Lebensversicherungen Generali will sich von vier Millionen Verträgen trennen

Der Versicherungskonzern Generali will sein klassisches Lebensversicherungsgeschäft in Deutschland verkaufen. Verbraucherschützer kritisieren den Deal, weil das Vertrauen der Kunden erschüttert werde.
Generali-Büro in Mailand

Generali-Büro in Mailand

Foto: © Alessandro Bianchi / Reuters/ REUTERS

Der Versicherungskonzern Generali will sich von seinen klassischen Lebensversicherungsverträgen in Deutschland weitgehend trennen. Der Abwickler Viridium aus Neu-Isenburg soll rund 90 Prozent an der Generali Leben mit vier Millionen Verträgen übernehmen.

Generali selbst behält die restlichen Anteile und sichert sich außerdem die Option, sich mit bis zu zehn Prozent an Viridium zu beteiligen, wie beide Seiten an diesem Donnerstag mitteilten.

Generali Leben wird bei der Transaktion mit bis zu einer Milliarde Euro bewertet. Am Finanzmarkt kamen die Neuigkeiten gut an. Die Generali-Aktie gewann am Morgen in Mailand mehr als zwei Prozent an Wert.

Die Generali hatte schon länger über einen Verkauf ihrer Leben-Tochter nachgedacht und eine Entscheidung für diesen Sommer in Aussicht gestellt. Bevor der Deal wirksam wird, muss aber die Finanzaufsicht Bafin zustimmen.

Lebensversicherer leiden wie Verbraucher seit Jahren unter den anhaltenden Niedrigzinsen. Die hohen Renditeversprechen für alte Verträge mit einem Garantiezins von bis zu vier Prozent können sie am Markt kaum mehr erwirtschaften.

Verbraucherschützer sehen solche Deals kritisch

Abwickler wie Viridium stehen unterdessen bereit, die Vertragsbestände klassischer Lebensversicherungen zu übernehmen und die Policen der Kunden bis zum Ablauf weiterzuführen. Viridium gehört dem Finanzinvestor Cinven und dem Rückversicherer Hannover Rück.

Verbraucherschützer sehen solche Deals kritisch. "In einer ohnehin für die Kundschaft von Kapitallebens- und Rentenversicherungen intransparenten Lage wird das Vertrauen der Verbraucherinnen und Verbraucher in die Lebensversicherungen weiter erschüttert", sagte BdV-Vorstandssprecher Axel Kleinlein.

Für die Kunden soll sich durch den Verkauf aber nichts ändern. "Die vertraglichen Verpflichtungen gegenüber den Kunden bleiben unverändert", schreibt Generali. Das soll auch die Prüfung durch die Bafin sicherstellen. "Durch einen Unternehmensverkauf darf kein Versicherungsnehmer schlechter gestellt werden", sagte Frank Grund, Chef der Versicherungsaufsicht der Bafin.

Die Düsseldorfer Konkurrentin Ergo, die zum weltgrößten Rückversicherer Munich Re gehört, hatte sich 2017 gegen einen Verkauf ihrer Töchter entschieden - wegen der gebotenen Kaufpreise, aber auch wegen eines drohenden Imageschadens. Auch Europas größter Versicherer Allianz hat einen Verkauf deutscher Lebensversicherungsbestände an einen Abwickler wiederholt ausgeschlossen.

hej/dpa-AFX