Einbruch beim Absatz Hohe Gaspreise verteuern Düngemittel für Landwirtschaft massiv

Die hohen Gaspreise sorgen für kräftige Preissteigerungen beim Dünger und bremsen den Absatz in Deutschland spürbar. Sollte die Landwirtschaft deshalb auf Stickstoffdünger verzichten müssen, drohen Ernteeinbrüche.
Trecker mit Gülleanhänger: Alternative zu teurem und knappem Kunstdünger

Trecker mit Gülleanhänger: Alternative zu teurem und knappem Kunstdünger

Foto: Martin Wagner / IMAGO

In der Produktion von Düngemitteln wird Erdgas als Rohstoff oder Energiequelle benötigt. Mit den Gaspreisen sind damit auch die Düngerpreise stark gestiegen. Das hat Folgen: Die Menge der in Deutschland in den Verkehr gebrachten Düngemittel sank von April bis Juni zum Vorquartal kräftig, wie das Statistische Bundesamt mitteilte .

In den Absatzzahlen sind sowohl in Deutschland produzierte als auch importierte Düngemittel enthalten. So halbierte sich der Inlandsabsatz von Phosphat-Dünger zum Vorjahresquartal (-50,6 Prozent) auf 14.000 Tonnen des darin enthaltenen Nährstoffs Phosphat. Auch der Absatz von Kali-Dünger fiel um gut die Hälfte (-52,3 Prozent) auf 55.900 Tonnen Kaliumoxid. Bei Stickstoff-Dünger gab es einen Rückgang von 18,5 Prozent. Nur der Absatz von Kalk-Dünger (592.600 Tonnen Calciumoxid) blieb mit -0,1 Prozent fast unverändert.

Comeback der Gülle auf den Äckern

Wegen der hohen Kosten werden auch traditionelle Alternativen zu Kunstdünger beliebter. Der Bauernverband hatte eine steigende Nachfrage an den Güllebörsen gemeldet und von Transporten über weite Strecken berichtet.

Wie stark die Teuerung ausfallen kann, zeigt ein Blick auf die Erzeugerpreise für Düngemittel und Stickstoffverbindungen. Sie haben sich laut Statistischem Bundesamt im August zum Vorjahresmonat mehr als verdoppelt (+108,8 Prozent). Bereits im März 2022, dem ersten Monat nach Beginn des Krieges in der Ukraine, lagen sie um 87,2 Prozent höher als im März 2021.

Auch der Außenhandel mit Dünger auf Phosphat-, Stickstoff- oder Kaliumbasis ging zuletzt zurück: Von Januar bis Juli sanken die Importe nach Deutschland um elf Prozent. Wichtigste Herkunftsländer sind hier die Niederlande, Belgien und Polen.

Die Landwirte und Landwirtinnen leiden trotz Alternativen wie Gülle unter der Entwicklung. Wenn man bei den Düngemitteln auf Stickstoff verzichte, seien im ersten Jahr Ernteeinbrüche von 30 bis 50 Prozent möglich, warnte Bauernverband-Präsident Joachim Rukwied zuletzt. Er forderte eine nationale Düngemittelreserve, da man nicht wisse, ob es im nächsten Frühjahr genügend Stickstoffdünger gebe.

apr/Reuters
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