Deutschland, Schweiz und Österreich Laufschuhkette Runners Point will alle Filialen schließen

Der US-Konzern Foot Locker will sich mit der Tochtergesellschaft Runners Point komplett aus dem deutschsprachigen Raum zurückziehen. Mehr als 80 Filialen und wohl mehrere Hundert Mitarbeiter sind betroffen.
Runners Point Filiale in Hamburg: Schließung aller 73 Geschäfte in Deutschland geplant

Runners Point Filiale in Hamburg: Schließung aller 73 Geschäfte in Deutschland geplant

Foto: Axel Heimken/dpa

Der Handelskonzern Foot Locker schließt seine Laufschuhkette Runners Point und nimmt die Marke vom Markt. "Alle Filialen werden geschlossen", sagte ein Sprecher der US-Firma am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. Dies gelte auch für die Filialen in Österreich und der Schweiz.

Wie dpa berichtet, gab es Anfang Februar in Deutschland, Österreich und der Schweiz laut Geschäftsbericht insgesamt 81 Filialen. Im Internet listet Runners Point demnach aktuell 73 Filialen in Deutschland auf, vor allem in den alten Bundesländern und in Berlin. Die Zentrale des Filialisten hat ihren Sitz in Recklinghausen mit 170 Beschäftigten.

Rechtsanwalt Jürgen Graser, der in Recklinghausen zwei Runners-Point-Betriebsräte vertritt, schätzt die Zahl der in den Filialen betroffenen Mitarbeiter laut dpa auf rund 700. "Wir rechnen damit, was die Stores betrifft, dass die Tätigkeit so bald wie möglich eingestellt wird", sagte Graser. Zuvor hatten der WDR und die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" berichtet.

Foot Locker- und Sidestep-Filialen nicht von Schließungen betroffen

Foot Locker nannte keine genauen Gründe für die Pläne, sprach aber von einer vorangegangenen "Bewertung unserer Geschäftstätigkeit und der Wettbewerbslandschaft in Deutschland über den Zeitraum der vergangenen zwölf Monate". Die Marken Foot Locker und Sidestep sind demnach nicht von den Schließungen betroffen.

Die Mitarbeiter seien am Freitag informiert worden, teilte das Unternehmen mit. "Jetzt geht es in den Dialog mit den Sozialpartnern über einen Interessenausgleich." Bis es eine Einigung gebe, sollten zunächst alle Filialen geöffnet bleiben.

Laut Graser sollen die Filialen der Foot-Locker-Tochter Sidestep künftig von der Foot-Locker-Europa-Zentrale in den Niederlanden aus geleitet werden. In Sidestep-Läden werden Bekleidung und Schuhe verkauft. Laut Foot-Locker-Geschäftsbericht gibt es 77 Sidestep-Läden in Deutschland, Österreich, den Niederlanden und der Schweiz.

Recklinghausens Bürgermeister Christoph Tesche (CDU) sprach von einem "Schlag ins Kontor". Es tue ihm vor allem leid für die Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz verlören. "Dahinter stehen die Schicksale von Familien. Solche Nachrichten sind immer bitter, kommen in der Coronakrise aber erst recht zur Unzeit", sagte Tesche.

Foot Locker hatte Runners Point 2013 zu 100 Prozent übernommen. Für die damals mehr als 200 Filialen in Deutschland, Österreich, den Niederlanden und der Schweiz hatte der US-Einzelhändler damals nach eigenen Angaben 72 Millionen Euro bezahlt.

fek/dpa
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