Umfrage zu Qualitäts-Spielzeug "Blink, Kreisch, Glitzer"

Lego-Baukästen, Disney-Figuren oder doch lieber eine Barbie? Kurz vor Weihnachten stürmen die Deutschen die Spielzeugläden. Eine Umfrage für SPIEGEL ONLINE zeigt, welchen Herstellern Eltern wirklich vertrauen.

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Hamburg - Am Lego-Regal im Laden von Karen Hartmann lernt man viel über das Erfolgsrezept der bunten Steine: Auf dem Karton des blauen "City-Set" schleppen bärtige Bauarbeiter-Männchen Gasflaschen von einem Lastwagen. Zwei Regalbretter darüber steht "Lego Friends", ein lila Karton, auf dem "Emma" ihrem lila gesattelten Pferd gerade eine Medaille anhängt. Für die Älteren gibt es ein Set zum erfolgreichen "Lego Movie", für die Jüngsten ein Feuerwehrauto aus Duplo-Steinen.

"Man kann mit ein paar Steinen selber ein Auto zusammenbauen, gleichzeitig gibt es ganze Spielewelten", sagt Karen Hartmann. Einerseits die Vielfalt, anderseits wisse man bei Lego immer, was einen erwarte.

Seit viereinhalb Jahren führt die 61-Jährige den kleinen Spielzeugladen "Majoli" in Hamburg-Uhlenhorst, nahe der Alster. Der kleine Erdgeschossladen ist ein wahrer Pädagogentraum: Links vom Eingang sind die "Kosmos"-Experimentierkästen gestapelt, rechts stehen Haba-Murmelbahnen und auf einem Pappregal geradeaus die Hartgummi-Dinosaurier von Schleich. Karen Hartmann, kurze blonde Haare, violetter Pullover, ist eigentlich keine Anhängerin der globalen Spielzeug-Giganten: Mattels Barbie gibt es bei ihr nicht, "so ausgehungert muss eine Puppe nicht aussehen". Aber auf Lego lässt sie nichts kommen.

Hartmanns Sympathie für die Plastiksteine mit den Noppen teilen Millionen Deutsche: 85 Prozent der Deutschen vertrauen Lego - mehr als jeder anderen Spielzeugmarke. Das zeigt der Vertrauensindex des PR-Verbandes GPRA, der SPIEGEL ONLINE in Auszügen exklusiv vorliegt. Für die repräsentative Umfrage hat das Meinungsforschungsinstitut Mentefactum mehr als tausend Deutsche ab 14 Jahren befragt.

"Der Knopf im Ohr ist sein eigenes Gütesiegel"

Ob eine Spielzeugmarke Eltern ein wohliges Gefühl beschert, entscheidet im Weihnachtsgeschäft über Milliardenumsätze: Allein aus der Elterngeneration der 25- bis 44-Jährigen will jeder zu Weihnachten durchschnittlich 80 Euro für Spielzeug ausgeben, hat eine Umfrage der GfK-Marktforscher ergeben. Knapp zwei Milliarden Euro für Puppen, Rennautos und Bauklötze könnten so vor dem Fest zusammenkommen.

Neben Lego sind gerade die heimischen Traditionsmarken beliebt: Steiff, Märklin und Ravensburger vertrauen rund 80 Prozent der Deutschen. "Die bekam man selbst als Kind von Oma und Opa geschenkt. Sie stehen für hohe Qualität schlechthin", sagt GPRA-Präsident Uwe Kohrs. "Der Knopf im Ohr bei Steiff - der ist sein eigenes Gütesiegel".

Auch Karen Hartmann mag die deutschen Hersteller, weil sie nicht ständig etwas Neues präsentieren: "Ich weigere mich, auf jeden Trend aufzuspringen. Neulich hatte ich eine Puppe in der Hand, die konnte Deutsch, Englisch und Französisch sprechen - völlig überflüssig!" Was sie für Plunder hält, kommt ihr gar nicht erst in die Regale.

Tradition ist aber nicht alles. Ravensburger etwa genießt bei Befragten in den Fünfzigern deutlich höheres Vertrauen als bei 14- bis 40-Jährigen. "Für Jugendliche sind das die Brettspiele, die sie mit ihren Eltern spielen. Die probieren das selber gar nicht aus", sagt Kohrs. In der künftigen Elterngeneration wird Ravensburger offenbar eher mit "Mensch ärgere dich nicht" oder Memory assoziiert: lehrreich, heimelig und ein klein wenig langweilig.

Richtig misstrauisch macht viele Spielzeugkäufer aber das, was Hartmann als "Blink, Kreisch, Glitzer" verspottet. Die Model-Püppchen von Barbie mag gerade einmal jeder Zweite, Disney sogar nur jeder Dritte. Weil die Micky-Maus-Marke mit jedem Film auch neue Spielfiguren herausbringt, ist sie das Gegenstück zur flauschigen Verlässlichkeit von Steiff: "Vieles von Disney ist bunt und quietschig, selten sind die Spielzeuge pädagogisch wertvoll", findet Markenexperte Kohrs.

Genau das suchen aber viele beim Spielzeugkauf:

  • 74 Prozent der gut tausend Befragten vertrauen Spielzeug, bei dem Kinder etwas lernen.
  • Noch wichtiger ist ihnen Ungefährlichkeit (89 Prozent)
  • und ein Prüfsiegel (83 Prozent).

Gerade hier punkten Traditionsmarken wie Lego oder Playmobil, die beim bislang letzten Spielzeugcheck der Stiftung Warentest vor drei Jahren Bestnoten bekamen. "Die wissen genau: Wenn sie einmal ein schlechtes Testergebnis bekommen, haben sie ein Riesenproblem", glaubt Spielzeugverkäuferin Hartmann.

Prüfsiegel? Weichmacher? Verschluckbare Kleinteile? Dass für die Kinder andere Qualitäten zählen, kann man jeden Samstag bei Toys'R'Us sehen - und hören. Am Geschrei der Kinder ist schon manch hehrer Elternanspruch gescheitert, manche Holzeisenbahn ist dann heimlich ins Regal zurückgewandert.

In Karen Hartmanns "Majoli" sitzen zwei Jungen an einen kleinen Tisch und spielen mit Bären, die ein Puppenhaus bewohnen. Während die Kinder abgelenkt sind, streifen ihre Eltern durch den Laden und suchen die Weihnachtsgeschenke aus. Dazu passt: Auf die Meinung der Kleinen vertraut laut der GPRA-Umfrage nur jeder Zweite.



insgesamt 29 Beiträge
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archback 12.12.2014
1.
Lego lebt noch immer von seinem Vertrauensvorschuß. Doch die Standardsteine aus unserer Kindheit mit denen man seine Phantasie bemühen mußte, sind kaum noch zu finden. Stattdessen gibt es fast nur noch Themenbausätze zum Nachbauen ohne Variationsmöglichkeiten zu überteuerten Preisen. Die Eltern haben es nur noch nicht gemerkt.
mac4me 12.12.2014
2. Ok, ich bin 64...
...und die Welt hat sich weitergedreht. Aber ich bin im Grunde über das heutige Spielzeug entsetzt. Wo bleibt da die Fantasie, was sind das für fürchterliche Farbzusammenstellungen, was ist das für eine Billigware in immer neuen Variationen? Mir verursacht das Brechreiz. Womit habe ich den gespielt? Mit noppenbesetzten Sandsteinen, ähnlich Alego, nicht so universell, aber sehr schwer und für Bauten bestens geeignet. Und mit einem sehr Teilbereichen Stabilbaukasten aus Aluminiumteilen, der ebenfalls sehr universell war. Mit diesen beiden Spielzeugen konnte ich als Kind fast alles machen. Und ich habe das geliebt. Später hatte ich noch eine H0-Modelleisenbahn. Es gab auch ein paar Teile aus dem Westen von Fleischmann, aber ich fand die als Kind nicht so toll wie die aus der DDR. Später als Erwachsener merkte ich dann, warum die DDR-Teile so gut waren. Meine Verwandten aus dem Westen ließen mir auch ein paar Kosmos-Experimentierkästen zu kommen. Die waren ganz hervorragend. So etwas würde ich auch heute jedem Jungen und jede Mädchen wünschen. Ich habe heute das Gefühl, es gibt vor allem actionfiguren für die Jungs und Barbies für die Mädchen. Das finde ich ziemlich katastrophal.
antori 12.12.2014
3. Irgendwie habe ich diese Umfrage verpasst ...
sonst hätte ich Fischertechnik gewählt. Aber mir scheint, es war in der Umfrage gar nicht vorhanden. Schade eigentlich! Naja, und LEGO hat mit Videospielen, Apps, Kinofilmen in der letzten Zeit ordentlich nachgeholfen.
schnatz68 12.12.2014
4. Lego
Selbst im Erwachsenenalter hat lego für mich einen gewissen Reiz behalten. Alledings haben mich auch als Kind immer nur die Technik-kästen interessiert. Das eigentliche Produkt habe ich vielleicht 2-3 Mal zusammengebaut. Alle anderen Kästen mit großen Einzelteilen habe ich nie gehabt.Danach wurden die wildesten Konstruktionen selbst entworfen. Auch Lego war ein Grund,warum ich beim Maschinenbau gelandet bin.
nine1011 12.12.2014
5. Pädagogisch wertvoll
...kann auch Plastikspielzeug sein, also auch LEGo und da schließe ich mich dem ersten Kommentar an: die Themenbausätze bringen nur dem Hersteller was. Wichtig ist doch das Erleben, Entdecken und das Anregen der Phantasie fürs Kind. Lego, Brio Ostheimer usw. Kann immer wieder neu gebaut, konzipiert und kombiniert werden und das ist es worauf es ankommt. Nicht, was sich der Produktmanager gedacht hat, was damit gemacht werden SOLL.
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