Milliardenverlust durch Diebstahl Walmart-Chef droht mit Preiserhöhungen und Filialschließungen

Ob sich Kriminelle davon abschrecken lassen? Der US-Händler Walmart beklagt einen Anstieg von Ladendiebstählen. Der Konzernchef droht nun mit höheren Preisen und dem Aus für Filialen. Auch die Konkurrenz setzt auf drastische Mittel.
Walmart-Filiale in Washington: Drastische Warnung

Walmart-Filiale in Washington: Drastische Warnung

Foto: Nicholas Kamm / AFP

US-Händler haben nach eigenen Angaben ein massives Problem mit gestohlenen Waren. Nun schlägt der Branchenriese Walmart Alarm. »Diebstahl ist ein Problem«, sagte Konzernchef Doug McMillon dem Sender CNBC. »Er ist höher als in der Vergangenheit.« Zugleich kündigte er Konsequenzen an. »Wenn das nicht im Laufe der Zeit korrigiert wird, werden die Preise höher sein und/oder die Geschäfte werden schließen.«

Seine Warnung dürfte sich weniger an Diebe, sondern mehr an Behörden und Politik richten. Denn McMillon sagte, der Schlüssel zur Verringerung von Diebstählen liege in der Zusammenarbeit von Walmart mit den örtlichen Strafverfolgungsbehörden. Es müsse sichergestellt sein, dass diese Behörden personell voll ausgestattet seien.

Wie hoch der Schaden für Walmart ist, sagte der Manager nicht. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte bereits 2015 eine Schätzung veröffentlicht. Demnach verlor der weltgrößte Einzelhändler schon damals etwa ein Prozent seines US-Umsatzes durch klauende Kunden oder Mitarbeiter. Das entsprach 2015 etwa drei Milliarden Dollar pro Jahr.

Stahlseile gegen Diebe

Walmart ist nicht der einzige Einzelhändler, der wegen Diebstahls Alarm geschlagen hat. So hatte der Finanzvorstand der US-Kette Target im November gesagt, dass er bis zum Ende des Geschäftsjahres allein durch fehlende Bestände mit Gewinneinbußen von 600 Millionen Dollar im Vergleich zum Vorjahr rechne.

Target machte in erster Linie organisierte Kriminalität für den Bestandsschwund verantwortlich. »Zusammen mit anderen Einzelhändlern haben wir einen signifikanten Anstieg von Diebstahl und organisierter Einzelhandelskriminalität in unserem gesamten Unternehmen festgestellt«, sagte Target-CEO Brian Cornell.

Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge haben Händler bereits mit Blick auf das Weihnachtsgeschäft auf die Diebstähle reagiert. Demnach installieren sie Kameras oder sperren Waren weg, um Ladendiebe abzuschrecken. Walmart, J.C. Penney, Apple und Walgreens setzen demnach auf neue Überwachungssysteme oder mehr Sicherheitspersonal. Andere, wie Target und Barnes & Noble versiegelten Waren hinter Plexiglas oder banden sie sogar mit Stahlseilen an den Regalen fest.

Berater rechnen, dass am Ende auch ehrliche Kunden unter dem Diebstahl leiden werden. »Die Gewinne werden in einer Zeit der höchsten Inflation seit 42 Jahren geschmälert. Und jetzt, wo die Kosten für die Verhinderung von Straftaten steigen, wird das in höheren Preisen weitergegeben«, sagte der Chef einer Beratungsfirma.

Lustkäufer bleiben weg

Die Auswirkungen auf das Weihnachtsgeschäft und die Gewinne »werden schrecklich sein«, warnte er. Produkte wie Shampoos und Zahnpasta würden weggeschlossen. Konsumenten wiederum würden solche übermäßig gesicherten Läden meiden. »Insgesamt verlieren die Einzelhändler also sowohl den geplanten Kauf als auch die Impulskäufe«, sagte der Berater.

In den USA sorgten bereits im vergangenen Jahr gewalttätige Ladendiebstähle für Aufsehen. So stürmten während der Weihnachtszeit 80 Personen in ein Geschäft in der Nähe von San Francisco, schnappten sich Waren und liefen wieder hinaus. Damals wurden fünf Angestellte verletzt.

Eine Umfrage des Handelsverbands National Retail Federation (NRF) hat ergeben, dass die von Gruppen begangene »organisierte Einzelhandelskriminalität« in den USA im vergangenen Jahr um 26,5 Prozent zugenommen hat.

mmq/Reuters
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