Ahold-Konzern Niederländischer Einzelhandelsriese drängt auf deutschen Markt

Jeder Kunde soll binnen zwei Minuten seine Einkäufe erledigen, so lautet die Devise des niederländischen Einzelhandelskonzerns Ahold. Jetzt will sich das Unternehmen in Deutschland etablieren, Zielgruppe sind junge Berufstätige mit wenig Zeit.

Albert-Heijn-Laden (in den Niederlanden): 150 Shops in Europa bis 2016
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Albert-Heijn-Laden (in den Niederlanden): 150 Shops in Europa bis 2016


Mettmann - In einer ehemaligen Schlecker-Filiale in Aachen will Ahold seine Expansion nach Deutschland beginnen. Die erste deutsche Filiale seiner Minimarktkette "Albert Heijn to go" eröffnet der niederländische Handelskonzern in gut zwei Wochen. Dort soll es Salate, Säfte und Sandwiches geben, aber auch Kaffee und Kuchen gehören zum Sortiment: klassische Convenience-Produkte.

Vor allem soll es aber schnell gehen. Immer mehr Deutsche lassen sich das Frühstücksbrötchen beim Bäcker schmieren oder holen sich ihr Mittagessen an einem Imbiss um die Ecke. Diesen Trend will Ahold für sich nutzen. "Geschwindigkeit bieten wir an", sagt der Ahold-Deutschland-Chef Jürgen Hotz. Das Ziel ist, dass der Kunde binnen 2 Minuten seinen Einkauf erledigen kann.

"Wer es schafft, Natürliches und Schnelligkeit zu verbinden, der hat ein riesiges Potential", sagt GfK-Marktforscher Robert Kecskes: "Kleinportionierte Frischeprodukte wie Obstschalen und Salate sind sehr stark im Kommen." Schon jetzt setzen viele Supermärkte auf Extra-Kühlregale für diese Produkte. Laut Kecskes habe die jüngste Generation im Berufsleben wenig Zeit, zugleich aber auch hohe Ansprüche an Qualität und Frische.

Auch Rewe setzt auf lukrative Nische

Hotz glaubt: "Der Markt in Deutschland ist für uns reif." Nach seiner Schätzung werde der Convience-Markt in der Bundesrepublik in den kommenden Jahren von 23 Milliarden Euro auf etwas 30 Milliarden Euro Umsatz wachsen. In den Niederlanden gibt es "Albert Heijn to go" bereits seit rund zehn Jahren und mittlerweile 54 Shops. In Nordrhein-Westfalen sollen in den kommenden zwölf Monaten etwa zehn Filialen der Kette entstehen. Auch europaweit expandiert Ahold, bis Ende 2016 wollen die Niederländer 150 neue Shops eröffnen. Selbstbewusst sagt Ahold-Manager Albert Voogd: "Deutschland, wir kommen."

Und dass, obwohl der deutsche Lebensmitteleinzelhandel als einer der härtesten der Welt gilt. Selbst der mit Abstand größte Handelskonzern der Welt, das US-Unternehmen Wal-Mart, scheiterte, als er um die Jahrtausendwende versuchte, Aldi, Edeka und Rewe Konkurrenz zu machen. Nicht besser erging es der französischen Supermarktkette Intermarché und dem belgischen Einzelhändler Delhaize.

Mit seinem Konzept unterscheidet sich Ahold jedoch deutlich von der Konkurrenz. "Sie unterlaufen den deutschen Lebensmittelhandel mit einer lukrativen Nische", sagt Matthias Queck vom Handelsinformationsdienstes "Planet Retail". Er glaubt, dass Ahold in Deutschland erfolgreich sein kann. Vor allem, weil sich Ahold mit dem schmalen und auf Frische fokussierten Sortiment nicht einem Preiskampf mit den hiesigen Lebensmittelhändlern aussetze, so der Discounterexperte.

Auch Rewe, der zweitgrößte Handelskonzern in der Bundesrepublik, reagiert auf den Trend zu Convenience-Produkten. In Köln und Düsseldorf gibt es bereits zwei Läden des Konzepts "Rewe to go". Dort ist alles auf ein Convenience-Angebot ausgerichtet. Seine Supermärkte und City-Märkte habe Rewe in den vergangenen beiden Jahre bereits gezielt auf die neuen Anforderungen ausgerichtet, sagte ein Unternehmenssprecher. Auch bei der Modernisierung der Filialen der Discounttochter Penny habe der Konzern zusätzliche Convenience-Angebote ins Sortiment aufgenommen.

max/dpa/dapd



insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
pannenbaker 27.08.2012
1. Hüstel...
Wenn ich mir das Preisniveau der Convenience-Produkte so anschaue, verkommt das gute alte "3 Brötchen und 'ne Packung Käse" an der Tanke fast schon zur Resterampe...
DrStrom66 27.08.2012
2. Albert Hein
Zitat von sysopDPAJeder Kunde soll binnen zwei Minuten seine Einkäufe erledigen, so lautet die Devise des niederländischen Einzelhandelskonzerns Ahold. Jetzt will sich das Unternehmen in Deutschland etablieren, Zielgruppe sind junge Berufstätige mit wenig Zeit. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,852390,00.html
infernum 27.08.2012
3. ja, unbedingt
Ich will möglichst schnell mein Brötchen mit Kaffee runterschlürfen. Es kann mir einfach nicht schnell genug gehen. Wir müssen schliesslich die Welt am laufen oder am brennen halten. Für mich wäre eigentlich am besten eine direkte Infusion, vielleicht mit einem Wägelchen, damit ich auch im Büro herumlaufen kann. Meine Oma hatte auch so was. Ich glaube, ich frage Lance oder Jan. Die haben Erfahrung damit. Was ein Markt. Darum geht es schliesslich.
Nonvaio01 27.08.2012
4. der teuerste Laden
Zitat von sysopDPAJeder Kunde soll binnen zwei Minuten seine Einkäufe erledigen, so lautet die Devise des niederländischen Einzelhandelskonzerns Ahold. Jetzt will sich das Unternehmen in Deutschland etablieren, Zielgruppe sind junge Berufstätige mit wenig Zeit. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,852390,00.html
in Holland, hab da 2 jahre gelebt. AH habe ich gemieden wo es nur geht.
ItchyDE 27.08.2012
5. Ich denke, das kann sogar funktionieren
Solange man sich genau auf diese Nische konzentriert und es schafft, Qualität, Service und Preisniveau gut auszubalancieren, kann das wohl gutgehen. Groß Konkurrenz für die Platzhirschen in Deutschland (was z.B. Wal-Mart probiert hat) wird das aber wohl eher nicht geben und Ahold tut da wahrscheinlich gut daran.
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