Industriespionage bei deutschem Konzern Lanxess-Mitarbeiter soll Betriebsgeheimnisse nach China verraten haben

Mehrere Jahre lang soll ein Mitarbeiter des deutschen Chemiekonzerns Lanxess E-Mails über ein neues Produkt an einen Kontakt in China geschickt haben. Dem 48-Jährigen drohen bis zu vier Jahre Gefängnis.

Chemieunternehmen Lanxess in Köln
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Chemieunternehmen Lanxess in Köln


Ein leitender technischer Angestellter des in Köln ansässigen Konzerns Lanxess soll über Jahre Geschäftsgeheimnisse des Chemieunternehmens nach China verraten haben. Dem Mann wird vorgeworfen, Betriebsgeheimnisse über das Herstellungsverfahren eines neuen Produkts per E-Mail verschickt und in der Volksrepublik verwertet zu haben.

Die Staatsanwaltschaft Köln erhob im Juni Anklage gegen den ehemaligen Mitarbeiter. Das teilte die Behörde der Nachrichtenagentur Reuters mit. Hintergrund ist eine Anzeige von Lanxess vom Sommer 2016. Das Landgericht Köln muss nun entscheiden, ob ein Hauptverfahren eröffnet wird.

Lanxess bestätigte Reuters, dass eine Gruppe von Personen chinesischer Herkunft vertrauliche Informationen über ein "innovatives, noch nicht umsatzstarkes Produkt" entwendet und versucht habe, diese kommerziell zu verwerten. Der Haupttäter sei ein ehemaliger Mitarbeiter gewesen, der seinen Zugang zu Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen missbraucht habe.

Mitarbeiter drohen bis zu vier Jahre Haft

Dem Verdächtigen, ein 48-jähriger Deutscher chinesischer Herkunft, drohen bis zu vier Jahre Gefängnis.

Neben dem ehemaligen Lanxess-Mitarbeiter, dem das Unternehmen fristlos gekündigt hat, gibt es eine zweite Schlüsselfigur, der die deutsche Staatsbürgerschaft hat und ebenfalls chinesischer Herkunft ist. Der 40-Jährige hat laut Anklage die Betriebsgeheimnisse entgegengenommen und war an der Verwertung in China beteiligt. Auch ihm droht eine Freiheitsstrafe von bis zu vier Jahren.

Das Landesarbeitsgericht Düsseldorf verurteilte den ehemaligen Lanxess-Mitarbeiter bereits zu einer Schadensersatzzahlung von rund 166.677 Euro. Er muss zudem gegebenenfalls weiteren Schaden ersetzen. Die Vorwürfe hatte er vor Gericht zurückgewiesen. Bei den von ihm weitergegebenen Informationen habe es sich nicht um Betriebsgeheimnisse gehandelt.

E-Mails an "Herrn U"

Aus einer Mitteilung des Landesarbeitsgerichts geht hervor, dass der Mann, zwischen September 2011 und März 2013 auf Chinesisch verfasste E-Mails an einen "Herrn U in China" verschickte. Diese enthielten neben dem Herstellungsprozess des Lanxess-Produkts auch eine Anlageninventar- und Materialstückliste zur Herstellung.

"Herr U" wiederum soll im Mai 2013 einen Projektvorschlag für eine Produktionsanlage übersandt haben - woraufhin der damalige Lanxess-Mitarbeiter Anfang 2016 zusammen mit einem anderen Mann eine Gesellschaft zum Vertrieb des Produkts gegründet und im Internet für diese geworben habe.

Außerdem sei er Gesellschafter einer GmbH gewesen, die sich mit Import und Export befasste und unter anderem mit dem kopierten Produkt aus China handelte.

Den Unterlagen zufolge wirft Lanxess ihm zudem vor, dass "Herr U" in China eine Produktionsanlage errichte, die jährlich 400 Tonnen des kopierten Produkts herstellen solle. Ob der Bau abgeschlossen wurde oder die Anlage in Betrieb ist, ist nicht bekannt.

Insgesamt drei Verdächtige

Zusätzlich zu den Beweisen, die Lanxess vorgelegt hatte, durchsuchte die Polizei auch Privaträume. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Köln gibt es neben den zwei Angeschuldigten noch einen dritten Verdächtigen, ebenfalls chinesischer Herkunft. Dieser sei aber nicht greifbar.

Zu den Vorwürfen von Lanxess und der Anklage der Staatsanwaltschaft gab die Kanzlei Birkenstock, die die beiden Angeschuldigten vertritt, keine Stellungnahme ab. Rechtsanwalt Martin Bücher wies aber darauf hin, dass es sich um einen hochkomplexen Sachverhalt handele und die Anklage der Staatsanwaltschaft auf "Behauptungen von Lanxess-Mitarbeitern" beruhe. Die Verteidigung zweifele die Objektivität dieser Gutachten an und werde beantragen, dass externe Sachverständige den Sachverhalt bewerten müssen.

cop/Reuters



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