating-Agentur Fitch hat zwar angekündigt, die Anleihen des Landes bei einem Umtausch vorübergehend als Zahlungsausfall zu werten. Sobald das "Kreditereignis" jedoch überwunden sei, werde das Euro-Land ein neues Rating erhalten - die neue Kreditbewertung dürfte dann im niedrigen spekulativen Bereich liegen.

Auch die übrigen Rating-Agenturen sollen Griechenland eine nur vorübergehende Pleite-Wertung in Aussicht gestellt haben. Dies gilt als wichtiger Grund dafür, dass die Euro-Staaten nun doch einen Zahlungsausfall in Kauf nehmen - obwohl dies im Vorfeld des Gipfels als Haupthindernis für eine Beteiligung der privaten Gläubiger galt.

Der Privatsektor soll mit mindestens 37 Milliarden Dollar an den Hilfen für Griechenland beteiligt werden, indem Anleger ihre bestehenden Anleihen gegen neue mit längerer Laufzeit tauschen. Die Rating-Agenturen hatten im Vorfeld angekündigt, dass sie dies als teilweisen Zahlungsausfall bewerten würden.

Fitch äußerte sich lobend über die Beschlüsse der Staats- und Regierungschefs vom Donnerstagabend: Sie seien ein wichtiger und positiver Schritt in Richtung Finanzstabilität. Die Reduzierung der Zinssätze und die Verlängerung der Laufzeiten für die Anleihen könnten eine Möglichkeit sein, wieder solvent zu werden. Für Portugal und Irland bedeuteten die neuen Konditionen des Euro-Rettungsschirms EFSF ebenfalls gute Nachrichten.

Erleichterung an den Finanzmärkten

Auch die Börsen reagierten positiv auf die Beschlüsse des Sondergipfels: Der deutsche Leitindex Dax   legte bis zur Mittagszeit um 0,65 Prozent auf 7338 Punkte zu - obwohl der am Vormittag veröffentlichte ifo-Geschäftsklimaindex überraschend negativ ausgefallen ist. Der Euro   stabilisierte über der Marke von 1,44 US-Dollar. Experten sprechen vorerst von einer Entspannung an den Devisenmärkten. Im Mittagshandel stand der Euro bei 1,4411 Dollar.

Im Rest von Europa reagierten die Finanzmärkte ebenfalls positiv auf den Sondergipfel: Der Leitindex der Euro-Zone, der EuroStoxx 50  , stieg bis zum Mittag um 0,84 Prozent auf 2786 Punkte. In Paris legte der CAC 40  um 1,04 Prozent auf 3856 Punkte zu, der Londoner FTSE 100  gewann 0,9 Prozent auf 5853 Punkte.

Vor allem die zuvor schwer gebeutelten Finanztitel profitierten von der Einigung über Griechenland - trotz der Beteiligung der Privaten an dem Hilfspaket. Die Aktien der Commerzbank   stiegen um 2,40 Prozent auf 2,816 Euro. Die Papiere der Deutschen Bank   gewannen etwas mehr als ein Prozent, und auch für die Titel der Münchener Rück   und der Allianz   ging es aufwärts.

Die Tokioter Börse kletterte auf ein Zweiwochenhoch. Der Leitindex Nikkei   sprang um 1,22 Prozent auf 10.132 Punkte. An den anderen großen Finanzplätzen in Fernost, etwa in Hongkong, stiegen die Kurse ebenfalls deutlich.

fdi/dpa-AFX/Reuters
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