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27. Mai 2016, 10:06 Uhr

Lebensversicherungen

Verbraucherzentrale wirft Allianz Irreführung vor

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Verbraucherschützer mahnen die Allianz ab und fordern eine Unterlassungserklärung: Der Konzern soll nicht mehr mit "hohen Wachstumschancen" für eine beliebte Lebensversicherung werben.

Der Ärger kündigte sich am Feiertag an: Am Donnerstag flutschte ein Fax bei der Allianz Deutschland aus dem Gerät, das das Unternehmen in den kommenden Monaten in Atem halten könnte. Die Verbraucherzentrale Hamburg schickte eine Abmahnung wegen unlauteren Wettbewerbs - es geht um die Lebensversicherung IndexSelect. Häufig ist das Instrument der Abmahnung der letzte Schritt vor einer gerichtlichen Auseinandersetzung.

Besonders unangenehm für die Allianz: Bei dem Produkt handelt es sich um einen potenziellen Kassenschlager. Die IndexSelect verspricht Kunden "hohe Wachstumschancen" durch die "Partizipation" am europäischen Aktienindex Euro Stoxx 50, garantiert aber trotzdem zumindest das eingezahlte Kapital. In Zeiten, in denen klassische Lebensversicherungen immer weniger abwerfen, finden das offenbar ziemlich viele Kunden verlockend. Rund 400.000 Mal hat sich die IndexSelect schon verkauft.

Zur Bewerbung des Produkts nutze die Allianz "Formulierungen, die geeignet sind, beim Verbraucher Fehlvorstellungen hervorzurufen", moniert die Verbraucherzentrale. Die Allianz suggeriere, dass der Kunde in voller Höhe mit seinen Beiträgen am Index partizipiere. Deshalb soll die Allianz bis zum 10. Juni eine Erklärung zur Unterlassung bestimmter Aussagen abgeben.

Tatsächlich gehen bei der IndexSelect vom Kapital des Kunden erst einmal eine Reihe von Gebühren ab, danach wird das Geld wie bei einer ganz normalen Lebensversicherung angelegt - größtenteils am Anleihemarkt, um die Garantiezusagen an den Kunden zu erwirtschaften. Nur die keineswegs sicheren Überschüsse, die unter anderem dabei entstehen, fließen in den Index. Genauer gesagt, in komplizierte Optionen, die sich auf den Index beziehen.

Die Allianz soll deshalb, so will es die Verbraucherzentrale, die Begriffe "Indexpartizipation" oder "Indexbeteiligung" nicht mehr benutzen, ohne Hinweis darauf, dass eine Beteiligung nur mit Überschüssen abzüglich der Kosten erfolgt.

Dass die Allianz die Unterlassungserklärung unterschreibt, ist unwahrscheinlich. Das Unternehmen weist den Vorwurf der Intransparenz im Zusammenhang mit der IndexSelect als "in keiner Weise nachvollziehbar" zurück. Die Funktionsweise des Produkts werde ausführlich und anschaulich in jedem Angebot und in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen erläutert. Die IndexSelect sei bereits mehrfach von unabhängigen Marktbeobachtern wie dem Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften positiv bewertet worden, schreibt das Unternehmen.

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