Lahmende Weltwirtschaft Experten kappen ihre Wachstumsprognosen

Amerika versinkt im Schuldenstrudel, der Euro-Zone droht der Kollaps und die Börsenkurse brechen ein: Das Wirtschaftsklima verschlechtert sich - das drückt die Stimmung von Experten. Immer mehr Ökonomen warnen vor einer Abkühlung der Konjunktur. 

Baustelle in Berlin: Drohende neue Flaute
ddp

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Brüssel - Experten sorgen sich zunehmend um die Weltwirtschaft. Nachdem die Chefin des Internationalen Währungsfonds ( IWF), Christine Lagarde, Staats- und Regierungschefs zum sofortigen Handeln aufforderte, werden auch immer mehr Experten kritisch. Der jüngste Kurssturz an den Börsen zeige, dass sich Finanzmärkte und Realwirtschaft synchron entwickelten. "Ich mache mir deswegen ernsthafte Sorgen darüber, dass anhaltende Turbulenzen überschwappen und der Erholung der Wirtschaft womöglich schaden könnten", sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn am Montag.

Auch der IWF fürchtet um den globalen Aufschwung: Erst im Juni hatte er seine Prognosen für die USA und die Weltwirtschaft gesenkt. Jetzt legte der IWF noch einen drauf: Der Fonds traut der größten Volkswirtschaft der Welt nur noch einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 1,6 Prozent zu. Bisher lag die Prognose bei 2,5 Prozent. Für 2012 kappte der IWF seine Schätzung um gut ein Viertel auf zwei Prozent. Die US-Notenbank Fed sollte bereitstehen für neue unkonventionelle Maßnahmen der Geldpolitik, um die Wirtschaft zu stützen, berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa am Montag unter Berufung auf einen Entwurf des Weltwirtschaftsausblicks, den der IWF demnächst veröffentlichen will.

Auch für die Euro-Zone und zahlreiche seiner hoch verschuldeten Mitgliedsländer senkte der IWF den Angaben zufolge seine Wachstumsprognosen. Für die Euro-Zone erwartet er ein Plus von 1,9 Prozent, für 2012 ein Plus von 1,4 Prozent. Die Erholung in Frankreich, Italien und Spanien dürfte im laufenden Jahr schwächer ausfallen als bislang gedacht und im nächsten Jahr weiter an Fahrt verlieren, hieß es. Ausnahme sei die Bundesrepublik: Für die deutsche Wirtschaft rechnet der Fonds 2011 mit einem Wachstum von 3,2 Prozent. Für 2012 senkte der Fonds seine Wachstumsprognose allerdings von zwei auf 1,6 Prozent.

Das macht auch die deutschen Mittelständler skeptisch. Das Barometer für die Geschäftserwartungen der Betriebe sank im August so stark wie noch nie, teilte die staatliche KfW-Bankengruppe am Montag mit. Das Geschäftsklima-Barometer verlor 6,3 Punkte. Es war der stärkste Rückgang seit November 2008 im Zuge der Lehman-Pleite, die die weltweite Finanzkrise auslöste. "Im außergewöhnlich starken Rückgang des Geschäftsklimas im Mittelstand, insbesondere im Rekordeinbruch der Erwartungskomponente, spiegelt sich die hohe Verunsicherung über die Eurokrise und die jüngsten Verwerfungen an den Aktienmärkten", sagte KfW-Chefvolkswirt Norbert Irsch.

Noch laufen die Geschäfte in den meisten Betrieben allerdings rund. Die Mittelständler beurteilten ihre Lage immer noch positiver als im Boomjahr 2007, sagte Irsch. "Auch für 2012 gehen wir nicht von einer Rezession aus." Dies setze allerdings eine gewisse Stabilisierung an den Finanzmärkten voraus und "eine überzeugende Umsetzung der von der europäischen Politik vorgesehenen Krisenbewältigungsmaßnahmen".

nkk/REUTERS/dapd



insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
dunnhaupt 29.08.2011
1. Niemand ist so blind wie Leute die nicht sehen wollen
Das deutsche Wachstum im 2.Quartal 2011 betrug nur noch 0,1%. Das US-Wachstum lag genau zehnmal so hoch mit 1,0%. Frankreichs "Wachstum" betrug genau 0,0%. Dass unsere Wirtschaft ausgerechnet im katastrophalen 3.Quartal wuchs, dürfte wohl niemand ernstlich glauben. Wir befinden uns also jetzt vermutlich bereits in Rezession.
Maun 29.08.2011
2. in rezession !
Zitat von dunnhauptDas deutsche Wachstum im 2.Quartal 2011 betrug nur noch 0,1%. Das US-Wachstum lag genau zehnmal so hoch mit 1,0%. Frankreichs "Wachstum" betrug genau 0,0%. Dass unsere Wirtschaft ausgerechnet im katastrophalen 3.Quartal wuchs, dürfte wohl niemand ernstlich glauben. Wir befinden uns also jetzt vermutlich bereits in Rezession.
das mit dem zehnmal so hohen US-wachstum stimmt glaube ich aber nicht. Denn die 1,0 der USA sind in relation zum vorjahresquartal, während die 0,1 der BRD zum vorquartal gerechnet ist. -Der geschäftsklimaindex sackt in den erwartungen so stark wie nie weg, gleichwohl behauptet man daß alles in Ordnung sei. Niemals werden wir 3% Wachstum diesjahr bekommen, denn der einbruch von 2008 wird praktisch kopiert. Ist ja auch gar kein Wunder, wer konnte sich denn einbilden, daß dieser betrügerische Schuldenaufschwung hält ! Wir sind jetzt schon im minuswachstum. Es geht steil abwärts, denn die Weltwirtschaft bricht ein. Das sagen alle Indikatoren, während Schäuble und die wirtschaft so tun, als sei überhaupt nichts. Da es nun mit dem abschwung sehr rasch gehen wird, werden sie ihre Meinung aber dann schnell umstellen müssen, wenn der einbruch nicht mehr geleugnet werden kann. Und nächstes jahr gibts noch mehr auf die hucke. Da gibts dann sattes minuswachstum. Aber kein "Konjunkturpaket".
sverris 29.08.2011
3. wer
Zitat von sysopAmerika versinkt im Schuldenstrudel, der Euro-Zone droht der*Kollaps*und die Börsenkurse brechen ein: Das Wirtschaftsklima verschlechtert sich*- das drückt die Stimmung von Experten. Immer mehr Ökonomen warnen*vor einer Abkühlung der Konjunktur.* http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,783211,00.html
"Experten kappen ihre Wachstumsprognosen": wie jedesmal..., wer glaubt denn noch an "Experten"? ansonsten: einfach nicht über solche meldungen nachdenken, das hilft - auch der konjunktur....
Crom 29.08.2011
4. ...
Zitat von sverris"Experten kappen ihre Wachstumsprognosen": wie jedesmal..., wer glaubt denn noch an "Experten"? ansonsten: einfach nicht über solche meldungen nachdenken, das hilft - auch der konjunktur....
An den Wetterbericht wird doch auch geglaubt obwohl der maximal drei Tage eine sichere Prognose liefert.
muhviehstar 29.08.2011
5. Bei der nächsten "Experten"warnung oder -meldung
hätte ich gern Namen und Adressen. Allerorten, im Spiegel besonders werden seit etlichen Monden Experten zitiert. Nur wer die sind erfährt man nie. Aber, und dies ist noch wichtiger. Was soll das? Eine Nachricht hat seit altersher den Sinn, beim Empfänger einen Handlungsimpuls auszulösen. Allerdings frage ich mich, worin der bei dieser Art Meldungen liegen soll. Da kommt irgendein Heini des Weges, sondert Sprechblasen ab und weiter? Was dann? Soll ich mir einen Bunker bauen? Soll ich Ackerland kaufen? Soll ich so tun als ob nix wäre? Wozu diese Meldung(en) Was wäre eigentlich, wenn man all dieses Geseiere ignorierte?
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