Legehennen Deutschland finanziert Käfighaltung in der Ukraine

Geflügelhalter in Niedersachsen kritisieren zwei Exportbürgschaften der Bundesregierung. Damit werde der Bau riesiger Legehennen-Betriebe in der Ukraine finanziert. Den Tieren drohten Bedingungen, die in Deutschland längst verboten sind.

Kleingruppenhaltung (in Breckerfeld): 800 Quadratzentimeter pro Huhn
dapd

Kleingruppenhaltung (in Breckerfeld): 800 Quadratzentimeter pro Huhn


Osnabrück - Legehennen-Betriebe in Deutschland haben immer wieder für Schlagzeilen gesorgt, zuletzt durch den Fund von mit Dioxin belasteten Eier. Nun aber richten niedersächsische Geflügelhalter den Zeigefinger in Richtung Ukraine. Dort hilft die Bundesregierung laut einem Bericht der "Neuen Osnabrücker Zeitung" ("NOZ") bei der Finanzierung zweier Legehennen-Fabriken des ukrainischen Unternehmens Avangardco für drei und fünf Millionen Tiere. Das Bundeswirtschaftsministerium bestätigte, dass für entsprechende Geschäfte Exportkreditgarantien übernommen worden seien.

"Das ist schon ein Widerspruch in der Politik der Bundesregierung", zitiert die Zeitung den Vorsitzenden der niedersächsischen Geflügelwirtschaft, Wilhelm Hoffrogge. Er gehe davon aus, "dass die zwei Legehennenfabriken in der Ukraine ganz normale Käfige oder maximal sogenannte ausgestaltete Käfige verwenden". Beide Haltungsformen sind in Deutschland verboten, hier ist die sogenannte Kleingruppenhaltung verpflichtend.

Der Agrarexperte der Grünen, Friedrich Ostendorff, warf der Regierung "verlogene Politik" vor. Es sei "ein Skandal, dass die Bundesregierung mit Hermesbürgschaften den Bau riesiger Tierfabriken in der Ukraine fördert, die wir bei uns niemals dulden würden", sagt Ostendorff der "NOZ". "Ich möchte den Politiker von CDU/CSU und FDP sehen, der eine solche Tierfabrik in seinem Wahlkreis unterstützen würde."

Das Wirtschaftsministerium verteidigte die Finanzierung der Fabriken damit, dass die geplanten Fabriken nicht für den europäischen Markt produzierten. "Nach den uns vorliegenden Informationen hat der ukrainische Besteller keine Eier in die EU exportiert", erklärte ein Sprecher gegenüber SPIEGEL ONLINE. "Im Übrigen spielen Einfuhren von Eiern aus Nicht-EU-Ländern auf dem deutschen Markt praktisch keine Rolle." Zudem müssten für die Gewährung der Exportkredite unter anderem Umweltleitinien der Industrieländerorganisation OECD erfüllt werden. "Damit sind hohe internationale Standards gewährleistet."

Weniger Platz als auf einem Blatt Papier

In einer Legebatterie hat jede Henne durchschnittlich 550 Quadratzentimeter Platz, das ist weniger als die Fläche eines DIN-A-4-Blattes. In der Kleingruppenhaltung teilen sich 20 bis 60 Hühner einen Käfig, jedes Tier soll hier zumindest 800 Quadratzentimeter Fläche haben.

Laut einem EU-Beschluss mussten Legebatterien Anfang des Jahres abgeschafft werden. Die EU-Kommission eröffnete jedoch Vertragsverletzungsverfahren gegen zahlreiche Länder, weil die Käfige dort nicht den Vorgaben entsprechend vergrößert worden seien. Ende Juni verschickte die Kommission letzte Mahnungen an zehn Mitgliedsstaaten, darunter Frankreich, Italien und die Niederlande. Deutschland erfüllt die Vorgaben bereits seit zwei Jahren.

dab/dapd/dpa



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