Mögliche Kürzungen Zinstief bringt Lebensversicherte in die Zwickmühle

Zeitweiliger Verzicht oder geringere Auszahlung? Mehrere Lebensversicherungen wollen ihren Kunden weniger Gewinn gutschreiben als vorgeschrieben. Das bringt Versicherte laut Verbraucherschützern in eine "völlig vertrackte Situation".

BaFin-Zentrale in Bonn: Mehrere Lebensversicherer beantragten Hilfe
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BaFin-Zentrale in Bonn: Mehrere Lebensversicherer beantragten Hilfe


Hamburg/München - Die mögliche Reduzierung der Finanzreserven von deutschen Lebensversicherern bringt deren Kunden in Schwierigkeiten. Für Versicherte entstehe eine "völlig vertrackte Situation", sagte Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg SPIEGEL ONLINE.

Laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" haben mehrere deutsche Lebensversicherer wegen des niedrigen Zinsniveaus Probleme, ihre vorgeschriebenen Finanzreserven aufzubauen. Mehr als zehn Gesellschaften hätten deshalb eine Ausnahmeregelung bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beantragt.

"Für Kunden bedeutet das im Zweifel, dass sie weniger Geld ausgezahlt bekommen", sagte Castelló. Laufe der Vertrag in ein oder zwei Jahren aus, könnten Verbraucher erwägen, vorzeitig auszusteigen. Das müssten sie gut abwägen, denn in der Regel gehe ein vorzeitiger Ausstieg zu Lasten der Rendite. Im Einzelfall könne das aber besser sein als eine geringere Gewinnbeteiligung. "Es gibt also nur die Wahl zwischen der großen Unbekannten, der Ablaufleistung, und dem jetzigen Rückkaufswert."

Viele Versicherte merken aber laut Castelló zu spät, dass sie im Zweifelsfall auf Tausende Euros verzichten müssten. "Die meisten realisieren das erst bei dem Blick auf die Standmitteilung." Wehren könnten sich die Versicherten kaum. "Es gibt zwar eine Verordnung darüber, wie die Unternehmen die Kunden an den Gewinnen beteiligen müssen. Wird diese Verordnung aber geändert, müssen Verbraucher das akzeptieren." Denn die Gewinnbeteiligung sei nicht Bestandteil der Verträge. "Daher haben Kunden auch keinen Anspruch darauf."

Der Verband der Versicherungswirtschaft erklärte hingegen, für die Kunden von Lebensversicherungen habe ein zeitweiliger Verzicht auf eine Aufstockung der Finanzreserven aus laufenden Erträgen keine negative Folgen.

vks/dab/dpa



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donpom 27.08.2013
1. Irgendwer muss ja die Zeche zahlen
und das tun die Kleinsparer und Steuerzahler in Deutschland. Also Leute haut die Kohle auf dem Kopf bevor ihr noch um den Rest betrogen werdet. Apropos Steuern (nach OECD) Deutschland vs Pleiteländer: Die OECD in Zahlen und Fakten 2013 - Google Diagramme-Explorer (http://www.google.com/publicdata/explore?ds=ltjib1m1uf3pf_&ctype=l&strail=false&bcs=d&nselm=h&met_y=taxapw_t1&scale_y=lin&ind_y=false&rdim=country_group&idim=country_group:oecd:non-oecd&idim=country:DEU:GRC:ITA:PRT:IRL:ESP&ifdim=country_group&ind=false)
Stäffelesrutscher 27.08.2013
2.
Es ist von sogenannten Kapitallebensversicherungen die Rede, oder? Dann schreibe man das auch bitte. Das sind keine Versicherungen, sondern Spekulationsprodukte. Mein Beileid für die Gelackmeierten hält sich in Grenzen.
kgglage 27.08.2013
3. immer dieselbe Leier
Was heißt denn hier durch zurzeit niedrige Zinsen? Gerade bei den Lebensver(un)sicherern ist es doch schon seit Jahrzwehneten an der Tagesordnung, großzügig versprochene Überschussbeteiligungen unter dem Mantel der niedrigen Zinsen zu minimieren. Für wie dumm halten diese Rosstäuscher eigentlich ihre Kunden? Denn wer glaubt, dass Versicherer Gelder wie der deutsche Michel treu auf einem Tagesgeld oder sparkonto zu Niedrigzinsen anlegen, der glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten. Diese Leute legen das Geld wie andere Großkapitalisten genau dort an, wo es am meisten Rendite bringt, nämlich in Fonds, Aktien etc. Es wird langsam Zeit, dass hier durch die Bafin endlich einmal klare Grenzen aufgezeigt werden.
muellerthomas 27.08.2013
4.
Zitat von donpomund das tun die Kleinsparer und Steuerzahler in Deutschland. Also Leute haut die Kohle auf dem Kopf bevor ihr noch um den Rest betrogen werdet. Apropos Steuern (nach OECD) Deutschland vs Pleiteländer: Die OECD in Zahlen und Fakten 2013 - Google Diagramme-Explorer (http://www.google.com/publicdata/explore?ds=ltjib1m1uf3pf_&ctype=l&strail=false&bcs=d&nselm=h&met_y=taxapw_t1&scale_y=lin&ind_y=false&rdim=country_group&idim=country_group:oecd:non-oecd&idim=country:DEU:GRC:ITA:PRT:IRL:ESP&ifdim=country_group&ind=false)
Da wüsste ich jedch gerne, was die OECD da für Deutschland gerechnet hat. Denn ein Angestellter mit 40.000 Brutto im Jahr und Steuerklasse III kommt auf 27.000 netto, also ein Drittel Abzüge und nicht 50%. Selbst ein Angestellter direkt an der Beitragsbemessungsgrenze erreicht mehr als 50% netto vom brutto.
marina@spiegel 27.08.2013
5. Spekulationsprodukte ??
Zitat von StäffelesrutscherEs ist von sogenannten Kapitallebensversicherungen die Rede, oder? Dann schreibe man das auch bitte. Das sind keine Versicherungen, sondern Spekulationsprodukte. Mein Beileid für die Gelackmeierten hält sich in Grenzen.
Also die Leute, die vor Jahren oder gar Jahrzehnten Kapitallebensversichungen abgeschlossen habe, sind alles andere als typische Spekulanten. Das sind eher die, die auf Nummer sicher gehen woll(t)en und mit Aktien&Co überhaupt nichts am Hut hatten. Ich erinnere mich noch gut, wie zu der Zeit, als wir eine Hypothek fürs Häusle brauchten. Da wurde oft die Kombination mit einer KLV vorgeschlagen. Anstelle für die Hypothek wurde dann in die KPL eingezahlt und bei Fälligkeit nach 25-30 Jahren die Hypothek abgelöst. Die Leute, die sich darauf eingelassen haben oder die die LVS als Altersversorgung abgeschlossen haben, sind jetzt ganz schön aufgeschmissen.
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