Lebensversicherungen Verbraucherzentrale wirft Allianz Irreführung vor

Verbraucherschützer mahnen die Allianz ab und fordern eine Unterlassungserklärung: Der Konzern soll nicht mehr mit "hohen Wachstumschancen" für eine beliebte Lebensversicherung werben.

Allianz-Deutschlandzentrale (bei München)
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Allianz-Deutschlandzentrale (bei München)


Der Ärger kündigte sich am Feiertag an: Am Donnerstag flutschte ein Fax bei der Allianz Deutschland aus dem Gerät, das das Unternehmen in den kommenden Monaten in Atem halten könnte. Die Verbraucherzentrale Hamburg schickte eine Abmahnung wegen unlauteren Wettbewerbs - es geht um die Lebensversicherung IndexSelect. Häufig ist das Instrument der Abmahnung der letzte Schritt vor einer gerichtlichen Auseinandersetzung.

Besonders unangenehm für die Allianz: Bei dem Produkt handelt es sich um einen potenziellen Kassenschlager. Die IndexSelect verspricht Kunden "hohe Wachstumschancen" durch die "Partizipation" am europäischen Aktienindex Euro Stoxx 50, garantiert aber trotzdem zumindest das eingezahlte Kapital. In Zeiten, in denen klassische Lebensversicherungen immer weniger abwerfen, finden das offenbar ziemlich viele Kunden verlockend. Rund 400.000 Mal hat sich die IndexSelect schon verkauft.

Zur Bewerbung des Produkts nutze die Allianz "Formulierungen, die geeignet sind, beim Verbraucher Fehlvorstellungen hervorzurufen", moniert die Verbraucherzentrale. Die Allianz suggeriere, dass der Kunde in voller Höhe mit seinen Beiträgen am Index partizipiere. Deshalb soll die Allianz bis zum 10. Juni eine Erklärung zur Unterlassung bestimmter Aussagen abgeben.

Tatsächlich gehen bei der IndexSelect vom Kapital des Kunden erst einmal eine Reihe von Gebühren ab, danach wird das Geld wie bei einer ganz normalen Lebensversicherung angelegt - größtenteils am Anleihemarkt, um die Garantiezusagen an den Kunden zu erwirtschaften. Nur die keineswegs sicheren Überschüsse, die unter anderem dabei entstehen, fließen in den Index. Genauer gesagt, in komplizierte Optionen, die sich auf den Index beziehen.

Die Allianz soll deshalb, so will es die Verbraucherzentrale, die Begriffe "Indexpartizipation" oder "Indexbeteiligung" nicht mehr benutzen, ohne Hinweis darauf, dass eine Beteiligung nur mit Überschüssen abzüglich der Kosten erfolgt.

Dass die Allianz die Unterlassungserklärung unterschreibt, ist unwahrscheinlich. Das Unternehmen weist den Vorwurf der Intransparenz im Zusammenhang mit der IndexSelect als "in keiner Weise nachvollziehbar" zurück. Die Funktionsweise des Produkts werde ausführlich und anschaulich in jedem Angebot und in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen erläutert. Die IndexSelect sei bereits mehrfach von unabhängigen Marktbeobachtern wie dem Institut für Finanz- und Aktuarwissenschaften positiv bewertet worden, schreibt das Unternehmen.

insgesamt 16 Beiträge
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oldman2016 27.05.2016
1. Jeden morgen steht ein Dummer auf
Ich bin immer wieder begeistert von der grenzenlosen Dummheit der Deutschen. Das Wesen jeder Versicherung ist das Geld der Beitragszahler zu verteilen: Mindestens ein Drittel zum Wohle der Versicherungsgesellschaft und deren Mitarbeiter sowie Anteilseigner. Höchstens zwei Drittel werden unter den Versicherten für sog. Schadeneintrittsfälle oder bei Lebensversicherungen für Auszahlungen nach Laufzeitende verwendet. Für das eine Drittel der Beiträge, das letztlich an die Versicherungsgesellschaft geht, bekommt ich auch eine Risikolebensversicherung mit höherer Versicherungssumme.
Poco Loco 27.05.2016
2. Wer es jetzt immer noch nicht....
begriffen hat, dass die Finanz- u. Versicherungskonzerne den kleinen Anleger seit Jahrzehnten über den Tisch ziehen, und dieses Geschäftsmodel auch weiterhin durchziehen werden, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen. Erstmal fallen hohe Gebühren und Provisionen an, die dem Einzahler sofort berechnet werden, also nicht in die Anlage wandern. Alleine das macht die Versicherung schon mal unrentabel. Bei der schwachen Verzinsung wird es viele Jahre dauern, bis man das wieder aufgeholt hat nur um wieder auf plus-minus-null zu kommen. Weitere Jahre später heisst es dann, "der Index ist nun leider doch nicht so gut gelaufen, das war nicht absehbar usw." Und wer genauer nachforscht stellt fast immer fest, dass die "unabhängigen Marktbeobachter" doch nicht so "unabhängig" sind wie behauptet wird. Auch die Allianz kann sich Ihre eigenen Marktforscher kaufen. Das ganze Geschäft geht immer um unser Bestes, nähmlich um unser Geld, das dann nur jemand Anderem gehört. Besser das Geld unter das Kopfkissen legen, das kostet nähmlich nichts.
leo19 27.05.2016
3. Würde ohnehin eher Allianz-Aktien kaufen
als eine Spar-Versicherung abschliessen. Meine Empfehlung: Aktien kaufen und extra Risikoversicherung abschliessen!
hman2 27.05.2016
4. Schon in den Achtzigerjahren dichtete Otto
"Denn wer sich 'Arroganz'-versichert, der hat ausgekichert. Der schließt vom allerersten Augenblick ein festes Bündnis - mit dem Strick".
pevoraal 27.05.2016
5. Wie immer
Nepper, Schlepper - Bauernfänger. Lässt man sich mal die Aussage - nur die erwirtschafteten Erträge werden angelegt - das eingezahlte Kapital wird garantiert ist diese sog. Versicherung nichts anderes als sein Geld Zockern zu geben damit diese dann risikolos spielen können.
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