Leck bei britischer Tochter Neuer Datenskandal erschüttert die Telekom

Die Telekom steht vor einem neuen Datenskandal: Nach Angaben eines Konzernsprechers wurden bei der Tochter T-Mobile sensible Informationen über Tausende Kunden an Zwischenhändler verkauft. Die Verbraucher seien anschließend wegen neuer Vertragsabschlüsse kontaktiert worden.

Telekom-Logo: Datenskandale am laufenden Band
ddp

Telekom-Logo: Datenskandale am laufenden Band


London - Die Telekom kommt nicht zur Ruhe: Schon wieder wird das Unternehmen von einem Datenskandal geplagt - dieses Mal bei seiner britischen Tochter T-Mobile. Sensible Informationen über Tausender Kunden seien von Angestellten an Zwischenhändler verkauft worden, teilte ein Sprecher des Unternehmens am Dienstag in London mit. Millionen von Einträge - Namen, Adressen, Telefonnummern und zentrale Vertragsinformationen - seien ohne Wissen von T-Mobile weitergegeben worden.

Es habe sich um Kunden gehandelt, deren Vertrag bald auslief und die die Konkurrenz abwerben wollte. Diese seien anschließend von Vermittlern angerufen worden, um ihnen neue Abschlüsse zu verkaufen.

T-Mobile habe die Telekommunikationsbehörde ICO über den Verstoß gegen das Datenschutzgesetz informiert, "als es offensichtlich wurde, dass Informationen über Vertragsverlängerungen an Dritte weitergegeben wurden", sagte der Sprecher. Die Tochter der Deutschen Telekom bedauere den Diebstahl der Daten "zutiefst".

Nach Angaben der Behörde verkauften die Zwischenhändler die Daten an die Wettbewerber der Telekom-Tochter weiter - und erhielten dafür erhebliche Summen. Gegen die Verdächtigen solle rasch Anklage erhoben werden.

Der neue Telekom-Skandal war durch eine Indiskretion bekannt geworden. ICO und T-Mobile hatten ursprünglich vereinbart, den Datenskandal nicht öffentlich zu machen. ICO-Chef Christopher Graham beschwerte sich jedoch in einer Vorlage an die Regierung, dass das Strafmaß für Datenverstöße zu gering sei. Es beträgt in Großbritannien 5000 Pfund, das sind ungerechnet derzeit gut 5600 Euro.

Mehrere Datenskandale erschüttern die Telekom

Graham nannte in der BBC am Dienstag den Datenskandal in England als Beispiel. Zwar betonte er, keine Namen nennen zu wollen, um das Gerichtsverfahren nicht zu beeinträchtigen. Doch alle Mobilfunkanbieter außer T-Mobile bestritten, der Schuldige zu sein.

T-Mobile ist mit einem Marktanteil von 15 Prozent der viertgrößte Mobilfunkanbieter in Großbritannien. Im ersten Quartal musste der Konzern rund 1,8 Milliarden Euro auf die Tochter abschreiben und tauschte das Management komplett aus. Wegen sinkender Einnahmen und massiver Verluste soll die britische Sparte mit dem französischen Konkurrenten Orange zusammengeführt werden. Kartellbehörden und Aufsichtsräte müssen dem Joint-Venture aber noch zustimmen.

Die Telekom hat seit einigen Jahren mit einer Reihe von Datenskandalen zu kämpfen. So räumte der Konzern beispielsweise vor einem Jahr ein, dass persönliche Daten von Millionen T-Mobile-Kunden in fremde Hände gelangt sind. Und 2007 stahl die Zeitarbeitskraft eines Call-Centers in Bremerhaven Zugangskennungen, um sie für ihr eigenes Unternehmen zu nutzen, und im Juni erhielt ein Vertriebspartner ein Kaufangebot für 70.000 Datensätze der Festnetzsparte.

ssu/dpa/Reuters



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Galaxia, 08.05.2009
1.
Zitat von sysopAdresshandel nur noch mit Zustimmung der Betroffenen - eine Novelle des Datenschutzgesetzes soll Verbraucher vor nerviger Werbepost schützen. Eine gute Initiative oder eher schädlich für die Konjunktur?
Ueberfaellig.
Rainer Helmbrecht 08.05.2009
2.
Zitat von sysopAdresshandel nur noch mit Zustimmung der Betroffenen - eine Novelle des Datenschutzgesetzes soll Verbraucher vor nerviger Werbepost schützen. Eine gute Initiative oder eher schädlich für die Konjunktur?
Die Schwierigkeit liegt in zwei Feldern. Erstens in der Freizügigkeit der Betroffenen, die selber nicht wissen, dass sie Teil des Geschäfts sind. Zweitens wird man sich dieser Zustimmung nur schwer entziehen können, weil die kaum zu verifizieren ist, seit wann die existiert und dann noch die verklausulierten Verträge, bei denen die Zustimmung heraus "gelesen" werden. Außerdem können Zustimmungen auch abgefordert werden. Nach dem Motto, wenn Sie die Zustimmung verweigern, werden Leistungsbeschränkungen ausgesprochen. Wie weit gilt denn eine Zustimmung? Bei der Verflechtung der Firmen und dem Zusammenlegen von Geschäftsbereichen, ist der Urheber kaum noch auszumachen. Das ist Augenwischerei und Schaumschlägerei, weiter nichts. MfG. Rainer
mystyhax 08.05.2009
3.
Ich habe vor wenigen Wochen eine Sendung im ZDF zum Thema Datenschutz gesehen. In diesem Zusammenhang wurden die Gesetztesnovelle vorgestellt und illustriert wie die Interessensverbände versuchen diese auszuhölen bzw. ganz zu stoppen. Das ganze nennt sich "palamentarisches Frühstück"!!! Hierzu werden vornehmlich die Fraktionen der Bundesregierung eingeladen um generell Einfluss auf politische Entscheidungen zu nehmen. Ich konnte kaum Glauben wie das abläuft und als ich den Spon Artikel zum Thema las kam mir die Galle hoch. Es war nämlich gerade Herr Bosbach der offensichtlich aus der Lokalität des parlamentarischen Frühstücks der Werbe- und Marketing Industrie kam. Für ein Interview stand er nicht zur Verfügung und schob eine Kollegin vor (ebenfalls CDU - Fraktion). Wer nun eins und eins zusammenzählt wird nun wissen warum das Gesetz nun verwässert, verzögert oder gar komplett eleminiert wird. Der einzige der kein Lobbybüro in Berlin hat ist wahrscheinlich der Bürger insbesondere der Steuerzahler. So viel zum Thema "Volksvertreter". Ich bin grundsäztlich der Meinung man sollte diesen Begriff abschaffen!
Adran, 08.05.2009
4.
Adressenhandel abschaffen!!!! Callcenter und Werbeflut kann einem auf den Sack gehn..um das mal noch sehr sehr höfflich auszudrücken..
Marc Schaut 08.05.2009
5. Es geht besser
Parlamentarische demokratie hat so ihre Tücken. Da haben wir es mal wieder. Lobbyisten untergraben den Verbraucherschutz. Das ist eines von vielen Beispielen. Gentechnik im Essen ist auch so ein Thema. Da können 70% der Bevölkerung dagegen sein, die Lobbyverbände setzen ihre Interessen durch. Deshalb direkte Demokratie. Damit die Bevölkerung nicht zum Spielball von Einzelinteressen wird. Schöner Gruß Marc Schaut www.kanzler.zdf.de Youtube: Ich kann Kanzler
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