Lebensmittel-Gipfel im Kanzleramt Rewe-Chef verteidigt niedrige Preise

Vor einem Spitzengespräch mit der Kanzlerin rechtfertigt Rewe-Chef Souque niedrige Lebensmittelpreise des Handels. Diese nützten "rund 13 Millionen Menschen in Armut oder an der Armutsgrenze".
Rewe-Chef Lionel Souque: "Da gibt es in Deutschland sicherlich Nachholbedarf"

Rewe-Chef Lionel Souque: "Da gibt es in Deutschland sicherlich Nachholbedarf"

Foto: Oliver Berg/ dpa

Angesichts von Billigangeboten für Lebensmittel hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für Montag Vertreter von Handel und Ernährungsindustrie eingeladen. Vor dem Spitzengespräch verteidigte Rewe-Chef Lionel Souque die Preisgestaltung des Handels.

"In Deutschland leben rund 13 Millionen Menschen in Armut oder an der Armutsgrenze", so Souque. "Günstige Lebensmittelpreise ermöglichen diesen Menschen eine gesunde und sichere Ernährung. Das wollen und werden wir als Lebensmittelhändler auch in Zukunft sicherstellen."

Thema des Gesprächs mit Merkel sind "Fragen der fairen Ausgestaltung der Wertschöpfungskette für landwirtschaftliche Erzeugnisse". Konkret dürfte es nicht zuletzt um die häufigen Sonderangebote bei Fleisch und den Preisdruck bei Milchprodukten gehen. Bauern klagen seit Langem über Billigpreise. Auch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hatte kürzlich einige Preise als "unanständig" kritisiert. Neben Klöckner soll auch Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) teilnehmen.

Der Handel fühlt sich zu Unrecht kritisiert. Souque betonte, es sei gut und richtig, über mehr Wertschätzung von Lebensmitteln zu reden. "Da gibt es in Deutschland sicherlich Nachholbedarf." Doch dürfe man darüber nicht vergessen, dass es in erster Linie die Verbraucher seien, die von den günstigen Lebensmittelpreisen profitierten.

"Qualität eines Produktes kaum zu erkennen"

Die Verbraucherzentralen forderten faire Verhandlungsbedingungen für die Erzeuger. Der Chef des Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller, sagte: "Ein Preisdruck des Handels zulasten von Tierschutz- und Umweltstandards ist nicht im Interesse der Verbraucher." Viele Kunden wünschten sich hohe Standards etwa beim Tierwohl und wären bereit, dafür mehr zu zahlen. "Aktuell können sie die Qualität eines Produktes aber kaum erkennen, schon gar nicht am Preis."

Das Treffen im Kanzleramt mit Verbänden und Supermarktketten war nach einem "Agrargipfel" bei Merkel mit Vertretern der Landwirtschaft im Dezember angekündigt worden. Hintergrund sind auch anhaltende Proteste von Bauern, die sich gegen neue Umweltauflagen, aber auch gegen umstrittene Billigangebote für Fleisch und andere Lebensmittel richten.

Bauernpräsident Joachim Rukwied sagte kürzlich der "Neuen Osnabrücker Zeitung", Lebensmittel dürften nicht zu Schnäppchenpreisen verramscht werden. "Auch der Handel muss seinen Teil dazu beitragen, dem Verbraucher zu verdeutlichen, dass höhere Standards im Stall oder auf dem Feld einen höheren Preis erfordern."

In diesem Punkt besteht Einigkeit mit der Umweltorganisation WWF. Deren geschäftsführender Vorstand Eberhard Brandes rief den Handel in der "Rheinischen Post" dazu auf, "auf Qualität zu setzen, eine ressourcenschonende Produktion finanziell zu honorieren und die Zeit der aggressiven Dumpingangebote zu beenden".

dab/dpa
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