Lebensmittel Deutschen ist Herkunft wichtiger als Tierschutz

Wenn es ums Essen geht, gelten die Deutschen eher als Billigheimer. Das Image ist ein wenig ungerecht, denn den meisten Bundesbürgern ist die Herkunft der Lebensmittel wichtiger als der Preis. Bliebe noch die Frage nach dem Wohl der Tiere.

Ökohof in Brandenburg: Deutsche achten auf Risiken
Maurizio Gambarini/DPA

Ökohof in Brandenburg: Deutsche achten auf Risiken


Die Herkunft von Lebensmitteln ist den Deutschen beim Einkaufen einer EU-weiten Umfrage zufolge wichtiger als der Preis. Für gut 60 Prozent der Bundesbürger ist der Ursprung das entscheidende Auswahlkriterium im Supermarkt, der Preis für knapp 40 Prozent. Das geht aus einer Umfrage im Auftrag der EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit hervor, die am Freitag veröffentlicht wurde. EU-weit liegen die Werte für Herkunft und Preis jeweils bei gut 50 Prozent.

Vergleichsweise weniger wichtig sind den Deutschen ethische Bedenken - etwa mit Blick auf die Tierhaltung oder den Umweltschutz. Hier gab nur etwas mehr als ein Drittel (35 Prozent) an, dass dies beim Kauf eine Rolle spiele. Mehrfachnennungen waren bei der Umfrage möglich.

Die Erhebung zeigt auch, dass sich jeder zweite Deutsche für mögliche Risiken beim Verzehr von Lebensmitteln interessiert. Die Frage, ob Fleisch Hormone, Antibiotika oder Steroide enthält, bereitet demnach fast zwei Dritteln der Deutschen Sorgen. Für mehr als 40 Prozent gilt dies bei der Frage nach Rückständen von Pestiziden in Lebensmitteln sowie nach Schadstoffen in Fisch-, Fleisch- oder Milchprodukten.

Eine breite Mehrheit der Deutschen informiert sich laut Umfrage im Fernsehen über mögliche Lebensmittelrisiken (65 Prozent). Etwa die Hälfte greift auf das Internet zurück. Informationen über die Risiken haben der Studie zufolge einen hohen Einfluss auf das Konsumverhalten. Drei von vier Deutschen geben an, dadurch ihre Gewohnheiten geändert zu haben.

mik/dpa-AFX



insgesamt 71 Beiträge
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Thomasvon Bröckel 07.06.2019
1. Lippenbekenntnisse
Umfragen zeigen regelmäßig das Ergebnis, dass den Menschen Tierwohl wichtig ist. Nur klaffen hier Reden und Handeln meilenweit auseinander! Im Supermarkt muss es dann doch möglichst billig sein. Wie Preise für ein Kilo Hackfleisch für 1 Euro oder jüngst Hähnchenschenkel für 15 Cent zustande kommen, wird nicht hinterfragt...
matteo51 07.06.2019
2. seltsam bis unverständlich...
Dass Toxine, bzw. gesundheitsgefährdende, bzw. ungesunde Rückstände in Fleisch enthalten sind IST doch das Ergebnis unangemessener und qualhafter (Massen)Tierhaltung. Ist der Mensch schon so verkommen, dass es selbst bei einem so offenliegenden Sachverhalt nicht reicht, um diesen Zusammenhang zu erkennen? Oder noch schlimmer: zu erkennen, aber als unwichtig einzustufen? Wenn man isst, was man vorher maltraitiert, maltraitiert man sich letztlich selbst. Oder sehe ich da etwas nicht, bzw. falsch? Für mich ist unverständlich, dass über gesunde Ernährung bis zur Panikattacke diskutiert und gefordert wird, dem ursächlichen Elend aber nicht in's Gesicht geschaut wird.
so what? 07.06.2019
3. Die Marktzahlen
beweisen das Gegenteil: (nur) der Preis zählt.
GMA 07.06.2019
4. neue Burger
Ich bin seit 27 Jahren nicht missionierender aber komplett überzeugter Vegetarier aus Tierschutzgründen und hatte immer gehofft, daß es irgendwann mal leckere fleischähnliche Alternativen gibt. (gerne auch nicht Bio, sondern durchaus auch aus Labor) Nun ja, wenn ich mir Preise und Konsistenz & Geschmack der Würstchen, Steaks etc anschaue ist in den letzten 25 Jahren fast nichts passiert. Nun mit dem neuen Veggiburger von MCD und BeyondMeat kommt ENDLICH mal Bewegung in die Sache und selbst eingefleischte Fleischesser finden kaum noch Argumente dagegen. Antibiotikaresistenzen, CO2 etc. sind alles Gründe neben den moralischen gegen Tierhaltung. Ich hoffe sehr, daß endlich etwas Bewegung in die Sache kommt. Die wenigsten könnten selbst schlachten, aber alle essen fleissig Fleisch, obwohl es immer schwerer fallen wird z.B. bei Richtung Hack den Unterschied überhaupt festzustellen, bzw. dieses negativ zu werten.
mborevi 07.06.2019
5. Die Herkunft ...
... ist mit Vorsicht zu genießen, denn natürlich kann der Bauer von nebenan genauso zu den Giftmischern gehören wie einer weiter entfernt. Daher nur BIO. Auch im Ausland sind die Lebensmittelgesetze meist strenger als in Deutschland. Z.B. in Italien. Dort gibt es auch mehr BIO Betriebe. Auch sind die Verbraucher in anderen Ländern meist anspruchsvoller als hierzulande, woran sich die Bauern natürlich orientieren müssen. Stichwort: Was wir hier nicht verkaufen können schicken wir nach Deutschland. Also nochmals: Vorsicht mit den "regionalen" Produkten. Kontrolle ist allemal besser als ungeprüftes Vertrauen.
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