Lasche Kriterien Stresstests sollen Banken erneut schonen

Diesmal soll alles anders werden. Nachdem der erste Stresstest für europäische Banken die Märkte nicht überzeugen konnte, bastelt die Bankenaufsicht an der Neuauflage. Doch eine entscheidende Kritik wird  offenbar auch dieses Mal nicht berücksichtigt.
Skyline von Frankfurt: Tricks beim ersten Stresstest

Skyline von Frankfurt: Tricks beim ersten Stresstest

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dapd

Düsseldorf - Am Freitag wird es spannend für Europas Bankchefs: Die Europäische Bankenaufsicht (EBA) hat zu einer Telefonkonferenz geladen, bei der es um die Neuauflage der sogenannten Stresstests gehen soll. Als im Sommer 2010 erstmals 91 europäische Banken auf ihre Anfälligkeit für Krisen geprüft wurden, enttäuschte das Ergebnis die Märkte. Die Tests galten als nicht streng genug, zudem hübschten Institute offenbar mit Tricks ihre Ergebnisse auf. Diesmal soll alles besser werden.

Doch offenbar wird eine entscheidende Kritik an den ersten Stresstests auch diesmal ignoriert: Das Bankbuch, in dem die Kreditinstitute den Großteil ihrer Anlagen bis zur Endfälligkeit halten, werde wieder nicht mit den verschärften Kriterien geprüft, berichtet das "Handelsblatt".

Im Bankbuch liegt jedoch die Mehrzahl von Staatsanleihen, die im Zuge der Finanzkrise in vielen europäischen Ländern unter Druck geraten sind. Erst am Montag hatte die Ratingagentur Moody's erneut ihre Bewertung für griechische Staatsanleihen gesenkt. Seit längerem wird über mögliche Bewertungsabschläge auf die Anleihen von Krisenländern, sogenannte Haircuts, spekuliert. "Mit der Ausklammerung des Bankbuchs wird das kaum einvernehmlich zu lösende Problem umschifft, ob ein Abschlag 20, 50 oder gar 100 Prozent betragen soll", zitierte die "Financial Times Deutschland" einen Wirtschaftsprüfer.

Mit den neuen Tests will die EBA laut "Handelsblatt" zwei volkswirtschaftliche Szenarien durchspielen. Das erste orientiert sich an den Prognosen der EU-Kommission und geht 2011 von einem durchschnittlichen Wachstum von 1,5 Prozent in der Euro-Zone aus.

Im Krisenszenario wird hingegen ein Rückgang der Wirtschaftsleistung in der Euro-Zone um 0,5 Prozent simuliert, dazu ein Minus des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2012 um 0,2 Prozent, ein Einbruch am Immobilienmarkt und Kursverluste von 15 Prozent an den Börsen. Auch Haircuts auf Staatsanleihen wollten die Aufseher in diesem Fall einberechnen - nur eben nicht für alle Papiere der Banken.

dab/dapd/dpa-AFX
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