Rassismusdebatte L'Oréal will Hautpflegeprodukte künftig nicht mehr als "Aufheller" bezeichnen

Der Kosmetikgigant L'Oréal reagiert auf Kritik im Zuge der weltweiten Rassismusdebatte: Cremes und Lotionen sollen künftig nicht mehr als "Aufheller" bezeichnet werden. Das hatten auch bereits die Konkurrenten Unilever und Johnson & Johnson angekündigt.
Foto: imageBROKER/Karl F. Schöfmann/ imago images/imagebroker

Vor dem Hintergrund der weltweiten Rassismusdebatte verzichtet der französische Kosmetikgigant L'Oréal künftig auf Begriffe wie "Aufheller" oder "Bleichen". Worte wie diese sollten von Hautpflegeprodukten entfernt werden.  

In einer knappen Mitteilung wurde zunächst kein Grund für die Entscheidung genannt. Offen blieb auch, von welchem Zeitpunkt an die neue Regelung gilt und ob möglicherweise Produkte zurückgezogen werden sollen.

Zuvor hatte bereits der Konsumgüterkonzern Unilever mitgeteilt, dass er seiner aufhellenden Gesichtscreme "Fair & Lovely" angesichts der Rassismusdebatte einen anderen Namen geben möchte. Die Hautpflegeprodukte sollten künftig ein vielfältigeres Schönheitsideal mit sämtlichen Hautfarben ansprechen, kündigte das Unternehmen an. Auch Johnson & Johnson will zwei Produktlinien vom Markt nehmen, die, so das Unternehmen, von Kunden als Hautaufheller benutzt worden seien.

Ob die Firmen auf diese Produkte in Zukunft komplett verzichten oder sie nur unter einem anderen Namen und mit anderer Werbung vertreiben möchten, bleibt noch unklar. Von den vielen unterschiedlichen Bleichprodukten, die auf dem Markt sind - Cremes, Lotionen, Tabletten - versprechen sich viele Menschen eine hellere Haut, vor allem Frauen in afrikanischen und asiatischen Ländern. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO benutzen 77 Prozent der Frauen in Nigeria Hautaufheller, in Indien sind es um die 60 Prozent.

Das sogenannte Bleaching, also Bleichen oder Aufhellen der Haut, ist zur Milliardenindustrie geworden: Allein im indischen Kosmetikmarkt liegt der Anteil von bleichenden Produkten bei rund 60 Prozent.

Dieses weltweite Phänomen kann nicht nur extrem gesundheitsschädlich sein - viele Bleichprodukte enthalten gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe wie Quecksilber. Deshalb sind sie in vielen Ländern verboten, verkauft werden sie trotzdem. Betroffene leiden häufig unter Narbenbildung bis hin zu Hautkrebs oder Leber- und Nierenschäden.

Kritiker sehen darin auch jahrhundertealte rassistische Denkmuster, da die Produkte und deren Werbung helle Haut gleichsetzen mit Schönheit und Erfolg. So hat die Black-Lives-Matter-Bewegung nun auch die Hersteller von Bleichcremes öffentlich unter Druck gesetzt, vor allem auf Social Media und mit einer Petition  - offenbar mit ersten Erfolgen.

lgr/rwi/dpa
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